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Ein Informations- und Präventionsfolder zum Schutz vor Kulturgutdelikten
Das „römerzeitliche Puzzle“ in der Oststeiermark ist komplett!

Kopf des "Sacretius".

Stelenbasis und Marmorfragmente in Originallage.

Flussgottmaske von der Stelenbekrönung.

Marmorner Kopf einer römischen Frau im Halbrelief. © Alizadeh

Eingemauerter Grabstein im Eingangsbereich des Wohnhauses. © Alizadeh
Nach den jüngsten Funden können alle Marmorteile wieder zusammengefügt werden.
Nur ein Bruchteil der jährlich bei Bauarbeiten, beim Pflügen oder auf sonstige Weise entdeckten archäologischen Funde wird dem Bundesdenkmalamt gemeldet. Schuld daran trägt nicht zuletzt die noch immer weit verbreitete Meinung, dass solche Funde dem Staat gehörten. – Dem ist nicht so: wenn es sich um zufällige Funde handelt, dann steht die Hälfte des Wertes der Finderin oder dem Finder zu, die andere dem- oder derjenigen, auf deren Grundstück das Objekt gefunden wurde (siehe auch häufige Fragen).
Die Familie Hammerl (vulgo Holzer in Lebing) fand bereits im Jahre 1981 auf ihrem Acker einen großen römerzeitlichen Grabstein mit einer Grabinschrift und den Portraits der Verstorbenen, von denen allerdings die Köpfe fehlten. Die Familie meldete den Fund in vorbildlicher Weise dem Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum und mauerte den marmorenen Stein an der Außenwand ihres Anwesens ein.
Im Herbst 2005 entdeckte die Familie beim Umpflügen dieses Ackers ein weiteres Marmorstück, das offensichtlich zu dem 1981 entdeckten Grabstein gehörte, und meldete dies dem Bundesdenkmalamt.
Bei dem Neufund handelt es sich um den marmornen Kopf einer römischen Frau im Halbrelief. Wie wir aus der Inschrift wissen, nannte sich die Frau Capitonia Iulia. Das Haar trägt die junge Frau in welligen Strähnen gescheitelt und knapp über die Ohren zurückgenommen. Es handelt sich wohl um eine Spielart der severischen „Helmfrisur“, womit die nach epigraphischen Gesichtspunkten getroffene zeitliche Einordnung in das ausgehende 2. / frühe 3. Jahrhundert bestätigt sein dürfte.
Der Kopf ließ sich vom Steinrestaurator Alizadeh an den bereits an der Wand des Hauses angebrachten Grabstein ansetzen.
Ende Mai 2006 kam es durch das Bundesdenkmalamt Landeskonservatorat für Steiermark zu einer weiteren archäologischen Untersuchung des fundreichen Ackers. Unmittelbar nach dem Abheben der Humusschicht durch den Bagger trat die Basis der Grabstele zutage. Die Stele war vor dem Eingangsbereich (Dromos) eines ursprünglich etwa 8 – 10 Meter (Durchmesser) großen Grabhügels mit Brandbestattung aufgestellt. Von der Aufschüttung des Hügels war nichts mehr sichtbar, im Zuge der Ausgrabung konnten jedoch die Reste der rechteckigen Grabkammer freigelegt werden. Sie war aus gemörtelten, teilweise zugerichteten Steinen aufgemauert, die aber großteils durch die Ackertätigkeit ausgerissen und verlagert worden waren. Das Römergrab war aber leider nicht nur durch die landwirtschaftlichen Arbeiten gestört, es ist in seinem westlichen Bereich auch durch eine Beraubung in Mitleidenschaft gezogen worden. Daher konnten nur mehr wenige Keramik und Glasfragmente der ursprünglich sicher reicheren Beigaben sichergestellt werden. Einzig eine kleine Öllampe aus orangefarbenem Ton konnte ganz geborgen werden.
Die große Überraschung der archäologischen Untersuchungen waren jedoch die in unmittelbarer Nähe der Stelenbasis gefundenen, meist mit der Schauseite nach unten liegenden, Marmorfragmente die ebenfalls zu den bereits vorhandenen Stücken des von Herrn Hammerl gefundenen römischen Grabsteines passten. Zunächst konnte der Kopf eines bärtigen Mannes (der in der Inschrift genannte Sacretius) geborgen werden. Dann kamen die Teile der Grabdenkmalsbekrönung, der Kopf eines bärtigen Flussgottes der von zwei liegenden Löwenfiguren flankiert wurde zutage.
Das marmorne Puzzle aus der Römerzeit kann jetzt durch den Restaurator wieder zusammengefügt werden und ist, bis auf einen kleinen Teil der Inschrift zur Freude aller Beteiligten vollkommen erhalten. Es ist geplant die Grabstele mit Hilfe der Gemeinde am Fundort wieder aufzustellen.
Die Untersuchungen an der Grabkammer und der Hügelaufschüttung werden fortgesetzt und sollen im Herbst dieses Jahres abgeschlossen werden.
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