Themen
Aktuelles
Die Kultur der Prävention
Ein Informations- und Präventionsfolder zum Schutz vor Kulturgutdelikten
Peggau, Friedhofskapelle

Friedhofskapelle Außenansicht.

Sechs weibliche Heilige an der Ostwand des Innenraumes. © H. Schwarz

Das Evangelistensymbol des Löwen (Markus) im Gewölbe. © H. Schwarz

Zarte Rankenmalerei schmückt die Wandflächen. © H. Schwarz

Die Darstellung Christi als Lamm Gottes. © H. Schwarz
Überraschende Entdeckung von Wandmalereien. Die ehemalige Friedhofskapelle mit steilem Zeltdach war über längere Zeit als Geräteschuppen des Totengräbers in Verwendung. Jetzt konnte sie auf Grund von Befundungen und Probefreilegungen im Inneren in das Ende des 15. /Anfang des 16. Jahrhunderts datiert werden.
Ursprünglich wurde angenommen, dass die Kapelle als protestantischer Kultraum in Verwendung stand – so wurde es in der Bevölkerung tradiert.
Das ikonografische Programm im Inneren des annähernd quadratischen Raumes brachte überraschenderweise eine Wende in der Beurteilung.
Die Darstellung weiblicher und männlicher Heiligenfiguren und im Zentrum eine Mariendarstellung mit Kind widerlegen ein protestantisches Gedankengut.
Die Darstellungen an der Ostwand zeigen sechs weibliche Heilige, Maria mit dem Kind in der Mitte und in einer Nische darunter eine Kreuzigungsdarstellung, die nur mehr rudimentär erhalten ist. An der Nord- und Südwand sind jeweils sechs männliche Heilige zu sehen (ein Zusammenhang mit den 14 Nothelfern ist wahrscheinlich), zartes Rankenwerk umrahmt die Figurengruppen und auch das Bogenfeld der Westwand ist damit geschmückt.
Im Gewölbe sind die vier Evangelistensymbole sowie das Christussymbol (Lamm) dargestellt.
Die Binnenzeichnungen der Secco - Tempera-Malereien sind zum Teil nur noch fragmentarisch ablesbar. Trotz der vielen später erfolgten Überarbeitungen blieb die Lesbarkeit der Darstellungen erhalten.
Die Freilegung selbst erfolgte mittels Freilegehämmerchen, Skalpell, Glasradierer und Freilegepinsel sowie unter Hilfestellung eines Ultraschall-Mikromeißels.
Es wurden Fixierungen und Kittungen in Bereichen von klaffenden Rissen sowie in Profilkanten vorgenommen. Eine "aqua sporca"- Retusche mit Aquarellfarben, die störende Fehlstellen zurückdrängt, schließt die Konservierung und Restaurierung der Wandmalerei ab.
Der feuchtegeschädigte Putz der Sockelzone musste entfernt und Salzreduzierungskompressen (Buchenzellstoff, angeteigt mit demineralisiertem Wasser) angebracht werden. Danach erfolgt die Einputzung der Sockelzone mit Sumpfkalkmörtel. Den interessierten Besuchern wird es ermöglicht durch ein am Eingang errichtetes Gitter in den Kapellenraum zu blicken, die Beleuchtung wird indirekt erfolgen und in den Ziegelboden verlegt. Damit ist ein ungestörtes Raumerlebnis gewährleistet.
Druckversion

