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Sensationelle Einblicke in das „chinesische Cabinet“ Maria Theresias

Unter der Wandbespannung des „Toilettezimmers (Rosa Salon)“ in den Kaiserappartements der Innsbrucker Hofburg wurden Chinoiserien aus der Zeit Maria Theresias entdeckt.

Da in wenigen Wochen nach Abschluss der übrigen Restaurierungsarbeiten das „Toilettezimmer“ wiederum seine Wandbespannungen mit kunstvoll gewobenem rosa Seidendamast erhalten wird, bietet der heurige „Tag des Denkmals“ am 27.09.2009 die einmalige Gelegenheit, unter sachkundiger Führung diese Chinoiserien aus der Zeit Maria Theresias zu bewundern.
Nachdem im Frühjahr dieses Jahres die Restaurierung des Riesensaales in der Innsbrucker Hofburg abgeschlossen wurde, begannen die Arbeiten in den sog. Kaiserappartements, den eigentlichen Wohnräumen der kaiserlichen Familie während ihrer Innsbruck-Aufenthalte. Räume wie das Lothringer-, das Kapitel-, das Ferdinandzimmer und das Andreas-Hofer-Zimmer, alle nördlich an den Riesensaal im 2. Obergeschoß des Rennwegtraktes anschließend, bieten mit ihren Stuckaturen, textilen und hölzernen Wandverkleidungen und Gemälden große restauratorische und handwerkliche Herausforderungen.
Im sog. Rosa Salon, der dem nördlichen Rondell vorgelagert ist, wurde im Zuge der Arbeiten die großflächige Wandbespannung aus rosa Seidendamast abgenommen. Diese Stoffe – zuletzt jene aus den 1950er Jahren, die den originalen nachempfunden waren – gaben dem Raum seit der musealen Nutzung im 20. Jahrhundert seinen Namen; im 19. Jahrhundert diente er als Toilettezimmer.
Nach fast genau 200 Jahren kamen die Reste einer Wandmalerei mit chinesischen Motiven, sog. „Chinoiserien“, zum Vorschein, wie sie 1773 als „chinesisch ausgemahltes Cabinet“ in einer Aufstellung der Möbel in den Wohnräumen Kaiserin Maria Theresias erwähnt sind. Bereits 1944 nach einem Bombentreffer waren im westlichen Eckzimmer zur Pfarrkirche chinesische Malereien unter Tapeten des 19. Jahrhunderts aufgetaucht, die – freigelegt, restauriert und ergänzt - das eigentliche „Chinesenzimmer“ in der Innsbrucker Hofburg dekorieren.
Fast alle europäischen Fürstenhöfe schwelgten im ausgehenden 18. Jahrhundert in einer Begeisterung für die vermeintlich heile Welt Chinas, die sich in einer exotisch anmutenden Ausstattung von Schlaf- und Ankleidezimmern und in der pagodenartigen Gestaltung von Gartenpavillons niederschlug. Beliebte Motive auf Porzellan, Seide und Papiertapeten oder auch kunstvollen Lackarbeiten, wie in den Chinesischen Kabinetten von Schloss Schönbrunn, waren abenteuerliche Landschaften mit hohen Bergen, Gewässern, Häusern und Menschen im asiatischen Stil, verknüpft mit Stilelementen des Rokoko.
Da diese China-Mode Anfang des 19. Jahrhunderts abgeebbt war, wurde der Raum im Zuge der Umgestaltung zum Schlafzimmer für die bayerische Königin 1808/09 „seegrün“ ausgemalt und wenige Jahre später zum „Musselinzimmer“ mit großzügigen textilen Wandbespannungen dekoriert. Im 19. Jahrhundert durchlief das Toilettezimmer weitere Ausstattungsphasen mit Papiertapeten, ehe der Raum 1858 mit Bespannungen aus rosa-weißen Seidenstoffen neu gestaltet wurde, die nun nach wieder aufgefundenen Stoffproben nachgewoben werden. Unter all diesen späteren Ausstattungsphasen haben sich die Fragmente der heiteren chinesischen Motive bis heute erhalten.


Nähere Informationen unter www.bda.at, AKTUELL, Tag des Denkmals.
Link: http://bda.at/text/136/1783/14535/

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