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Salzhof FreistadtDurch eine gelungene Sanierung zu neuer Nutzung

Nach Sanierung

Vor Sanierung. Foto: Fritz Fellner

Mautzettel aus dem Salzhof: Balthasar Grurbauer hat nach kaysl. Salz Cammer Freistadt 7 Kufen Salz geladen, Salzamt Linz 4. Januar 1694

Die Zeichnung macht die verschiedenen Farbschichten auf der Fassade deutlich. Foto: Wittig

Tür mit repräsentativer Volutenrahmung und gemalter Büste - vor und nach Restaurierung

Hl. Johannes von Nepomuk - vor und nach Freilegung

Das baufällige, ehemalige kaiserliche Salzlager in Freistadt wurde saniert und ist nun ein ausgebuchtes Kultur- und Veranstaltungszentrum.

Nur wenige Städte Österreichs verfügen über ein so reiches baukulturelles Erbe wie der Denkmalort Freistadt mit seiner gut erhaltenen spätmittelalterlichen Stadtbefestigung und seinem reich überlieferten mittelalterlichen Baubestand. Bereits in hochmittelalterlicher Zeit entstand am Zusammentreffen zweier wichtiger Handelswege - dem "Linzer Steig" und des von Enns über Kefermarkt führenden Saumpfades - eine Siedlungsanlage an der weiter nach Böhmen führenden Salzstraße. Dieser alte Straßenzug entspricht dem Verlauf von Eisengasse und Salzgasse. In diesem Bereich wurde eine erste Burg angelegt, die den Herrschern als Quartier und Verwaltungssitz diente. Herzog Rudolf IV., der Stifter, verlegte den landesfürstlichen Sitz in die Nordostecke der Stadt. Die frühere Burg wurde zum Altenhof und diente als Speicher und für Stallungen. Durch die Stadtbrände 1507 und 1516 schwer beschädigt, erhielt das Gebäude in der 2. Hälfte des 16.Jh. eine neue Funktion, denn 1563 kam der Salzhandel zu "Ihrer Majestät Handen" - der "Altenhof" wurde zur kaiserlichen Salzlagerstätte, zum Salzhof. Ab 1832 erfolgte der Salztransport mit der Budweiser Pferdeeisenbahn, der Salzhof verlor seine Funktion und wurde 1850 vom kaiserlichen Salzamt verkauft. In der Folge wurde ein Theatersaal im Nordtrakt eingebaut, nach diversen anderen Funktionen im 20.Jh., wurde die Anlage von der Stadtgemeinde Freistadt für Zwecke einer Musikschule und eines Kultur- und Veranstaltungszentrums erworben.

Vor Beginn der Sanierung erfolgten bauhistorische Studien sowie restauratorische Befunde und Fassadenuntersuchungen. Aus statischen Gründen erforderliche, zum Teil im Zuge des Baugeschehens notwendig gewordene Maßnahmen mussten möglichst rasch geklärt und auf schonende Weise durchgeführt werden. Durch die frühe Einbindung von Restauratoren war es möglich, beabsichtigte Eingriffe für Leitungslegung, Lüftung etc. rechtzeitig zu befunden und abzuändern. Trotz weitgehender Zugeständnisse (Überdachung des Hofes, Abriss des südlichen Verbindungstraktes), blieb es unbestrittene denkmalpflegerische Leitlinie, das Sanierungskonzept auf den bauhistorischen und restauratorischen Untersuchungsergebnissen aufzubauen und die baulichen Eingriffe darauf abzustimmen.

Bei der Sanierung wurde im Dachstuhl ein Konvolut von "Mautzetteln" gefunden. Diese Zettel waren Ausweise der Frächter, die Salz von Linz nach Freistadt transportierten.

Der Salzhof bestand bis zur nunmehrigen Adaptierung aus vier um einen annähernd quadratischen Innenhof angeordneten Trakten. Der südliche Verbindungstrakt wurde abgerissen, um für den großen Veranstaltungsraum im überdachten Hofbereich eine großzügige Raumdisposition zu schaffen. Der Nordtrakt besteht aus einem im Baukern spätgotischen Speicher. In den Westtrakt mit dem daraus vorkragenden, sog. Altenhofturm ist die innere Stadtmauer des 14. Jh. einbezogen. Der Westtrakt ist der älteste Teil der Anlage.Der an die Durchfahrt anschließende höhere Osttrakt wird von einem mittelalterlichen Bauteil im Typus eines "Festen Hauses" gebildet. Im südlichen Hofbereich wurden Reste eines mittelalterlichen Gebäudes gefunden.

Die restauratorische Untersuchung der Innenhoffassaden ergab drei bedeutende historische Ausstattungsphasen: eine aus der 2. Hälfte des 16. Jh. mit rot-schwarzen Umrahmungen der spätgotischen Fenstergewände, ein Dekorationssystem aus der 2. Hälfte des 18.Jh., das über den Fenstern mit Ziegeln gemauerte Verdachungen über Voluten aufwies und - für das wiederhergestellte Erscheinungsbild von Bedeutung - eine frühbarocke Ausstattung, die am Portal des Nordtrakts mit "1673" bezeichnet und "al secco" auf lichtem Grund mit rötlichen "caput mortuum"-Tönen gemalt ist.

Formal besteht dieses monumentale Dekorationssystem aus kräftigen, marmorierten Quadern sowie breiten Fensterumrahmungen mit wuchtigen Sprenggiebeln. Über der Durchfahrt befand sich eine Türöffnung (für einen Balkon ?), der von einer repräsentativen, vielleicht noch aus der Spätrenaissance stammenden Volutenrahmung umgeben und von einer gemalten Büste bekrönt war. Dieses hoheitliche Motiv weist auf die herausragende Stellung der kaiserlichen Salzkammer hin.

Durch eine positive und von gegenseitigem Verständnis getragene Zusammenarbeit sowie durch die Bereitschaft der Stadtgemeinde Freistadt zu teilweise aufwendigen Sanierungen und Restaurierungsmaßnahmen entwickelte sich ein vom Respekt für den Bestand geleitetes Adaptierungsvorhaben.

Letztes Update: 06.08.2003 © Copyright 2003 BUNDESDENKMALAMT

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