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Erhellende Verwandlung berühmter Metamorphosen
Restaurierung der Kuppelmalerei im Tiergarten Schönbrunn

Tiergartenpavillon, Restaurierung der Kuppelmalerei von Dipl.-Rest. Jörg Riedel und Team, 2012.
 

Tiergartenpavillon, Kuppelfresko, Detail mit den Göttern Jupiter und Juno, darunter Diana, während der Restaurierung 2012.

Tiergartenpavillon, Detail, Sartyrreigen mit sichtbarem Rissbild nach der Reinigung.

Ausschnitt des Kuppelfreskos mit der Darstellung von Bacchus und Ariadne, während der Restaurierung 2012.
 

Beispiel einer Fehlstelle mit partieller Putz-Reapplikation nach Bombenschäden, Restaurierung 1946.

Restaurierungsarbeiten 2012 im Bereich der ehemaligen Fehlstelle durch Bombenschäden.

Im Inneren des zentralen Tiergartenpavillons in Schönbrunn erhebt sich derzeit ein raumhohes Plateaugerüst, von dem aus das Kuppelfresko von Josef Ignaz Mildorfer mit Szenen aus den Metamorphosen des Ovid restauriert wird.

Dem großen Interesse an den Naturwissenschaften und an exotischen Tieren folgend, beauftragte Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen seinen Hofarchitekten Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey mit dem Entwurf für eine Menagerie im Park der neuen Habsburg-Lothringischen Sommerresidenz Schönbrunn. Kernstück der 1752 fertig gestellten Anlage ist bis heute der achteckig konzipierte Menageriepavillon, um den zwölf Tiergehege mit „Logen“ und ein Verwaltungsgebäude in Kreissegmenten angeordnet wurden. Durch Alleen gesäumte Sichtachsen stand der Pavillon jeher mit Schloss und Schlosspark in enger Beziehung.
Der Menageriepavillon gilt als beliebter Aufenthaltsort des Kaiserpaares. Eintragungen des Oberhofmeisters Khevenhüller zufolge, nahmen Kaiser Franz I. Stephan und seine Gemahlin Kaiserin Maria Theresia hier öfters ihr Frühstück ein, wodurch auch die gängige Bezeichnung „Frühstückspavillon“ verständlich wird.

Über Freitreppen gelangt man über einen der vier Eingänge in den durch ein Sockelgeschoss höher gelegenen achteckigen Hauptraum. Beeindruckt von den reichen holzvertäfelten Wänden, die von Spiegeln und Gemälden von seltenen Tieren und Vogelarten dekoriert werden, wird der Blick des Betrachters unweigerlich in die Kuppel und somit in die antike Fabelwelt geführt.
Das den Raum dominierende Kuppelfresko stellt Szenen aus den Metamorphosen des Ovid dar. Über einer gemalten Attikazone als Grenze zwischen realer Architektur und der Erzählebene erhebt sich eine konzentrisch aufgebaute irdische Landschaft aus Grotten, Felsen, Flüssen und Bäumen bevölkert von mythologischen Figuren. Darüber öffnet sich ein mit Wolkenbergen gefüllter Himmel, von wo aus das höchste Götterpaar, Jupiter und Juno, das Treiben beobachtet.
Dank der, seit den 1970er Jahren bekannten Federzeichnungen aus der Prager Nationalgalerie gilt die Zuschreibung an Josef Ignaz Mildorfer (1719-1775), Maler und Professor der Wiener Akademie, als gesichert.

Restaurierung
Inschriften belegen insgesamt vier Restaurierungsphasen. Vor allem die in unmittelbarer Nähe detonierten Bomben im Jahr 1945 führten zu großflächigen Putz- und Malschichtverlusten und erforderten Reapplikationen von originalen Fragmenten und partielle Rekonstruktionen. Jenes, das gesamte Kuppelfeld überziehende Rissnetz ist darauf zurückzuführen. Auch bedingten Wassereintrag und morsche Dachkonstruktionen wiederholt dringende Ausbesserungs- und Reparaturmaßnahmen. Im Archiv des Bundesdenkmalamtes sind alle Restaurierungsphasen des 20. Jahrhunderts in Form von Fotografien und Berichten belegt und gut nachvollziehbar. Die aktuellen von Diplomrestaurator Jörg Riedel und seinem Team durchgeführten Arbeiten beschränken sich auf fachgerecht ausgeführte Reinigungsmaßnahmen, Abnahmen von nachgedunkelten Retuschen, partiellen Sicherungen von Malschichten und Aquarellretuschen. Das inhomogene Erscheinungsbild der letzten Jahre wird somit bald der Vergangenheit angehören, und alle Tiergartenbesucher werden sich wieder uneingeschränkt an der farbenprächtigen und eindrucksvollen Vielfalt der Darstellungen erfreuen können.

Synergieeffekt
Nur ein Jahr nach Fertigstellung des Menageriepavillons führte Josef Ignaz Mildorfer im Auftrag Kaiser Franz Stephans und Maria Theresias auch die Malereien in der ebenfalls von Architekt Nicolas Jadot konzipierten Ovalkuppel der Kapuzinergruft aus. Der Zufall will es, dass nun gleichzeitig mit der Restaurierung der Malereien im Tiergartenpavillon auch die Vorarbeiten für die Restaurierung des Kuppelfreskos über dem bemerkenswerten Grab des Kaiserpaars, geschaffen von Balthasar Moll, stattfinden. Daraus ergibt sich eine aus denkmalpflegerischer Sicht einmalige Synergie. Die aus den aktuellen Arbeiten gewonnenen Erkenntnisse dienen als wertvolle Information für die anstehende Restaurierung des in einem wesentlich schlechteren Erhaltungszustand befindlichen zweiten Hauptwerks Mildorfers.





 

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