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Neues Leben in zwei Bregenzerwälder Bauernhöfen

Sulzberg, Landrath 20d, vorher

Sulzberg, Landrath 20d, vor der Sanierung

Sulzberg, Landrath 20d, Kachelofen

Sulzberg, Landrath 20d, Kachelofen im EG

Sulzberg, Landrath 20d, Drillingsfenster vor der Restaurierung

Sulzberg, Landrath 20d, Drillingsfenster vor der Restaurierung

Sulzberg, Landrath 20d, Fensterdetail während der Restaurierung

Sulzberg, Landrath 20d, Fensterdetail während der Restaurierung

Sulzberg, Landrath 20d, während der Sanierung

Sulzberg, Landrath 20d, während der Sanierung

Schwarzenberg, Hof 6, vorher

Schwarzenberg, Hof 6, vor Sanierung

Schwarzenberg, Hof 6, während der Sanierung

Schwarzenberg, Hof 6, während der Sanierung

Es sah aus, als gebe es nur mehr die traurige Aussicht auf langsamen Verfall. Dennoch konnten zwei Bregenzerwälder Bauernhöfe als lebendige Denkmäler an ihrem ursprünglichen Standort bewahrt werden.

In der Bregenzerwälder Gemeinde Sulzberg wurde um 1800 ein stattlicher Bauernhof als mehrgeschossiger Einhof in Blockbauweise errichtet. Seine Bedeutung als prächtiger Landammannhof und eine hervorragend erhaltene Innenausstattung – etwa die ursprüngliche Kücheneinrichtung und ein schöner Bregenzerwälder Kachelofen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer getäfelten Wohnstube – ließen eine Unterschutzstellung bereits 1990 angezeigt erscheinen.

Über einem gemauerten Kellergeschoß erheben sich zwei Geschosse, die von einem Satteldach eingedeckt werden. Flache Klebedächer markieren die Geschosse und sorgen für die vertikale Gliederung der Fassade. Im Erdgeschoß verlaufen sie über den vier Fensterachsen der Giebelseite und den drei Fensterachsen der Traufseite. Über den Fenstern des Obergeschosses und der Dachzone finden sie sich lediglich an der Giebelseite. Alle Fenster des Wohntraktes sind versprosst und mit Holzläden ausgestattet. Ein bogenförmiges Drillingsfenster im obersten Geschoß des ostseitigen Giebels ist ein regelmäßig auftretendes Merkmal der Bauernhäuser des Bregenzerwaldes im 19. Jahrhundert. Das Haus war mit hölzernen Rundbogenschindeln verkleidet, das Dach ist heute mit Eternitschindeln eingedeckt.

Nach seiner Unterschutzstellung stand das Gebäude leer und drohte durch die belastenden Witterungseinflüsse, besonders die schneereichen Winter, zu verfallen. Eine bereits um 1990 angedachte Renovierung und anschließende Nutzung des Gebäudes und seiner Einrichtung als Basis eines kleinen Heimatmuseums zerschlug sich wegen des fehlenden Interesses der Gemeinde. In den späten 90-er Jahren erwog der Hausherr den Verkauf des Gebäudes an das Freilichtmuseum in Stübing in der Steiermark.

Seine Bedeutung als regionaltypisches Beispiel eines Bregenzerwälder Einhofes ließ diese Sicherungsmaßnahme nur als letztmöglichen Ausweg zur Erhaltung der Gebäudesubstanz erscheinen. Drei Notsicherungen des Daches auf Veranlassung des Landeskonservatorats bewahrten das Haus im frühen 21. Jahrhundert vor dem drohenden Einsturz. Einer als Initialzündung in Aussicht gestellten großzügigen Spezialförderung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur und dem engagierten Mitwirken von Architekt DI Hermann Boss ist es zu verdanken, dass sich die Eigentümer von einer Sanierung des Gebäudes an seinem ursprünglichen Standort überzeugen ließen. Das Gebäude wurde von der Gemeinde als Wohngebäude umgewidmet, alle Sanierungsmaßnahmen mit dem Denkmalamt akkordiert. Die im Herbst 2007 eingeleitete Revitalisierung soll 2009 zu einem Abschluss gebracht werden.

Aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt das Wohnhaus des Vaters der Angelika Kauffmann (1741-1807) in der Gemeinde Schwarzenberg, ebenfalls im Bregenzerwald. Beim Haus handelt es sich um einen zweigeschossigen Blockbau auf einem ebenerdig liegenden, gemauerten Kellergeschoss. Zwei Dachgeschosse sind mit einem Satteldach eingedeckt. Der straßenseitig gelegene Wohntrakt ist mit Holzschindeln verkleidet, seine Fassaden sind durch ausgeprägte Klebedächer gegliedert. Der Wirtschaftstrakt ist zum Teil verbrettert, zum Teil ebenfalls mit Holzschindeln verkleidet. Die Fenster sind kleinteilig versprosst und mit Fensterläden versehen. Zwei rhombenförmige Fassadenöffnungen schmücken das unten liegende Dachgeschoss der straßenseitig gelegenen Giebelzone. Im Inneren des Gebäudes haben sich eine getäfelte Stube mit einer Wanduhr aus der Zeit um 1800 und weitere getäfelte Räume erhalten.

Seit der Ensembleunterschutzstellung des Ortskerns von Schwarzenberg war das Haus viele Jahren unbewohnt und dem Verfall preisgegeben. Vor wenigen Jahren von den jungen Familien Fetz und Mennel erworben, plante DI Thomas Mennel den Umbau des Hauses, wobei eine der beiden neu entstehenden Wohneinheiten im ehemaligen Wirtschaftstrakt zu liegen kommen sollte. In zahllosen Gesprächen konnte eine für beide Seiten verträgliche Umbaulösung gefunden werden, die den Wünschen der neuen Bewohner ebenso Genüge tat wie dem Bedürfnis einer weitest gehenden Erhaltung der denkmalwürdigen inneren und äußeren Substanz des Hofs. Für das als Ensemble unter Schutz gestellte Zentrum von Schwarzenberg stellte sich der Wunsch der neuen Eigentümer nach der Installation von Sonnenkollektoren als besonderes Problem dar. In Anbetracht des schwierigen innerörtlichen Standorts des Objekts ohne umgebende Freiflächen konnte erst nach vielen Vorschlägen eine integrative Lösung gefunden werden.

In beiden Fällen ist es von besonderer Bedeutung, dass eine lebendige Nutzung der sanierten Gebäude sichergestellt werden konnte. Allein in der Gemeinde Schwarzenberg sind derzeit 65 Häuser unbewohnt und entsprechend gefährdet. Es ist deshalb eine besondere Freude, für diese beiden Gebäude eine dauerhafte Lösung gefunden zu haben und ein Ansporn für die Zukunft, gemeinsam mit den Gemeinden des Bregenzer Waldes und dem Land Vorarlberg durch geeignete Fördermaßnahmen eine bedarfsgerechte und zugleich die Denkmäler sichernde Adaptierung der leer stehenden Gebäude zu ermöglichen.

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