Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Lehrbaustelle Ruine Schwarzenhorn

 Der Ort des Seminars: Ruine Schwarzenhorn mit Bergfried von Norden

Der Ort des Seminars: Ruine Schwarzenhorn mit Bergfried von Norden

Werkzeug wie anno dazumal

Werkzeug wie anno dazumal...

Die Teilnehmer des Seminars bei der Besprechung vor den historischen Mauern

Die Teilnehmer des Seminars bei der Besprechung vor den historischen Mauern

Steinlager bei der Lehrbaustelle

Steinlager bei der Lehrbaustelle

Exkursion der Seminarteilnehmer zur Ruine Siegberg in Göfis

Exkursion der Seminarteilnehmer zur Ruine Siegberg in Göfis

Verteilung der Zeugnisse nach dem Maurerseminar

Verteilung der Zeugnisse nach dem Maurerseminar

Vor allem im ländlichen Raum prägen Burgen und Ruinen maßgeblich unsere Kulturlandschaft. Im letzten Herbst fand nun ein EU-Leaderprojekt  zu deren Konservierung im Vorarlberger Walgau statt.

 Aus ihrer strategischen Situierung stehen Ansitze bzw. Festungsanlagen zumeist in erhöhter Position. Durch ihre Präsenz im Landschaftsbild, teilweise über Jahrhunderte, trugen sie auch nachhaltig zur Identifikation mit unserer Umwelt und deren Historie bei. Dieses vertraute Bild bildet für manche auch den Anreiz, die noch bestehenden Reste der eigenen Geschichte zu bewahren. So gab es auch in Satteins Personen, denen die Erhaltung der Ruine Schwarzenhorn ein Anliegen war.
Im Sommer 2007 wurde mit Restaurierungsarbeiten begonnen. Schon bei der zweiten Etappe 2008 entstand die Idee für ein Leaderprojekt zur Erhaltung von Burgen und Ruinen im Walgau mit der Fokussierung auf Satteins. Es sollte Interesse an den historischen Ansitzen und Wehranlagen in dieser Region geweckt werden. Projektteile waren Restaurierungen, einheitliche Beschilderungen bei den Objekten, vernetzte Wanderwege und verschiedene Veranstaltungen. Eine dieser sollte 2010 eine Lehrbaustelle für Maurer während der dritten Restaurierungsetappe auf der Ruine Schwarzenhorn sein.
Die Burgruine Schwarzenhorn
Nordöstlich des Ortszentrums von Satteins ragt auf einem dem Berghang vorgesetzten Hügel noch ein Teil des ehemaligen Bergfriedes empor. Gegründet durch die Grafen von Montfort- Feldkirch in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, verliert die Burg bereits nach wenigen Dezennien an Bedeutung zugunsten der Festung Jagdberg im nahe gelegenen Schlins. 1335 wird die Burg von Graf Ulrich von Montfort- Feldkirch an Heinrich von Celle verkauft. Die Zerstörung erfolgte wahrscheinlich in den Appenzellerkriegen 1405/06.
Der ursprüngliche Bau ist eine kleine längliche befestigte Anlage mit Halsgraben zum nördlich ansteigenden Berghang. Erhalten ist nur der untere Teil der Nordmauer des nahezu quadratischen Bergfriedes. Die Ringmauer ist noch als kurzes östlich an den Turm angestelltes Mauerstück und am Südhang in spärlichen Mauerresten erkennbar. Die erhaltenen Mauerstrukturen in regelmäßigen Lagen als auch die Eckausbildungen am Turm, Buckelquader mit Randschlag, belegen die Erbauung in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Seit der Zerstörung diente die ehemalige Burg über etwa 600 Jahre sozusagen als Lager für behauenes Baumaterial für Satteinser Häuser. Dies und der allgemeine Zerfall reduzierten das Objekt auf wenige Mauerreste, die es nun zu erhalten galt.
Die Praxis- und Lehrbaustelle
