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St. Michael im Lungau, Pfarrkirche hl. Michael
Innenrestaurierung schreitet voran

St. Michael i.L., Pfarrkirche, Altarraum

Der restaurierte Chorraum der Pfarrkirche – noch Fehlen das gotische Kruzifix und die barocken Assistenzfiguren im Triumphbogen sowie der Mittelgang

St. Michael i.L., Vor der Restaurierung

Der Westabschluss des Kircheninnenraums vor .....

St. Michael i.L., Empore nach Restaurierung

... und nach der Restaurierung

Barocke Rippenfassung

Muster der barocken Rippenfassung

 

Gotische Emporenstiege

Emporenaufgang nach dem Abbruch der Seitenempore und Freilegung der gotischen Stiege

Mit methodischem und umsichtigem Vorgehen wird eine der schönsten spätgotischen Pfarrkirchen des Landes Salzburg materialgerecht restauriert

Die Pfarrkirche hl. Michael, auf einer Anhöhe im Ortzentrum von St. Michael im Lungau gelegen, wurde erstmals 1147 urkundlich erwähnt. Einige Fresken an der Südwand aus 1240 verweisen auf ihren romanischen Kern. An den frühgotischen, einjochigen Chor mit Kreuzrippengewölbe und das Langhaus aus 1513 schließen nördlich des Chors die frühgotische Nothelferkapelle und in deren Verlängerung gegen Westen das heutige Seitenschiff an.

Nach der – zweiten - Weihe 1513 wird das Kircheninnere in den folgenden Jahrhunderten immer wieder umgestaltet: 1629 sind erstmals die Empore des Langschiffs und der Stiegenaufgang belegt, 1794 erfolgt der Einbau einer oberen Empore in der inzwischen barockisierten Kirche. Im Zuge der Restaurierung 1907/08 wird der barocke Hochaltar aus 1731 wieder entfernt und durch einen neogotischen Flügelaltar ersetzt.

Ausmalen oder Restaurierung der Raumschale?
Als sich die Pfarre 1999 erneut einer Renovierung des Kircheninneren zuwandte, war zunächst nur an ein Ausmalen der Raumschale. Ein mehrjähriger Diskussionsprozess folgte, in dem sich zunehmend die Chancen einer grundlegenden Restaurierung und auch einer baulichen Rückführung zu einem offeneren Kircheninneren herauskristallisierten. In enger Abstimmung zwischen Pfarre, Bundesdenkmalamt und Kunstkommission der Erzdiözese und gestützt auf die Ergebnisse von Bauforschung und restauratorischen Befundungen wurde schließlich ein Konzept entwickelt, das seit 2004 schrittweise umgesetzt wird.

Restaurierung der Raumschale
Die entscheidende Aufgabenstellung für die Restaurierung des Kircheninnenraums war, ein Restaurierungskonzept zu entwickeln, dessen vorrangiges Ziel die Rückführung auf die letzte einheitliche Kalkfassung bildete.

Umfangreiche Befundungen von Restaurator Johannes Preis erbrachten ein aufschlussreiches und detailliertes Bild der verschiedenen Gestaltungen des Kirchenraums. Raumschalenfassungen der letzten 500 Jahre ließen sich im Bereich der Empore, des Hauptraums und der nördlichen Empore lückenlos erschließen und es wurde festgestellt, dass die Raumschale in dieser Zeit in ihrer Erscheinung acht Mal verändert wurde, wobei die erste Fassung ins Jahr 1513 zurückführte: Von weißen Wand- und Gewölbeflächen waren ockerfarbene Rippen mit schwarzem Begleitstrich abgesetzt, die Rippen trugen eine weiße Fugengliederung, die sich nicht am eigentlichen Steinschnitt orientierte.

Völlige Neufassungen erfolgten 1789, als eine weiße Raumfassung mit kräftig bunten Rippenfassungen (stilisierte Marmorierung in Gelb, Rot und Blau) kombiniert wurde, und 1907/08 mit einem aufwendigen Dekorationssystem aus gemaltem Quaderwerk und Schablonenarbeiten an Gliederungselementen und Fensterleibungen.

