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Rasterfahndung um den AltarDer Silberaltar von St. Gallus in Bregenz, ein Kleinod der barocken Silberschmiedekunst, wird restauriert

Holzrestauratoren bei der Arbeit

Holzrestauratoren Gehrer/Kaufmann bei der Arbeit

Archivbild zur Aufstellung des Silberaltars, vermutlich Mitte 20. Jh. (BDA)

Archivbild zur Aufstellung des Silberaltars, vermutlich Mitte 20. Jh. (BDA)

Stifteraltärchen

Stifteraltärchen "Auferstehung" Vorzustand

Detail des Silberaltars mit dem Bregnzer Deuringschlössle

Detail des Silberaltars mit dem Bregnzer Deuringschlössle

Detail der Ewiglichtampel

Detail derEwiglichtampel

Detail eines Reliquienschreins

Detail eines Reliquienschreins

Silberskulptur Hl. Gallus

Silberskulptur Hl. Gallus

Maria und Josef im Tempel

Maria und Josef im Tempel

Metallrestaurator Kolmanitsch der Arbeit

Metallrestaurator Kolmanitsch der Arbeit

Liste aller Objekte des Silberaltars


Die Restaurierung des Altars beruht auf Teamwork  - nur die breite Kooperation von Fachleute für Restaurierung, Kunstgeschichte und Geschichte wird seiner Bedeutung gerecht.

Der Silberaltar von St. Gallus setzt sich aus über 40 einzelnen Silber- und Silberholzobjekten zusammen. Diese stammen aus verschiedenen Schenkungen und Ankäufen, die von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts getätigt wurden. In der darauf folgenden Zeit wurde er bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts jeweils von Ostern bis Fronleichnam zur Ausschmückung des Hochaltares in der Pfarrkirche St. Gallus aufgestellt.
Den größten Bestandteil - und in der späteren Aufstellung auch das Kernstück des Silberaltars - bildet der beinahe vollständig erhaltene Ankauf von der Familie Deuring aus dem Jahre 1749. Dieser besteht aus einem zentralen Silberelief, einem Altarvorsatz und zwei Altärchen. Von großer regionaler, stadthistorischer Bedeutung sind die Inschriften und Wappen der reichen Bregenzer Adelsfamilien, welche sich auf den Kunstwerken verewigt haben, sowie die gute handwerkliche Qualität der Goldschmiedemeister in Bregenz. Die auch von Internationalen Experten - auf Grund der imposanten Anzahl an erhaltenen Objekten – bestätigte überregionale Bedeutung hat in der einschlägigen Literatur bisher noch keinen Niederschlag gefunden. Manche der über 40 Einzelteile haben weder Datierung noch Inschriften, sondern lediglich Wappen und Goldschmiedezeichen. Einigen Stücken fehlen verwertbare Hinweise über ihre Geschichte ganz. Um mehr über diese Einzelstücke zu erfahren und den Silberaltar in seiner Gesamtheit zu erfassen, ist eine Kooperation zwischen verschiedenen Institutionen und Disziplinen vonnöten. Die Restauratoren stehen vor der schwierigen Aufgabe, unterschiedlichste Überfassungen von Einzelteilen in ein stimmiges Gesamtbild zu bringen und bei ihrer Arbeit eventuell auch noch verborgene Informationen aus Einzelteilen zu „lesen“. Die Historiker recherchieren in den recht spärlichen Quellen die Geschichte der Stifterfamilien und der Goldschmiedekunst in der Region Bregenz. Die Ergebnisse der Kunsthistoriker, die durch die inhaltliche Deutung der Tafeln und durch stilistische Einordnungen Zusammenhänge rekonstruieren können, ergänzen das Bild. Die Restaurierung und Erforschung der Entstehungsgeschichte des Silberaltars ist eine Kooperation der Pfarre St. Gallus, der Diözese Feldkirch sowie Stadt Bregenz, Land Vorarlberg und Bund. Das BDA koordiniert die unterschiedlichen Zugänge.

Die Goldschmiede des Silberaltars

Forschung in den Quellen der Kirchenbücher von St. Gallus: Um manche Objekte in einen Kontext bringen zu können, kann z. B. über vorhandene Stadtzeichen (auch Beschaumarke oder Stadtpunze) die Herkunft bestimmt werden oder über ein vorhandenes Meisterzeichen versucht werden, fehlende Informationen über die Lebensdaten der ausführenden Goldschmiede in den Tauf-, Sterbe- und Heiratsbüchern herauszufinden. Eine weitere Hilfestellung ist die stilistische Einordnung, bei der an Hand von Vergleichsobjekten ein Entstehungsdatum angenommen werden kann. Auch mit Hilfe der Ikonographie, die sich mit der Deutung von Motiven des Dargestellten auseinander setzt, kann mitunter auf Grund von „Modetrends“ eine zeitliche Einordnung von Objekten vorgenommen werden. So wird die interdisziplinäre Schlinge, sozusagen die „Rasterfahndung“ rund um die Bestandteile des Silberaltars immer enger und es besteht die Hoffnung, dass sich Herkunft und Geschichte dieser besonderen Zusammenstellung vielleicht restlos aufklären lassen.


Konservierung – Restaurierung der hölzernen Altararchitektur

Die Fassung der Holzoberflächen ist als Ebenholzimitation konzipiert, hierfür wurden einheimische Obsthölzer dunkel gebeizt. Vor der praktischen Arbeit sind originale Substanz und spätere Zufügungen voneinander zu unterscheiden. Außerdem ist zu bestimmen, welche Schäden und Materialveränderungen vorliegen und in welcher Weise diese den Erhalt und das Erscheinungsbild des Kunstwerkes gefährden bzw. beeinträchtigen.

Restaurierungsziel
- Konservierung der originalen Substanz unter Berücksichtigung altersbedingter Veränderungen und Gebrauchsspuren
- Rückführung von Überarbeitungen und Ergänzungen, welche das ursprüngliche Erscheinungsbild verfälschen, und um die divergierenden Oberflächen der einzelnen Objekte optisch wieder zusammenzuführen (Entrestaurierung)
- Ergänzung von Träger- und Fassungsfehlstellen, um die Lesbarkeit des Kunstwerkes zu verbessern

Konservierung – Restaurierung der Silberobjekte

Für den Bereich der Metallobjekte und -komponenten geht es bei der Restaurierung und Konservierung schwerpunktmäßig um folgende grundsätzliche Maßnahmen: Als primäres Ziel ist ein „Zusammenführen“ der unterschiedlichen Oberflächenzustände aufgrund von unterschiedlichen Alterungserscheinungen und Reinigungsgraden durch schonende Reinigung der Oberflächen zu erzielen. Als Schutz vor Anlaufen der Silberoberflächen ist eine objektgerechte und situationskonforme Applikation von unbedenklichen Überzügen zu wählen, welche in erster Linie keine negativen Langzeitfolgen verursachen, aber dennoch einen Schutz bieten. Die unsachgemäßen Altreparaturen sowie schadhafte Materialstrukturen sind zu beheben. Zur Mitarbeit an der Provenienzforschung sowie zur Dokumentation der Objekte und Oberflächen erfolgt eine Aufnahme aller Handwerkermarken und der im Laufe der Zeit stattgefundenen Veränderungen. Im Vorfeld sowie begleitend werden naturwissenschaftliche Analysen zu Materialkompositionen und eventuell originalen Oberflächendekorationen sowie Lüsterungen durchgeführt.

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