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Manfred Koller: 40 Jahre Einsatz der Restaurierwerkstätten für Oberösterreich

St.Wolfgang am Wolfgangsee, Wallfahrtskirche, Reliquienschrein mit Textilrelief des hl. Wolfgang 1590: Restaurierung 1993. Foto: M. Koller

Linz, Seminarkirche, Fassadenrestaurierung 1988: Farbkonzept von 1725 in Rosa-Weiß entsprechend dem rosa Untersberger Marmor der Portalrahmung,  dazu Bleiweißfassung der Attikaskulpturen. Foto: M. Koller.
 

Lambach, Stiftskirche, Adalberoteppich um 1700: nach Restaurierung für die Landesaustellung 1989.

Ried im Innkreis, Pfarrkirche, Bräueraltar 1669, Gesamtrestaurierung für die Schwanthalerausstellung in Reichersberg 1974, Nachpflege 1974. Foto: M. Koller.

Eitzing, Pfarrkirche, Totenkapelle, Wundmalkruzifix von Johann Peter Schwanthaler d.J. mit 1991 freigelegter Totenfassung.

Im aktuellen Denkmalpflegeheft des Landeskonservatorats f. OÖ und des Vereins Denkmalpflege schreibt Manfred Koller über die vielfältigen Arbeiten, die die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes in den letzten 40 Jahren für Oberösterreich erbracht haben. Daraus ein Auszug:

"Neben den Bundesländern Wien und Niederösterreich (mit den größten Kriegsschäden und hohem Nachholbedarf) waren und sind die Einsätze der Amtswerkstätten für Oberösterreich traditionell intensiv. Dies war durch die gute Zusammenarbeit mit den Landeskonservatoren von Gertrude Tripp (1951-1956), Norbert Wibiral (1957-1985), Gerhard Sedlak (1986-1994) und seither Wilfried Lipp bedingt, aber auch durch besondere Projektkooperationen mit der Kulturabteilung des Landes Oberösterreich (z.B. bei der dreijährigen Vorbereitung der Schwanthaler-Ausstellung im Stift Reichersberg 1974 oder für die Neuaufstellung der Kunstsammlungen im Stift St. Florian 1984). ....

Größere Außenarbeiten der Amtswerkstätten für Oberösterreich seit 1970

• Lambach, Stiftskirche (Roman. Wandmalerei: 1966-67, 1979-80, Stiftsportal: 1986)
• Zell an der Pram, Schloss (Winckfresken: 1968)
• Stadl Paura, Dreifaltigkeitskirche (Carlonefresken: 1970)
• St. Wolfgang am Wolfgangsee, Pfarrkirche (Pacheraltar: 1971, 1975, 1976, Schwanthaleraltar: 1979, Rosenkranzaltar: 1982)
• Reichersberg, Stift, Schwanthalerausstellung (1972-1974: 260 Skulpturen)
• St. Georgen an der Mattig, Filialkirche (3 Zürnaltäre: 1978)
• St. Florian, Stiftssammlungen (1984)
• Schlierbach, Stift (Bernhardisaal-Stuckausstattung: 1986)
• Kremsmünster, Stiftskirche (Gunthergrab: 1987)
• Steyr, Stadtpfarrkirche (Nordfassade: 1985, Nordportal: 1991, Vorsterepitaph: 2005)
• Laussa b. Steyr, Speicher 1665 (Bau- und Putzkonservierung: 1985)
• Hallstatt, kath. Pfarrkirche (Flügelaltar 1515: 1983-84)
• Pesenbach, Filialkirche (Haupt-Flügelaltar: 1987)
• Oberrauhenödt, Filialkirche (Flügelaltar: 1989)
• Waldburg, Pfarrkirche (3 Flügelaltäre: 1949, 1996)
• Braunau, Stadtpfarrkirche (Flügelaltar Bäckerkapelle: 2001)
• Kefermarkt, Pfarrkirche (Flügelaltar: 2005)

Restaurierschwerpunkte in OÖ.

