Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Ein "steinerner Teppich" in Graz

Mosaik-Pflasterung mit sog. "Murnockerln".

Auf 174 Meter Länge erhaltene Pflasterung. Zustand im Jahr 2005.

Nur schadhafte Stellen werden unter Verwendung der vorhandenen Steine erneuert.

Große Sorgfalt ist bei der Wahl der Steine nötig, die mit Gefühl in ein Bett von Sand und Erde gesetzt werden.

Ein Kieselornamentband aus "Murnockerln" säumt eine der ältesten Straßen in Graz.

Die Maria Theresien Allee als Verkehrsweg lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Vom Paulustor zum Geidorfplatz wird diese Allee heute auf fast der gesamten Länge von einem Gehweg mit einer Mosaiksteinoberfläche aus kleinen Flusssteinen, den sog. "Murnockerln", wie von einem ausgerollten Teppich begleitet. Dieses Grazer Kieselornamentband ist einzigartig in Graz und Österreich.
Nach Aufhebung der Festungswerke 1784 plante man die ringförmige Erweiterung der Stadt um das ehemalige Festungsglacis. 1787 wurde die Dammallee auf dem Stadtgrabenwall angelegt. Hundert Jahre später entstand der heutige Stadtpark als englischer Naturpark.
In den 1930er Jahren begann man mit der Staubfreimachung der Wege im Park.
Die Mode, Gehsteige und Promenaden mit ornamentalen Mosaiken zu versehen begann im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts etwa in Berlin, Köln, Darmstadt oder Kopenhagen. Die portugiesische Pflastermosaikkunst auf Madeira hatte ihre Hochblüte bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Mosaik-Pflasterung mit Flusskieseln gehört zum Repertoire des Pflastererhandwerks. Die Verwendung besonders kleiner Kieselsteine und die Wahl eines einfachen geometrischen Ornaments in Schwarz und Weiß könnten von Handwerkern des Veneto beeinflusst sein.
Die erhaltene Pflasterung ist 174 Meter lang und 174 Zentimeter breit und wird auf beiden Seiten von je einer Großsteinpflasterreihe gesäumt. Über die Gestaltungsidee existieren leider keine Aufzeichnungen. Die Steine sind im Allgemeinen aufrecht stehend „auf Knirsch“ im Reihenverband verlegt. Dadurch entsteht eine große Festigkeit und Tragfähigkeit. Die Spitzen der Steine wurden, wenn notwendig, mit Hämmerchen und einem Schlag für eine ebene Gehfläche geköpft.
Die weißen Steine sind Quarze, Gneise und Kalke. Die schwarzen Steine sind Amphibolite, Schiefer, Granulite und Karbonate.
Der Unterbau des Mosaiks ist ca. 50cm tief und besteht aus acht verschieden starken und verschieden zusammengesetzten Schichten, die gemeinsam die Tragfestigkeit, Frostbeständigkeit, Wasserdurchlässigkeit usw. gewährleisten. Die Dichtigkeit nimmt nach unten ab.

Im Zusammenhang mit einer Aufwertung des Stadtparks hat die Stadt Graz die Sanierung der Kieselmosaiksteinpflasterung in Angriff genommen. Die Umsetzung erfolgt durch die Abteilung für Grünraum und Gewässer in enger Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt. Zuvor wurde Dr. Anita Drexel von der Universität für Bodenkultur Wien mit einem gartendenkmalpflegerischen und landschaftsbaulichen Gutachten für die Sanierung beauftragt.
Im Herbst 2005 wurden drei Pflasterer eingeladen, je eine vergleichbare Musterfläche zu restaurieren. Die Flächen wurden dann nach technischen, optischen, usw. Kriterien beurteilt.
In diesem Frühjahr wurde nach der Frostperiode des vergangenen Winters eine weitere Beurteilung durchgeführt. Aus diesem Ranking, natürlich auch unter Berücksichtigung der Kosten, wurde die Firma ABAG Hoch-Tiefbau Pflasterei beauftragt, die zur Zeit das Mosaikpflaster restauriert.

Druckersymbol Druckversion