Die Lage der Ruine eignete sich sehr gut für die Abhaltung einer Lehrveranstaltung. Bis direkt unterhalb der Anlage war eine LKW-Zufahrt möglich und damit die Baustelleneinrichtung einfach. Die noch bestehenden historischen Mauerreste waren am Burghügel so verteilt, dass praktisches Arbeiten an mehreren Orten gleichzeitig möglich war. Ein entscheidender Punkt war auch, dass bis 2007 keine Restaurierungen stattgefunden hatten und damit auch keine Fremdmörtel in den Fugen oder auf den Mauerflächen waren. Durch die zwei bereits stattgefundenen Restaurierungsetappen am Bergfried war der dort arbeitende Mauerer sehr gut mit den Baumaterialien vertraut. Der Maurer Otto Summer (von einer Vorarlberger Baufirma) hat jahrelange Erfahrung in der Restaurierung von historischen Mauern und bildet sich auch selbständig weiter. Das handwerkliche Können ist bei der Restaurierung von historischen Mauern in hohem Maße gefragt. Es gibt kaum Handwerker, die die nötige Geduld, die Gabe der Betrachtung, das technische Verständnis und die Fertigkeit zur Ausführung von Mauerrestaurierungen als Voraussetzung mitbringen. Um aber von den wenigen, die diese Fähigkeiten besitzen, zu lernen, werden Veranstaltungen wie diese immer wieder initiiert.
Mit vierzehn Teilnehmern wurde in der Woche vom 13. bis 17. September 2010 die Fortbildung abgehalten. Die Mehrzahl waren Maurer, aber auch je ein Künstler, Malermeister und Architekt waren dabei. Neben Vorarlbergern nahmen auch Tiroler und Schweizer aus den Kantonen Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen teil.
Der erste Tag war vor allem der Theorie gewidmet. Referate wie „Berechnung und Verstärkung historischer Mauern“ von Siegfried Ebenbichler, „Ruinen in der Kulturlandschaft“ und „Praktische Beispiele aus Tirol“ von Walter Hauser sowie „Dokumentationen von Restaurierungen“ von Raimund Rhomberg zeigten verschiedene Herangehensweisen an das Thema auf. Gegen Abend besichtigten alle noch die Ruine und besprachen das Programm der nächsten Tage.
Bei der praktischen Tätigkeit wurde zu allererst auf das sensible archäologische Gebiet in und um die Ruine hingewiesen. Entsprechend überlegt waren die Baustelle einzurichten und die Arbeiten vorzunehmen. Als nächstes waren die Steinarten und Mörtelzusammensetzungen des Bestandes zu prüfen. Damit konnten Mustermörtel gemischt und farblich abgestimmt werden. Erkennen der Mauertechnik und ökonomischer Umgang mit dem gesammelten Steinmaterial waren weitere Punkte. Die Art der Ergänzungen, die Tiefe der Fugen und andere wichtige Details für ein statisch und ästhetisch ansprechendes Ergebnis wurden rege diskutiert. Einen Vormittag lang wurden Kalkbrenntechniken besprochen und Stückkalk gelöscht. Von Gerold Ulrich gab es ausführliche Ergänzungen zur Lagerung und Verarbeitung von natürlich gebranntem Kalk.
Ein weiterer Programmpunkt waren Besichtigungen der Ruinen Jagdberg in Schlins, Ramschwag in Nenzing, Siegberg in Göfis und der Schattenburg in Feldkirch. Dort konnten bis zu 10 Jahre zurückliegende Restaurierungen besichtigt und die zukünftige Objektpflege besprochen werden. Damit war auch schon eines der Themen des letzten Tages begonnen, nämlich die Art der Abdeckungen von Mauerkronen, der Umgang mit Bewuchs und vor allem, wie werden Restaurierungen dokumentiert.
Resümee
Für alle Beteiligten war es wichtig, mit anderen Fachkollegen Kontakt aufgenommen und Erfahrungen ausgetauscht zu haben. Sehr begrüßt wurde, dass die Veranstaltung im Zusammenhang mit einer konkreten Aufgabenstellung stattgefunden hat. Ein entscheidender Moment für alle Beteiligten war das Erfolgserlebnis, am Ende der Woche die Geschichte eines Denkmals in einer ästhetisch ansprechenden Weise fortgeschrieben zu haben. Alle Teilnehmer waren erstaunt über die verschiedensten Sichtweisen und jeder hatte sozusagen von jedem gelernt. In Zukunft werden Mauern nicht nur als übereinander gelegte und mit Mörtel verbundene Steinlagen betrachtet, sondern als Zeugen verschiedener Epochen unserer Geschichte, die mit viel Arbeit und handwerklichem Können erstellt wurden und werden.
Die Lehrbaustelle hat gezeigt, dass Interesse an Fortbildungsseminaren für historische Handwerkstechniken besteht. Es wurde auch der Wunsch geäußert, solche Veranstaltungen zu fördern und zu wiederholen.

Druckersymbol Druckversion