Die Kunst- und Denkmallandschaften Oberösterreichs spiegeln sich in den inhaltlichen Restaurierschwerpunkten der letzten vierzig Jahre auf verschiedene Weise.

Die Baudenkmalpflege wurde zunächst durch die seit den späten 1960er Jahren entwickelte systematischen Fassadenuntersuchungen und historischen Farbbefunde unterstützt (z.B. Steyr: Kirchengasse 5, Rathaus; Stift Kremsmünster: Stiftskirche und Prälaturhof; Stift Lambach: Westfassade; Linz: Deutschordens-, Karmeliter-, Ursulinen- und Minoritenkirche). Seit 1985 begann mit der Pfarrkirche Steyr die Erarbeitung von Konzepten und Methoden für historische Steinfassaden (danach Konzepte für Braunau, Neukirchen an der Enknach u.A.).

Bei mittelalterlichen Wandmalereien steht die Erhaltung der hochromanischen Wandmalerei im Stift Lambach an vorderster Stelle.
Die Konservierung der Glasmalereien des Mittelalters in Österreich ist in den Amtswerkstätten konzentriert und mit der wissenschaftlichen Corpusbearbeitung verknüpft. Aus Oberösterreich sind vor allem Bestände aus Hallstatt und Wels zu nennen.
Für die großen Zyklen barocker Wandmalereien (wie Kremsmünster, Lambach, St. Florian) wurden die beauftragten Restauratoren nach 1980 verstärkt mit Untersuchungen und Dokumentationshilfen unterstützt. Die Freilegung der riesigen Fassadenmalereien des frühen 17. Jahrhunderts am Landschloss Parz bei Grieskirchen wurde im Rahmen eines europäischen Forschungsprojektes in vielen schwierigen Methodenfragen begleitet.

In dem für Oberösterreich besonders ausgeprägten Bereich barocker Stuckausstattungen sind seit langem die besten Stuckrestauratoren Österreichs tätig. In der Begleitung vieler Projekte konnten mit ihnen und dem Amtslabor die historischen Stucktechniken erforscht und auch rationellere wie schonendere Freilegungsmethoden eingeführt werden (Leim-Strappo-Freilegung der Kirchengewölbe in Lambach 1987).

Unter den besonders gefährdeten Steindenkmalen in der freien Bewitterung sind besonders Steinportale (z.B. Stift Lambach, Westportal) oder Steinsäulen (Linz: Dreifaltigkeitssäule, Wernstein: Mariensäule) und außen versetzte Steinepitaphe (Steyr: Vorsterepitaph u.A.) zu nennen. Unter den Steinbildwerken in Innenräumen war die Wiederaufstellung der Renaissancetumba des letzten Schaunbergers in der Stadtpfarrkirche Eferding das schwierigste Projekt.

Unter den Kirchenausstattungen zählen die spätgotischen Flügelaltäre zu den Highlights des oberösterreichischen Denkmalbestandes mit einer Restauriertradition seit Adalbert Stifter. Sorgfältige Konservierung und erstmalige Dokumentation von Material und Zuständen in fotogrammetrischen Plänen des Bundesdenkmalamtes erfuhren die großen Retabel in St. Wolfgang, Hallstatt, Kefermarkt und die kleineren in Hallstatt, Pesenbach, Oberrauhenödt, Waldburg, Braunau und Pulgarn. Dazu kommen viele Retabelfragmente, vor allem Flügelreliefs aus Niederneukirchen, Mehrnbach, Kremsmünster, Zell am Pettenfirst u.A.

Barocke Gemälde auf Leinwand in Dimensionen bis 40 m² Fläche (z.B. Enns-Lorch) sind die zahlenmäßig größte Gruppe. Hier stehen Altargemälde (z.B. der Stiftskirchen von St. Florian, Kremsmünster, Schlierbach, Spital am Pyhrn) an erster Stelle, aber auch die große Gemäldevielfalt auf Holz, Leinwand oder Metallplatten in den Stiftssamlungen (St. Florian, Lambach, Kremsmünster), Pfarrhöfen oder Schlössern (zuletzt: Greinburg).

