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Archäologische Untersuchungen
in der Alten Universität in Graz

Bei Rettungsgrabungen innerhalb der ehem. Jesuitenuniversität wurden neben mittelalterlichen Vorgängerbauten 12 Körpergräber gefunden, die aufgrund der Beigaben in das 9. Jh. n. Chr. zu datieren sind und somit die ältesten jemals freigelegten mittelalterlichen Befunde in Graz darstellen.

In der Grazer Innenstadt wird das 1607/09 errichtete Gebäude der ehem. Jesuitenuniversität (Bürgergasse 2a = Hofgasse 14) für Repräsentationszwecke des Landes Steiermark adaptiert. Die für den Einbau von Kellerräumen notwendigen Aushubarbeiten werden seit Anfang Februar 2003 unter fachlicher Leitung des BDA im Auftrag der Landesimmobliengesellschaft Steiermark archäologisch begleitet.

Als nennenswerte Befunde sind dabei die Reste von Vorgängerbauten aus dem späten Mittelalter und der beginnenden Neuzeit zu Tage getreten: Mauerfundamente, teilweise intakte Gewölbestrukturen und Bodenniveaus.
Bei der Errichtung des heute noch stehenden Jesuitenbaus unter Erzherzog Karl II. waren die älteren Baulichkeiten abgerissen und der Schutt einplaniert, aber keine neuen Keller angelegt worden. Nach der Überlieferung setzte man in die Fundamente Quadersteine mit den Namen "Jesus", "Maria" und den Namen der erzherzoglichen Familienmitglieder: Einige dieser Inschriftsteine konnten bei den Grabungen inzwischen auch tatsächlich entdeckt werden.
Als gänzlich unerwartete Funde stellten sich Körpergräber ein, die aufgrund der Beigaben in das 9. Jh. n. Chr. zu datieren sind. In den zwölf entdeckten Körpergräbern waren Individuen verschiedenen Alters mit Blickrichtung nach Osten bestattet. In die Gräber mitgegeben hat man den Toten vor allem Keramiktöpfe, seltener Metallgegenstände (Eisenmesser) oder Esswaren (Haushuhn). Diese "Versorgung" der Toten steht in einer noch deutlich heidnischen Tradition.

Bei den Gräbern in der Alten Universität handelt es sich um die ältesten jemals freigelegten mittelalterlichen Befunde in Graz. Man bekommt mit ihnen erstmals den Beginn der frühmittelalterlichen Besiedlung am Fuß des Schloßberges zu fassen. Das neu entdeckte Gräberfeld lag wahrscheinlich unmittelbar an dem alten, vom Murübergang nach Osten führenden Weg. Nicht zuletzt dieser Wegverbindung verdankt die wohl von der damaligen Bevölkerung Gradec = Graz benannte Siedlung ihre Entstehung und spätere Bedeutung.
Die archäologischen Dokumentationsarbeiten werden voraussichtlich Ende April 2003 abgeschlossen sein.

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