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/ Wien
Party im 60er-Jahre-DenkmalTolle Stimmung mit Techno-Superstar DJ Hell

Das ehemalige Seerestaurant im Winter

Kultig! Sixties-Architektur im Donaupark

Der weltbekannte DJ Hell an den Plattentellern im Pavillon Donaupark



© ECR
Das ehemalige Seerestaurant scheint auch in der Collage des Künstlers Hans Weigand für den Europäischen Radiologenkongress 2007 auf



"Are they into botanics? kissing at sunrise? they like gardening? listening to music while watching the geese": Unter diesem Motto standen im Sommer 2006 spezielle Musikevents im schönen, nun aus dem Dornröschenschlaf erwachten Pavillon am Irissee im Donaupark.
Der legendäre unter Denkmalschutz stehende Pavillon im Donaupark erwachte im Sommer 2006 nach Jahren zu neuem Leben. Zwischenzeitlich als Fitness-Studio genutzt und dann über Jahre leer gestanden, fanden dort im Club PUU wieder tolle Events statt. Mit Blick auf den See wurde zu Italo, Electronica, Rocksteady, Surf, Boogaloo, Cosmic, House, Dub, Tiki und Jazz getanzt. Am 16. September 2006 standen zum Beispiel Techno-Weltstar DJ Hell und Patrick Pulsinger an den Turntables und heizten hunderten begeisterten Musikfreunden mit schnellen Beats ein. Eigentlich eine würdige Eröffnungsparty für den Europäischen Tag des Denkmals 2006, der passend unter dem Motto "Am Wasser" stand. Das Fußbodenniveau des Seepavillons liegt übrigens unterhalb der Wasseroberfläche.
Der coole Pavillon hat es anscheinend musikalisch in sich. Auch Ausnahmekünstlerin Christina Stürmer als das neue Testimonial in den Werbespots eines globalen Medienunternehmens nutze die Location zwischen Silberpappeln und Froschlöffel für Dreharbeiten. Das Musikvideo zum Song "Um bei Dir zu sein" (2006) wurde im Seerestaurant gedreht (Süd- und Westbahnhof kommen im Video auch vor).
Internationale Aufmerksamkeit wird dem Seerestaurant auch durch eine Arbeit des in Hall in Tirol geborenen Künstlers Hans Weigand zu teil. Weigand gestaltete speziell für den in Wien stattfindenden Europäischen Radiologenkongress mit 15.000 Teilnehmern das Plakat ECR 2007. Er verwendete für seine Wiener Bildcollage neben interessant bearbeiteten Fotos der Denkmäler Belvedere, UNO-City, Parlament, Stephansdom, Wotruba-Kirche, Vermählungsbrunnen am Hohen Markt, Narrenturm u. a. auch eine Aufnahme des Seerestaurants im Donaupark für sein Kunstwerk. Weigands künstlerisches Universum ist interdisziplinär und multimedial bestimmt und reicht von der digital generierten Malerei über die Fotografie und Grafik bis zur Skulptur, von der Rauminstallation über Video, Film bis zum Gitarrenrock. An die Entstehungszeit des Seerestaurants in den Sechzigern scheinen auch manche Projekte des Künstlers zu erinnern, zum Beispiel die beeindruckende Installation "Cotton 2001” in der Secession Wien im Jahr 2001, die, stellvertretend für die Utopien der 60er Jahre, die deutsche Groschenromanreihe "Jerry Cotton" und Stanley Kubricks zum Filmklassiker gewordene Evolutionsstory "2001 - Odysee im Weltraum" aufgreift. In seinen Überarbeitungen und Neubearbeitungen der Geschichten, in seinen Montagen und Collagen untersucht Hans Weigand, ob und wenn ja wie weit die Zukunftsvisionen der 60er Jahre von den gegenwärtigen gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen entfernt liegen. Unter diesem Gesichtspunkt könnte man den Seepavillon im Donaupark auch als Relikt einer Epoche sehen, in der Utopien und der Aufbruch in eine bessere Welt zu den Träumen eines neuen Zeitalters gehörten.
Weigand ist übrigens auch mit Kunst-am-Bau-Projekten, wie beim Parkhotel Hall (Architektur: Henke und Schreieck/Lois Welzenbacher) oder mit den Schriftzügen "Sozial" in der SOWI Innsbruck (Architektur: Schreieck und Henke), präsent.
Das im Rahmen der Wiener Internationalen Gartenschau (WIG 64) im Jahre 1964 errichtete Seerestaurant ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele einer Freizeitarchitektur der Nachkriegsmoderne in Wien. Zeitgleich mit dem Donauturm wurden verschiedene spezielle Bauten, unter anderem auch ein Sessellift, für die Gartenschau errichtet. Die UNO-City, nicht weit entfernt, wurde erst Jahre später in Angriff genommen. DI Dr. Kurt Schlauss, der Architekt des Pavillons am Iris-See, hatte Ende der sechziger Jahre unter anderem Wiens erste U-Bahn-Station, den Karlsplatz, geplant. Das Büro Prof. Kurt Schlauss wurde auch für die Planung des neuen U-Bahnausgangs Secession, der im Herbst 2006 fertiggestellt wurde, beauftragt.
Der Pavillon im Donaupark, eine verkleidete Stahl-Glas-Konstruktion, stellt mit seinem anspruchsvollen Entwurf mit qualitätvoller Detaillierung eines der wenigen erhaltenen Beispiele der Architektur der 60er-Jahre in Wien dar. Der als liegender Quader mit Säulen in zwei Geschossen konzipierte Bau entspricht in Entwurf und Detaillierung den Prinzipien der internationalen Nachkriegsmoderne - schließlich war es anlässlich der WIG 1964 ein Anliegen Wiens, sich als fortschrittliche, weltoffene und moderne Weltstadt zu positionieren. Besonders qualitätvoll ist die Einbindung des Pavillons in die Umgebung. Als Standort wurde das Ufer des künstlich angelegten, 1993 von der MA 45 renaturierten Iris-Sees gewählt. Der untere Saal scheint zum Teil unterhalb des Wasserspiegels zu liegen. Damit ist nicht nur eine maximale Einbindung in die Seeufer-Umgebung gegeben, das Wasser fungiert so auch als Gestaltungselement für den Innenraum. Gleichzeitig werden die Möglichkeiten moderner Materialien vorteilhaft präsentiert. Die Hauptfassade ist dem Wasser zugewandt; über die Einführung räumlich geknickter Fenstergestaltungen im Obergeschoß werden je nach Lichteinfall Reflexe erzeugt, die die Fassade zu einer raffinierten Etüde zum Thema reflektierende Materialien/Glas-Wasser machen. Der repräsentative Stellenwert im Kontext der WIG 64 und die Seltenheit des Bautyps verleiht dem gediegen ausgeführten Bauwerk besondere Bedeutung.
Derzeit laufen die Planungen, den Pavillon für die MA 42 Stadtgartenamt denkmalgerecht zu adaptieren.
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