Auch bei Tapisserien und bemalten Wandbehängen nimmt Oberösterreich innerhalb Österreichs einen Spitzenplatz ein. Bearbeitet wurden Werke aus den Stiften Lambach, Kremsmünster, Garsten und Traunkirchen sowie aus dem Linzer Rathaus. Das größte Ensemble in der ehem. Stiftskirche von Garsten mit noch erlebbarem zweifachem Wechsel der Darstellungen im Laufe des Kirchenjahres wird erst bis zum Jubiläum 2009 fertig sein. Doch wurde schon seit langem gemeinsam mit der Pfarre die Deponierungs- und Aufhängemethodik konservatorisch verbessert.

Die nach den Gemälden zweitgrößte Gruppe bilden gefasste Skulpturen aus Mittelalter und Barockzeit, meistenteils aus Holz, wobei seit den 1970er Jahren auch die Holzarten analysiert und statistisch ausgewertet werden. So wurde deutlich, dass das für die gotische Schnitzkunst vorherrschende Lindenholz im Barock durch Ahornholz ersetzt worden ist (Werke der Zürn, Schwanthaler, Guggenbichler).
Die Verbindung zu den gotischen und barocken Retabeln ist hier ganz eng. Die Restaurierproblematik ist aber besonders groß, weil bis heute das Vergolderhandwerk ohne entsprechende Vorraussetzungen auch restauratorisch mit oft fatalen Folgen tätig ist (z.B. unzureichende oder falsche Befunde, unnötige oder schichtenmäßig falsche Freilegungen, Abnahme barocker Originalfirnisse, Neuaufpolieren historischer Vergoldungen etc.). Die Vielfalt und die hohen technischen und künstlerischen Qualitäten der historischen Fassmalerei gegen damit verloren. Denn auch die Kunstgeschichte hat sich mit den einzelnen Fassmaler-Persönlichkeiten noch kaum beschäftigt, wie sie für Oberösterreich in Einzelfällen dokumentiert sind: die Malerfamilie Heupl aus Lambach (Zell am Pettenfirst 1665) , der Rieder Maler Franz Gamann (Schwanthaleraltar 1675 in St. Wolfgang) oder Martin Wichlhamer als bester Fassmaler der Werke Meinrad Guggenbichlers (bes. Stiftskirche Mondsee). Vorbereitung und Katalog der Schwanthalerausstellung 1974 im Stift Reichersberg haben hier österreichweit Pionierarbeit geleistet.

Im kleineren Rahmen fanden auch verschiedenste Metallobjekte Behandlung, vor allem, wenn sie mit Forschungsproblemen verbunden waren. Dazu gehören die Kombinationen mit Papierunterlagen bei gotischem Eisenschnitt (z.B. Sakamentshausgitter 1499 in Zell am Pettenfirst), die Rettung der bemalten barocken Eisenepitaphe in der Gruft der Pfarrkirche Steyr, das genagelte Pantherwappen auf dem Wasserturm in Steyr oder feuerversilberte barocke Wandappliken im Marmorsaal von St. Florian.
Von Papierobjekten sei hier nur auf die Entdeckung von Riesenholzschnitten der Renaissance (Arabesken und Holzflader) verwiesen, mit denen man im 16. Jahrhundert Holzbalkendecken beklebt hat. In Steyr, Hauptplatz 13, konnten sie zuletzt konserviert werden, während bei der Revitalisierung des Bummerlhauses gegenüber vor 30 Jahren die letzten Reste einer ähnlichen Originaldekoration entfernt worden sind.
Schließlich sind noch Reliquien, Klosterarbeiten oder Heilige Gräber als eine besondere Gattung funktioneller Sakralkunst zu erwähnen, die erst in den letzten Jahren stärkere konservatorische Beachtung finden. Derzeit sind als besonders komplexe Werke dieser Art der Reliquienaufbau des Hochaltares der ehem. Stiftskirche in Mondsee und das ebenda seit Jahren deponiert gewesene Jugendstil-Ostergrab mit aus farbigen Glasperlen gebildeten Figuren in Arbeit."

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