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Schloß Hellbrunn in SalzburgMechanisches Theater innerhalb der Wasserspiele
Ein Restaurierungsprojekt der Abteilung Konservierung und Restaurierung

Videoausschnitt Hellbrunner Figuren

Fürstliche Wasserspiele

Ausschnitt der Dorfplatzarchitektur

Bärentreiber nach Restaurierung

Gesamtanlage des mechanischen Theaters

Wasserbetriebene Mechanik zur Bewegung der Figuren

Wasserbetriebene Mechanik mit Orgel

Figur mit Fassungsschaden, Detail

Fassungsschaden durch Sonne, Regen, Hitze, Kälte

Musikanten mit Klimaschaden vor Restaurierung

Misikantengruppe nach Restaurierung

Musikantengruppe, Rückseite mit Mechanik, nach Restaurierung

Saureiter mit scholliger Farbfassung vor Restaurierung

Saureiter nach Restaurierung

Das mechanische Theater von Hellbrunn stellt das Leben einer barocken Kleinstadt dar. Wasserbetriebene farbig gefasste Marionetten aus Lindenholz werden von einer ebenfalls wasserbetriebenen Orgel begleitet. Extreme Klimaeinflüsse machen eine umfassende Restaurierung notwendig, die derzeit in den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes erfolgt.

Das Theater, Teil des manieristischen Gesamtkunstwerkes Schloss- und Gartenarchitektur Hellbrunn, unweit der Stadt Salzburg, das 1613 durch Fürst und Erzbischof Markus Sittikus begonnen wurde, ist später, unter Erzbischof Andreas Jakob von Dietrichstein (1747 – 1753), entstanden.

Mechanisches Theater:
Tagaus, tagein
Rasselt die Wasserzunge
Im Räderwerk,
rattert und plappert
Vergangenes
Aus alten Handwerksbriefen.
Tagaus, tagein
Wecken Orgeltöne
Den Vielgesang
Der Hämmer, Schlegel,
Beile und Kannen,
Kübel, Meisel und Säbel.
Tagaus, tagein
Tanzt der Bär an der Kette,
reitet den Eber der Herr,
gefüllt, die Schlachterschüssel. –
Verneigung
Vor einer Fächerdame. –
Tagaus, tagein
Spielen die Musikanten
Trommel und Horn. –
Wacheablösung.
Zum staunenden Publikum
Lächelt der Narr. –
Tagaus, tagein
Erlahmt die Wasserzunge
Im Räderwerk,
verglitzern hell
Wasserpfeile
Im Lustschrei der Menge.

Gedicht von Prof. Rosita Magnus

Am Mechanischen Theater wurden seit jeher in regelmäßigen Abständen Service-Arbeiten an Orgel, Mechanik, Architektur und Figurenausstattung durchgeführt. Hierzu gehörte auch die Ausbesserung der Farbfassungen und Bemalungen der Architektur.
Diese Art der Überarbeitung ist jedoch seitens der Hellbrunner-Schlossverwaltung seit über 10 Jahren ausgesetzt worden, da eine umfassenden Restaurierung durch qualifizierte Restauratoren geplant war.
Witterungseinflüsse auf das weitgehend offene Theater, Sonne, Regen, Kälte, Hitze, haben den Bemalungen stark zugesetzt. Der Zustand der Figuren ist in vielen Fällen bedenklich, die bestehende Farbfassung stark gefährdet.
Die Abteilung Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes hat sich in einem umfassenden Restaurierprojekt der Voruntersuchungen, Entwicklung von Restaurierkonzepten und fachlicher Begleitung der Maßnahmen angenommen.
Ziel der bisherigen Konservierungsarbeiten an 15 Einzelobjekten bzw. Figurengruppen war eine umfassende Befundung, Schichtenanalyse und Konservierung der Letztfassung.
Die Restaurierung (Fehlstellenkittung und Retusche) wurde bewusst nicht an allen Objekten zur Gänze abgeschlossen. Die gestaffelte Ausführung ermöglicht die bessere Auswertung der gesetzten Maßnahmen, da so die gegenseitige Beeinflussung der Materialien und der Klimabedingungen beobachtet werden kann.
Alle Objekte wurden konserviert, die Hälfte der Figürchen auch restauriert. Auf einen Schlussüberzug wurde verzichtet, da auch hier zuvor das Verhalten der Maßnahmen ausgewertet werden soll.
Nach durchgeführter Bestandsanalyse sind nur noch 2 bis 3 Farbfassungen der letzten Überarbeitungen (früheste Neufassung um 1970) erhalten. Nur in ganz wenigen Fällen sind ältere, qualitätvollere Farbfassungen zu finden, die auch kaum überarbeitet sind, bzw. weit stabilere Oberfläche zeigen als die späteren Übermalungen.
Hinsichtlich der variierenden Zustände, unterschiedlichen Fassungsqualitäten und des allgemein heterogenen Erscheinungsbildes stellt sich hier die Frage nach dem konservatorisch richtigen Ansatz, der dem Begriff der „Denkmalpflege“ in vollem Ausmaß gerecht wird.
Betrachtet man das gesamte Objekt mit Bauwerk, Modellarchitektur, Figuren und wasserbetriebener Mechanik als „Living Heritage“, so wären auch die seit Jahrhunderten gesetzten Pflege- und Wartungsarbeiten mit Fassungserneuerungen als integraler Bestandteil dieses Denkmals anzusehen und aufrecht zu erhalten.
Nach den bisherigen Vorarbeiten und Untersuchungen ist im Mai 2008 vor Ort eine umfassende Bestandsaufnahme mit Bewertung der einzelnen Zustände und möglicher Restauriervarianten, sowie Kartierung und Aufwandskalkulation erfolgt.
Eine Bestandsaufnahme, Schadenskartierung und Bewertung der Schäden, sowie Grundreinigung an der Figuren- und Orgelmechanik werden im Herbst 2008 im Zuge einer Projektarbeit der Hochschule für Angewandte Kunst, Institut für Konservierung und Restaurierung, durchgeführt werden.
Mittlerweile werden Sanierungen am Außen- und Innenbau durchgeführt
Für die Konservierungsarbeiten und Restaurierung der einzelnen Figuren bzw. Figurengruppen wurden insgesamt 430 Restauratorenstunden aufgewendet.
An der Restaurierung beteiligt waren Mag. Katharina Kohler und Mag. Zea Fio, die auch die Befundung durchgeführt hatten, und Frau Mag. Isabella Fasching.
Die Restauratorenhonorare sowie die Befundungshonorare (im Ausmaß von 3 Arbeitswochen) wurden vom Magistrat der Stadt Salzburg übernommen.
Die Kosten für Untersuchungen, Laborbefunde, Atelierkosten, Fotodokumentation und Fachbegleitung angestellter Restauratoren etc. wurden vom BDA getragen.

Weitere Informtionen finden Sie auf der Website von Hellbrunn, zum Beispiel zu den Themen:

Die Gärten von Hellbrunn 
Die Wasserspiele 

Weiterführende Literatur:
Prof. Rosita Magnus, „Hellbrunner Impressionen, Gedichte und Prosa“, Druckhaus Nonntal, Salzburg,
Österrreich

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