Die Rippenfassungen der letzten Jahrhunderte wurden leider bei der Neugestaltung des Kircheninneren 1946/47 abgeschlagen. Zuletzt wurden die Wand- und Gewölbeflächen 1977/78 in Mineralfarbe mit hohem Dispersionsanteil überstrichen, die Rippen aus grobem Tuffstein grau-braun-steinfarben mit dispersionshaltigem Material überfasst, wobei diese letzte Malschicht durch Staub- und Russablagerung inzwischen stark verunreinigt war.

Bei der Neufassung entschied man sich für eine Rückkehr zur neogotischen Fassung, der letzten einheitlichen Färbelung in Kalk: Weiße Wand- und Gewölbeflächen, ockerfarbene Rippen mit schwarzem Begleitstrich und einer weißen Fugengliederung. Zu den Vorteilen dieser Fassung zählte, dass bei ihr auch die neogotischen Maßwerkfenster bereits eingebunden waren.

Im August 2004 wurde schließlich, nachdem zunächst eine Musterachse entwickelt worden war, die auf drei Jahre geplante Innenrestaurierung begonnen. Dem Team der beiden Restauratoren Heinz Michael und Mag. Wolfgang Weixler gelang es, die stark dispersionshaltige Letztfassung abzunehmen und einen tragfähigen Grund für eine Neufassung in Kalktechnik zu schaffen.

Nach der Neufassung von Altarraum und Nothelferkapelle – sie erhielt ebenso wie die in der Nordwestecke der Kirche situierte Krippenkapelle wieder ihren ursprünglichen Steinboden aus Lungauer Grauschiefer zurück – wurde die Neufassung der Raumschale 2005 mit dem Langhaus abgeschlossen.


Architektonische Fragen
Zur wesentlichen architektonischen Frage entwickelte sich die Bereinigung des Westabschlusses des Langhauses mit seinen Emporen und der mit Kunststein belegten Emporenstiege, die diesem Teil der Kirche kein materialgerechtes Aussehen gab.

Letztlich fiel die Entscheidung für einen Abbau der Orgelempore und der abgemauerten Empore des Seitenschiffs, während die Orgel auf der unteren Empore einen neuen Standort erhielt. Der Rückbau der Emporenstiege zur gotischer Treppensituation durch Entfernung neuerer Steingusselemente und des Ausgleichsbetons und die Ergänzung der beschädigten Steinstufen durch einen Steinrestaurator ermöglichten schließlich sogar die Wiederbenutzung dieser steilen gotischen Treppe als einzigem Emporenzugang.

Mit der Öffnung des Seitenschiffs zum Langschiff und der Reduzierung der Emporen stellt sich der Westteil der Pfarrkirche nunmehr mit seinen neu gefassten Spitzbögen, Pfeilern und Gewölben wieder als eindrucksvoller gotischer Raum dar.

Weitere Maßnahmen
Parallel zum Abschluss der Restaurierung der Raumschale begann im Herbst 2005 die Arbeit an der Ausstattung der Kirche, wobei zunächst eine Befundung des spätgotischen Kruzifixes und seiner Assitenzfiguren – sie stammen vom früheren barocken Hochaltars von Paul Mödlhammer (1731) – im Triumphbogen erfolgte. Derzeit wird an der Reinigung und Restaurierung dieser Holzplastiken durch Restaurator Heinz Michael gearbeitet.

Eine Befundung der Altäre wird in Kürze in Angriff genommen werden.

Geplant ist außerdem eine Neuaufstellung des Gestühls, durch die wieder ein Mittelgang im Hauptschiff entstehen soll – er war 1959, als man das Gestühl aus 1782 entfernte, beseitigt worden, sein Fehlen hat sich als unpraktisch erwiesen.

Die ambitionierte Innenrestaurierung wird 2007 zu einem Abschluss kommen. Dank der Geduld aller Beteiligten, systematischer Vorarbeiten und mit großzügiger Förderung aus Denkmalpflegemitteln des Bundes wird die Pfarrkirche St. Michael dann wieder viel von ihrem authentischen Erscheinungsbild und ihrer beeindruckenden Ausstrahlung zurückgewonnen haben.

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