Themen
Neue Universitätskirche St. Johannes von Nepomuk am Innrain, Innsbruck
Restaurierung des Deckenfreskos in der Vorhalle

Deckenfresko in der Vorhalle nach der Restaurierung im Oktober 2003

Die Probefläche zeigt rechts die Zellstoffkompresse zur Reduktion der Salzbelastung, links lässt sich nach Abnahme der Kompresse ein deutlicher Substanzverlust der Mal- und Freskoschicht erkennen. Aufgrund dieser Problematik war eine Vorfestigung vor Aufbringen der Kompressen notwendig

Ausschnitt aus dem Deckenfresko: Dargestellt ist das personifizierte Böse in Form von sechs kraftvollen Gestalten. Die Szene wurde vor Beginn der Restaurierungsarbeiten aufgenommen, wobei sich Übermalungen und einzelne Farbabplatzungen erkennen lassen

Die Aufnahme zeigt dieselbe Szene während der Restaurierung. Das Fresko wurde bereits teilweise von rezenten Übermalungen befreit. Nach Abnahme der Zellstoffkompressen kam es punktuell zu einer leichten Reduktion der Malschicht
Bereits 1730 hatte der von Gumpp bevorzugte Hofmaler Franz Michl Hueber die Langhausdecke der in den Jahren 1729-1735 nach Plänen des Hofbaumeisters Georg Anton Gumpp erbauten Johanneskirche freskiert. Den heutigen Freskenzyklus schuf im Sommer 1794 über Vermittlung des Josef Baron von Hormayr der aus Telfs gebürtige Knollerschüler und Romstipendiat Josef Schöpf. Er hat zahlreiche Kirchen in Tirol und im süddeutschen Raum freskiert sowie mit Altarbildern ausgestattet. In seinem Stil hat er den Wandel vom Barock zum Klassizismus vollzogen.
Der thematisch auf die Vita des Kirchenpatrons bezogene Zyklus in der Johanneskirche besteht aus dem Portikusfresko, einem Medaillon über der Orgel, dem Langhausfresko und dem kleinen Kuppelfresko im Presbyterium. Das noch stark vom Barock inspirierte Deckenfresko in der Vorhalle ist eine allegorische Darstellung der Tugenden des Kirchenpatrons.
Über allem thront, umgeben von den drei göttlichen und den vier Kardinaltugenden, die göttliche Vorsehung, die in der Linken das Szepter mit dem Auge Gottes trägt und die Rechte über eine Schutzengelgruppe (als Symbol für den Seelsorgeeifer Johannes von Nepomuks) hält.
Links davon symbolisiert ein Engel mit Füllhorn die Mildtätigkeit des Heiligen, dem eine Gruppe von Armen und Kranken am linken Bildrand entgegenblickt. Als zentrale Figur des Freskos dominiert der Erzengel Michael, der seine Flammen gegen das personifizierte Böse schleudert, das in sechs kraftvollen Gestalten rechts vorn in die Tiefe stürzt.
Die Kartusche in der linken vorderen Gewölbeecke trägt das Wappen Johann Nepomuk Graf Fiegers, der als Stifter der Fresken auftrat, die beiden Kartuschen an der Rückseite tragen eine zur Szene passende Inschrift bzw. ein Gebet.
Bedingt durch die architektonische Konstruktion der Vorhalle wies das Fresko bereits 1841 sichtbare Schäden auf und mußte in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach restauriert werden. Nun zeigten sich erneut Ausblühungen auf den Kittungen, weshalb eine Untersuchung durch die BDA-Werkstätten durchgeführt wurde. Nachdem sich im Winter 2001/02 ein kleines Putzstück vom Untergrund gelöst hatte und herabgestürzt war, fand eine neuerliche Untersuchung des Freskos statt, bei der auch ein Feuchtigkeitsprofil erstellt wurde. Detaillierte materialtechnische Untersuchungen konnten die Ursachen für die starken Schäden am Deckengemälde aufzeigen: Lange Belastung durch Luftschadstoffe hatte zur Ausbildung von Salzen geführt, thermische Kondensation rief eine hohe Feuchtbelastung der Malschicht hervor, durch die Ausbildung von Sinterkrusten wurde die Oberfläche des Gemäldes gleichsam "versiegelt", wodurch ein ausreichender Feuchteaustausch verhindert wurde.
Aufgrund der durch die materialtechnischen Untersuchungen erkannten Schadensursachen wurde ein Restaurierungskonzepte entwickelt und umgesetzt: Festigung Entsalzung, Vorfestigung mit Kieselsäureesther, einmalige Entsalzung mit Ammoniumcarbonat, zweimalige Entsalzung mit Bidestkompressenm, Reinigung, Nachfestigung und Retusche.
Trotzdem bleibt das Deckengemälde in der Vorhalle der Johanneskirche ein Problemfall, da insbesondere die Einwirkung von Stickstoffverbindungen infolge des starken Verkehrs im Umfeld der Kirche weiterhin ein Thema sein wird. Um zumindest das Problem der thermischen Kondensation zu vermindern, wurde insgesamt vier Bohrungen bis in den Dachraum gesetzt, über die ein Belüftung des Gewölbebereiches erreicht werden soll. Ob diese Maßnahme ausreichend ist und wie stark die Belastung mit Schadstoffen ist, soll ein Messprogramm zeigen, das im Winter/ Frühjahr 2004 durchgeführt wird.
Druckversion

