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Gasthof Freihof in Sulz/Vbg.Ökologische Sanierung und Denkmalschutz, funktioniert das?

Diskussion mit Handwerkern, Bauherrschaft und Beratern

Diskussion mit Handwerkern, Bauherrschaft und Beratern

Altes Aquarell des Gasthofs Freihof

Altes Aquarell des Gasthofs Freihof   ©Lydia Zettler-Madlener

Gasthof Freihof vor Sanierung

Gasthof Freihof vor Sanierung, Zustand 2004

Die Gaststube mit originaler Einrichtung

Die Gaststube mit originaler Einrichtung

Das sog. Ägyptische Zimmer, ausgestattet 1896 von Florus Scheel

Das sog. Ägyptische Zimmer, ausgestattet 1896 von Florus Scheel

Historisches Fenster mit bombierten Scheiben und Jalousieläden

Historisches Fenster mit bombierten Scheiben und Jalousieläden

Schäden am Sandsteingewände

Schäden am Sandsteingewände

Schnitt durch das Bauwerk

Schnitt durch das Bauwerk ©Arch. Beate Nadler-Kopf

Fassade während der Restaurierung: Reparierte Läden - Fassade im Kalksytem

Fassade während der Restaurierung: Reparierte Läden - Fassade im Kalksytem

Schablonenmalerei im 1. Obergeschoss

Schablonenmalerei im 1. Obergeschoss

Kegelbahn im Garten

Kegelbahn im Garten

Der Backofen aus dem Jahr 1914

Der Backofen aus dem Jahr 1914

Keller aus dem späten 18. Jahrhundert

Keller aus dem späten 18. Jahrhundert

Ein Gasthof der Jahrhundertwende im Vorarlberger Rheintal  soll als "Haus der Zukunft"-Projekt  zeigen, dass sich Energiesparen und denkmalpflegerische Grundsätze in der Sanierung nicht unbedingt ausschließen, sondern vielmehr eine für beide Seiten gewinnbringende Sache sein können.

Der Gasthof stammt im Kern aus dem Jahre 1796 (Gewölbekeller), zeigt heute aber das Erscheinungsbild der Zeit um 1900. Im Jahr 1899 wurde ein Anbau für einen weiteren Saal (sog. Rosensaal) erstellt. 1914 wurde der heute noch erhaltene und betriebsfähige Backofen eingebaut. Der steigende Raumbedarf hatte 1927 einen Umbau im Inneren zur Folge. Ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts verlor der Gasthof an Bedeutung. In dem Anwesen waren eine Gastwirtschaft und eine Krämerei untergebracht; in der Remise befanden sich die Schnapsbrennerei und ein Weintorkel, und im Gastgarten hat sich eine verandaartige Kegelbahn erhalten.
Der Gasthof präsentiert sich als zweigeschossiger Massivbau unter steilem, ziegelgedecktem Krüppelwalmdach. Daran schließt sich ein ebenfalls zweigeschossiger Bau unter flach geneigtem Blechdach an. Aus der Zeit um 1927 dürfte ein dreigeschossiger Quertrakt mit Kreuzgiebeldach stammen, der die WC-Anlagen enthält. Das Haus hat einen Mittelflurgrundriss und ist über eine zweiläufige Treppe und ein historistisches Portal erschlossen. Eine Besonderheit bilden die Fenster mit großteils bombierten Gläsern, Jalousieläden und Sandsteingewänden. Der Keller aus der Zeit von 1796 besteht aus drei tonnengewölbten Räumen auf verschiedenen Niveaus und enthält zahlreiche Weinfässer. Im Erd- und Obergeschoss weisen die Räume großteils Parkettböden auf. Durch den Mittelflur gelangt man links in das so genannte „Ägyptische Zimmer“ mit Feldervertäfelung bis ca. 1,70 m Höhe und einer gemalten ägyptischen Landschaft mit Sphinx, Nil und Tempelruinen darüber. Sie stammt vom bekannten Feldkircher Maler Florus Scheel von 1896. Das gegenüberliegende Gastzimmer hat eine gestrichene Feldervertäfelung bis zur Decke und einen hellgrünen Ofen mit Jugendstilkacheln. Im hinteren Teil des Gebäudes befindet sich die Backstube, die durch einen mächtigen etwa 3 m breiten Backofen im Jugendstil mit weiß-blauen Kacheln von 1914 beeindruckt. Im Anbau unter dem flach geneigten Dach befanden sich ein Magazin und der Verkaufsladen der Krämerei. Zur Gesamtanlage gehört noch die im Gastgarten gelegene Kegelbahn, die wie eine einseitig offene Veranda gestaltet ist. Sie ist in Holzbauweise mit Satteldach errichtet und zeigt im Giebel eine verziert ausgesägte Verbretterung.

