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Innenrestaurierung der Pfarr- und Propsteikirche in KraigKärnten, Gem. Frauenstein, Bezirk St. Veit an der Glan

Blick auf das Gewölbe des Langhauses während der Restaurierung: Nach Entfernung der Rippen der 1960er Jahre wurden im spätgotischen Gewölbebereich des Langhauses Untersuchungen durchgeführt, die eine Architekturpolychromie der Spätgotik und vier weitere Raumfassungen seit dem 16. Jahrhundert zum Vorschein brachten. Links sind die gotischen Rippen mit einer Architekturpolychromie in Ocker auf weißer Gewölbefläche zu sehen, rechts davon der auf den Gewölben der Renaissance befindliche gemalte Scheinrippendekor aus der Zeit um 1900.

Die Innenrestaurierung beinhaltete auch eine Reinigung der 23 Grabsteine der Pröpste und Herrschaft Kraig aus den Jahren 1493-1648 mit ihrem Bezug auf die Geschichte des lokalen Kollegiatskapitels.

Im Lichte neuer Luster kommt die barocke Ausstattung eindrucksvoll zur Geltung.
Der im Norden von St. Veit an der Glan gelegene Ort Kraig verfügt mit seiner urkundlich 1216-18 erwähnten Pfarr- und Propsteikirche mit einem freistehenden mittelalterlichen Kirchturm, einer gotischen Kapelle und einer mächtigen Propstei am Fuße der Kirche über ein Ensemble von großer geschichtlicher und künstlerischer Bedeutung.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts gründeten die Herren von Kraig, Truchsesse der Kärntner Herzöge und bis zu ihrem Aussterben Inhaber der Patronatsrechte an der Kirche, das Kollegiatskapitel von Kraig. Diese Vereinigung von Weltpriestern zu gemeinsamen Leben, Gebet und Seelsorge bestand aus einem Propst und vier Chorherren. In Erinnerung an die einstigen Pfründe nimmt der Pfarrer von Kraig noch heute den Ehrentitel des Propstes in Anspruch!
Reste einer ehemaligen Wehrmauer, Schlüsselscharten am Wehrturm und an der Westseite des Kirchenschiffes, eine eisengepanzerte Türe und vermutlich die Steinplattleindeckung gehen auf die Zeit der Türkeneinfälle im 15. Jahrhundert zurück.
Im 16. Jahrhundert entwickelte sich das dem heiligen Johannes dem Täufer geweihte Gotteshaus zu einem Mittelpunkt der neuen reformatorischen Lehre, wo einem bischöflichen Visitationsbericht zufolge „die Flamme der Häresie emporloderte“. Während die katholisch verbliebenen Pfarren in der Zeit des erstarkenden Protestantismus eine Phase baulicher Stagnation erlitten, wurde die ursprünglich einschiffige, seit der Spätgotik zweischiffige Kirche in den Jahren zwischen 1535 und 1589 um eine Sakristei an der Chornordseite, ein nördliches Seitenschiff und eine westliche Säulenvorhalle erweitert (vgl. die Bauinschriften in der Sakristei, am Sturz des Westportales und auf einem Türblatt). Zeitgleich erfolgte die Neueinwölbung der östlichen Joche des Langhauses. Nach den Bauphasen der Spätgotik und der Renaissance wies der Kirchenraum neben seinem frühgotischen Kreuzrippengewölbe im Chor und seinem Netzrippengewölbe im Langhaus und im südlichen Seitenschiff nunmehr ein Kreuzgratgewölbe in der Sakristei, an der Ostseite des Langhauses und des südlichen Seitenschiffes wie ein Kreuzgrat- und Stichkappentonnengewölbe im nördlichen Seitenschiff auf. Schon Ende des 16. Jahrhunderts erhielt die Kirche eine einheitliche Färbelung in gebrochenem Weiß.
Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche mit einer spätbarocken Einrichtung ausgestattet, die mit der Werkstätte des St. Veiters Johann Pacher und seines Nachfolgers, des gebürtigen Wieners Johann Georg Hittinger, zu verbinden ist.
Durch die in der Zeit um 1900 historisierend unter den Gewölbeschalen aufgemalten und im Jahre 1961 angebrachten plastische Rippen im östlichen und nördlichen Langhaus wurde die Baugeschichte der Kirche erheblich verunklärt.
Die derzeitige Restaurierung wurde zum Anlass genommen, den gewachsenen Zustand der Architektur wie auch die Raumfassung vom 16. bis zum 18. Jahrhundert in einem einheitlich gebrochenen Weiß ohne jede Hervorhebung der Architekturpolychromie wiederherzustellen. Diese Raumfassung bestand noch zu dem zeitpunkt, als die Kirche ihre barocken Altäre und ihre Kanzel erhielt.
Mit der erst im Verlaufe der Arbeiten als notwendig erachteten Sanierung des Dachstuhles und der mit Steinplattln gedeckten Dachhaut kommenden Jahres wird die Restaurierung dieses bemerkenswerten Sakralbaues ihren Abschluss finden.
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