Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Burg ForchtensteinRestaurierung der Außenwandmalereien des 17. Jahrhunderts

Burgansicht von Westen

West- und Nordwand des Innenhofes

Belagerung einer Burg

Restaurierbesprechung

"uomini famosi"

Unter Einbeziehung der mittelalterlichen Burganlage bzw. von Bauteilen der Renaissance wurde die von Nikolaus Esterhazy 1622 übernommene Burg Forchtenstein zwischen 1630 und 1640 unter Simone Retacco zur barocken Schlossanlage ausgebaut. Nach seinem Tod 1645 erweiterte dessen Sohn Fürst Paul Esterhazy die Anlage und gestaltete diese im dritten Viertel des 17. Jh. zu einem Prunkschloss. Aus dieser Zeit stammen die Trakterweiterungen, die Aufstockung des Turmes und die Wandmalereien des trapezförmigen zentral gelegenen Hofes mit dem Reiterstandbild des Paul Esterhazy, welche mit der Fürstung Pauls 1687 in Zusammenhang gesehen werden. Ein Festsaal im Freien.
Die Malerei wurde wenige Jahrzehnte später übermalt und trat durch Abplatzung der Tünche teilweise wieder zum Vorschein.
Die gesamte Fassadenmalerei besteht aus einem roten, schwarz konturierten Rahmengerüst, dem Felder verschiedenster Form eingeschrieben sind. Diese Felder zeigen Büsten (etwa 130 Stück), szenische Darstellungen, Embleme und dekorative Rankenstücke.
An der Süd- und Nordwand überspannt eine Kolossalordnung die gesamte Front in Höhe von zwei Geschossen, die an der jetzt restaurierten Nordwand deutlich zu erkennen ist.

Auf Grund massiver Schäden wurden in einer ersten Restaurierphase 1992 anläßlich einer Landesausstellung Teile der Westwand freigelegt, restauriert und unter der hochgezogenen Traufe ein gläsernes Schutzdach angebracht. Anhand der zum Vorschei gelangten Malereien konnten Darstellungen festgestellt werden, wie sie auch bei Triumphbögen und Theaterdekorationen üblich war. 1998 wurde auch über der Nordwand ein Glasvordach zum Schutz der Wandmalereien installiert, wo seinerzeit die Sonnenuhr mit Inschrift von 1643 in das neue Dekorationssystem einbezogen wurde.
Derartige Programme der "uomini famosi" und "donne famosi" also Bilder berühmter Männer und Frauen bezogen sich auf das moralisch menschliche Selbstbild des adeligen Menschen und seiner Vorbilder und waren übliche Darstellungen.
Deutlich erkennbar ist die Hervorhebung der Habsburgerreihe an der Westwand, die die besondere Treue von Nikolaus und Paul Esterházy zum Herrschergeschlecht dokumentiert.
Burg Forchtenstein, ein Familiendenkmal der Esterházys, mit seinem künstlerisch reich ausgestalteten Hof zählt somit zu den selten erhaltenen Beispielen seiner Art nördlich der Alpen und ist daher als besonderes Juwel der Kulturlandschaft des Burgenlandes zu bezeichnen.

Druckersymbol Druckversion