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Der Ölberg an der Pfarrkirche Melk

Der Ölberg vor Restaurierung (ohne das Schmiedeeisengitter von 1686). Die Putzschäden sind vor allem in der unteren Zone des Bildwerks konzentriert

Das Ewige Licht in Form eines Herzens stellt mit dem Gitter und dem aus Lindenholz gefertigten Engel eine Hinzufügung der Barockzeit dar

Der Ölberg nach Restaurierung, Detail "Jünger"

Der Ölberg nach Restaurierung, Detail "Christus"

Der Ölberg nach Restaurierung (mit Schmiedeeisengitter)

Die Melker Pfarrkirche besitzt an der nördlichen Straßenseite eine der künstlerisch bemerkenswertesten spätgotischen Skulpturengruppen Niederösterreichs.

Zwischen zwei Strebepfeilern ist in rundbogiger Nische eine figurenreiche Ölbergszene dargestellt. An Hand der Sterbedaten der Stifter im umlaufenden Inschriftenband, bezeichnet mit 1502 und 1503, ist die zeitliche Zuordnung in das beginnende 16. Jh. gesichert. 1686 wurde die tiefe Nische um ein schützendes, kunstvolles Schmiedeeisengitter bereichert.

Sowohl die vollplastisch gearbeitete Christusfigur, als auch die drei Assistenzfiguren, Petrus, Johannes und Jakobus sind aus weichem Kalksandstein gefertigt und in die Felsenlandschaft integriert. Der Unterbau wurde aus Ziegel hergestellt und mit Felsen aus Sandsteinelementen verkleidet. Die großen, wohl öfter gereinigten Figuren im Vordergrund besitzen nur mehr in versteckten Falten Reste der gotischen Farbfassung. Die Steinsubstanz war vor allem im unteren Bereich durch hygroskopische Salze stark in Mitleidenschaft gezogen. An der Judasgruppe im Hintergrund rechts haben sich aufgrund der schwierigen Zugänglichkeit hingegen größere Fassungsflächen erhalten.

An der Rückwand und im Bereich des Gewölbes brachte eine eingehende Reinigung der Oberfläche spärliche Reste von Malereien zum Vorschein. Hierbei handelt es sich um Fassungen der Barockzeit, die eine Bereicherung und Neuinterpretation der Ölbergszene darstellten. Der selben Zeit ist auch der aus Holz gefertigte, vollplastische Engel, zu dem Christus aufblickt, zuzuordnen. Die gesamte Szene wurde in der Folgezeit mehrfach mit Kalktünche überstrichen, was der Erhaltung aber durchaus zuträglich war.

Nach eingehender Schadenaufnahme und Dokumentation wurde die restau-
ratorische Behandlung der Ölberggruppe in Angriff genommen. Zur Verminder-
ung der hohen Feuchte- und Salzbelastung mußten viermalig Zellstoff-
kompressen aufgebracht werden, deren Wirksamkeit durch Laboranalysen überprüft wurde. Bereits im Vorfeld erfolgte eine Sanierung des Unterbaues.

Bauliche Maßnahmen der Vergangenheit verringerten im Umfeld der Nische, insbesonders im Straßenbereich, die Diffusionsfähigkeit, wodurch dem Ölberg große Mengen zusätzlicher Feuchtigkeit zugeleitet wurden. Durch die Entfernung des geschütteten Erdmaterials ist nunmehr eine ständige Durchlüftung gewährleistet.

Die Abnahme der Überstriche sowie der Zementmörtelergänzungen erfolgte im Bereich originaler Farbfassungen mechanisch. An Stellen, wo keine Polychromie mehr existiert, konnten dunkle Gips- und Russkrusten mittels Laser entfernt werden. Die Festigung der geschwächten Sandsteinbereiche mit nachfolgender Fehlstellenkittung und monochromer Steinfassung bildete den Abschluß der Arbeiten. Die neugotische Umgestaltung der Melker Pfarrkirche hat die Beibehaltung der überkommenen kühlen, steinfarbigen Fassung der Ölberggruppe als denkmalpflegerisches Restaurierziel vorgegeben.

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