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Außenrestaurierung der
Filialkirche hl. Michael im Graben Kärnten, Gem. Brückl, Bezirk St. Veit an der Glan

Außenansicht der Filialkirche hl. Michael im Graben nach ihrer ersten Dachneueindeckung im Jahre 1990. Anstelle der kostenintensiven Steinplattln wurden Schindeln verwendet.

Christophorus-Fresko (18. Jh.) an der Ostmauer des Turmes mit sichtbaren Putzschäden. Seine Reinigung und Sicherung wird im Zuge der Turmrestaurierung vorgenommen.

Der Chor mit seinen vielfältigen Dekorsystemen des 16. und 17. Jh. Am Südostfenster ist die befundgerechte Teilrekonstruktion der für den Völkermarkter Raum charakteristischen Tupfenform ersichtlich.

Das Friesband an der Nordseite des Langhauses wird wie ein Fresko ausretuschiert und rekonstruiert. Die Arbeiten am Dekor werden in besonders schonender Kalkkaseintechnik, basierend auf einer Verarbeitung von Kalk mit Topfen durchgeführt.

Für das in den Stein gemeißelte Baudatum "1540" an der Ostwand des Chores ist eine rechteckige Einfassung vorgesehen.

Die Datierung "1544" an der Südwand des Chores bezieht sich auf die im Zuge der Restaurierungsarbeiten entdeckten grau-roten Maßwerkfriese aus dieser Zeit.

Am Südhang der Saualpe liegt am Ende eines langen, tief eingeschnittenen Grabens abgeschieden in 770m Seehöhe die Filialkirche "St. Michael im Graben".
Im 12. und 14. Jh. bereits urkundlich erwähnt, geht die Kirche "St. Michael im Graben" in ihrer heutigen Form auf die Zeit der Spätgotik zurück. Darauf weisen mehrere Datierungen an der Chor-Ostwand (1540), an der Chor-Südseite und nach der jüngsten Freilegung auch an der Nordostschräge des Chores (jeweils 1544) hin. Zu Beginn des 18. Jh. wurde die Kirche durch eine zweigeschossige Vorhalle nach Westen hin erweitert. Aus dieser Zeit stammt auch ein Christophorus-Fresko am südlich gelegenen Turm.
Nach erfolgter Neueindeckung mit Schindeln und einer Innenrestaurierung im Jahre 1995, wurde 2003 mit der Restaurierung der Außenfassaden die Arbeit an der Kirche abgeschlossen.
Wie so oft in der denkmalpflegerischen Praxis erbrachten erste Putzsanierungsarbeiten an den Chorfassaden, am Turm und am gotischen Langhaus ein überraschendes Ergebnis: unter dem Letztanstrich des 20. Jh. kamen Schlämmen der Frühgotik und der Gotik und ein für Kärntner Verhältnisse bemerkenswerter, in früheren Jahren nur partiell aufgedeckter Architekturdekor zum Vorschein. Die restauratorische Befundung ergab Gliederungs- und Dekorationssysteme aus dem 16. und 17. Jh. - darunter Maßwerkfriese, schablonierte Bogenmuster mit lilienartigen Endungen und Rautenmuster, Punkte (ein regionaltypisches Spezifikum!), Bänder, Ranken, Eckquaderungen mit Scheinperspektiven und Fensterumrahmungen.
Die Freilegung, Erhaltung und Ergänzung des Dekors als Restaurierziel stand außer Frage: da die rot-ocker gehaltenen Friesbänder, Fensterumrahmungen und Eckquaderungen des 17. Jh. am Chor sehr gut erhalten waren, entschied
man sich für eine Rekonstruktion bzw. Erhaltung des jüngeren Erscheinungsbildes. Im Bereich der Nordostschräge des Chores wurde der ältere Dekor freigelegt. Am Langhaus hingegen war der Architekturdekor nur fragmentarisch vorhanden und sein Verlauf aufgrund der Erweiterung des 18. Jh. nicht eindeutig zu klären.
Da die Fassaden noch den Putz des 16. Jh. mit der zeittypischen Fächerstruktur aufweisen, orientierte man sich bei erforderlichen Ergänzungen an der Material- und Oberflächenstruktur des vorhandenen Altputzes. Im Bereich des spätgotischen Sockels wird die Entfernung eines aus dem 19./20. Jh. stammenden Rieselputzes aus Zementmörtel erforderlich sein. Die Färbelung in Kalk- und Kalkkaseintechnik erfolgt in Ausrichtung an der frühbarocken Fassadenpolychromie der Kirche. Nach Reinigung und Sicherung des Christophorus-Freskos (Mitte 18. Jh.) wird die Kirche trotz ihrer heterogenen Dekorsysteme nach Abschluß der Turmrestaurierung im Herbst des Jahres ein geschlossenes äußeres Gesamtbild aufweisen.
Die Bewahrung der historischen Datierungen, Dekorsysteme, Putze und Oberflächen ergibt in Hinblick auf das vereinheitlichte Gesamtbild keinen Widerspruch, sondern stellt für die Kirche künftig einen erheblichen dokumentarischen Wert und ästhetischen Reiz dar.
Literatur
Eintrag "St. Michael im Graben" in: Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs - Kärnten, Wien 2001, S. 782
Achatschitsch Friedrich: Die Kirchen des Marktes Brückl, Brückl 1978, S. 24
Letztes Update: 16.08.2003 © Copyright 2003 BUNDESDENKMALAMT
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