Wirtschafts- und kulturhistorisch bedeutsam ist die Tatsache, dass das Gebäude nicht nur eine traditionsreiche Gaststätte war, sondern in Kombination mit einschlägigen Gewerbebetrieben – Bäckerei, Krämerei, Mehlhandlung, Schnapsbrennerei, also eine besondere Angebotsvielfalt – geführt wurde. Diese Einzigartigkeit dient auch als Grundlage für das neue Betriebskonzept. Mindestens fünf eigenständige Unternehmen, bzw. Unternehmenskooperationen sollen künftig im Freihof Sulz untergebracht werden (Seminaranbieter, Gastronomie, Therapie, Veranstaltungsmanagement, Kulturanbieter und Händler für den Betrieb des Degustationskellers und Gesundheitsladens).
Das Projektvorhaben „Sanierung des erhaltenswerten Kulturerbes Freihof Sulz“ ist durch einen integrativen Planungsprozess geprägt, der neben der klassischen Nutzungstauglichkeit vor allem die Aspekte der Sozialverträglichkeit, Raumverträglichkeit, städtebaulichen Entwicklung und Nachhaltigkeit im Sinne des sparsamen und achtsamen Umgangs mit raren Ressourcen sowie des sinnvollen Einsatzes von ökologischen und „gesunden" Baumaterialien berücksichtigt.

Die nun laufende Sanierung ist ein Pilotprojekt für „Haus der Zukunft“ das sich bisher nur an Neubauten gewagt hat. Aber Energiesparen und Denkmalschutz müssen sich nicht ausschließen: Denn die alten, in der Denkmalpflege bevorzugten Materialien wie Kalkputz, Ziegel  oder Holz aus der Umgebung  entsprechen durchaus den ökologischen Kriterien und reparieren ist zudem nachhaltiger als wegwerfen und neu machen.

Die Gebäudehülle soll mit Bedacht auf das kulturelle Erbe Energie sparend saniert werden. Dazu werden ökologische Materialien eingesetzt und die Nutzung und Weiterentwicklung zukunftsträchtiger alter Bautechniken und die Energieversorgung durch erneuerbare Energien angestrebt. So sollen z. B. der Dachstuhl und die Flachdächer auf Niedrigenergiehausstandard gebracht werden, die bestehenden Fenster optimiert (Dichtungen) oder eine Niedertemperaturdeckenheizung (Lehmbauplatten) eingebaut werden. Daneben sollen die alten Kachelöfen wieder reaktiviert werden und für die Raumwärmeunterstützung und Warmwasseraufbereitung will man eine Biomasseheizung auf Contracting Basis installieren.
Ökologisch motivierte Zusatzinvestitionen sind: Holz aus regionaler Wertschöpfung, Dämmstoffe aus regenerativen, nachwachsenden Rohstoffen; genereller Verzicht auf PVC, Einsatz schadstoffarmer Bauprodukte (z.B. Lösungsmittel- und weichmacherarme Farben, Lacke und Anstriche) usw.
Als Grundlage für die Umsetzung des Objektes dient das "Haus der Zukunft"-Projekt „Energetische Sanierungen in Schutzzonen“, das zusammen mit dem Bundesdenkmalamt in Tirol ausgearbeitet wurde. Die Ergebnisse dieses Projektes werden im Zuge der Sanierung des Freihofes Sulz in die Praxis umgesetzt. Dabei wird die Praxistauglichkeit des HdZ-Projektes evaluiert und in Richtung ökologische Materialwahl und Kosteneffizienz erweitert und optimiert.
Die Umsetzung der Aufgabenstellung und der Zielsetzung erfolgt durch ein interdisziplinär zusammengesetztes Planungsteam (Vertreter der Gemeinde, Architektin, Bundesdenkmalamt, Fachplaner, Bauökologe, Bauphysiker, Energie Tirol, Energieinstitut Vorarlberg).
Hauptaugenmerk aller Beteiligten ist: Materialien, Herangehensweisen sowie Wechselwirkungen aus den verschiedensten Perspektiven zu betrachten. Die Sanierung wird auf Kosten, Qualität, zukünftige Flexibilität, Lebenszyklus, allgemeine ökologische Auswirkungen, Produktivität, Kreativität und die positive Auswirkung auf die Benutzerinnen und Benutzer ausgerichtet. Die aus diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse werden in einem Leitfaden bzw. Bauteilkatalog für energiesparendes und gleichzeitig auch ökologisches Sanieren im kulturellen Erbe durch die Weiterentwicklung alter Bautechniken dokumentiert. Somit entsteht eine Planungshilfe und Unterstützung für die beauftragten Architekten, Fachplaner und für ausführende Firmen. Die Erfahrungen dienen zudem den Entscheidungsträgern von öffentlichen, gewerblichen und privaten Sanierungs- und auch Neubauprojekten, österreichweit und darüber hinaus.

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