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Kalkbrennen
Die jahrhunderte alte Tradition der Kalktechnik geriet im 20. Jahrhundert in Vergessenheit und wird erst heute mit den Aufgaben der Denkmalpflege und des biologischen Baues wieder aufgegriffen.
Eine Gruppe spezialisierter Restauratoren und Naturwissenschafter in den Restaurierwerkstätten Baudenkmalpflege Kartause Mauerbach arbeitet seit einigen Jahren an der Erforschung dieses Baumaterials, seiner ursprünglichen Herstellung und den historischen Anwendungstechniken. Im Rahmen des mehrjährig konzipierten, vom Scottish Lime Center initiierten EU-Projektes "Limeworks" konnte die österreichische Geschichte der Kalkgewinnung aufgearbeitet und die historische Entwicklung des Kalkbrandes in den wenigen erhaltenen Beispielen von Kalköfen dokumentiert werden.
Die Wiederbelebung dieses Materials und der damit verbundenen Handwerkstraditionen ist vor allem für die Geschichte der Denkmalpflege von großer Bedeutung, die in den letzten 100 Jahren auch die Entwicklung der industriellen Baustoffe dokumentiert und aufzeigt, dass Ersatzmaterialien oft inkompatibel mit dem ursprünglichen System sind und zu Langzeitschäden führen können. Heute versucht man daher wieder Originalmaterialien für die Restaurierung und Reparatur der Baudenkmäler zu verwenden.
Auf dem Gelände der Kartause Mauerbach wurde nach traditionellen historischen Vorbildern ein Experimentalofen als diskontinuierlicher Schachtofen gebaut, um interessierten Fachleuten das Brennen und Löschen des Kalkes vorzuführen. Regelmäßig finden Kalkbrände auch im Rahmen der Weiterbildungskurse für Handwerker und Restauratoren mit verschiedenen Kalksteintypen, unter anderem auch mit Kalken aus der unmittelbaren Umgebung der Kartause (Steinbruch Dopplerhütte) und unterschiedlichen Brenntemperaturen statt.
Die historische Technik des Kalkbrandes unterscheidet sich grundlegend von der Herstellung heutiger industrieller Branntkalke. Früher wurden mit geringeren Temperaturen und über längere Brennzeiten (3-4 Tage) Kalksteine in größeren Stücken gebrannt; heute in den industriellen Brennöfen können Stücke von 5-8 cm im Laufe weniger Stunden durchgebrannt werden. Dazu sind aber höhere Brenntemperaturen erforderlich um ein gleichbleibendes Ergebnis zu erzielen.
Durch die hier in Mauerbach eingesetzte Holzfeuerung mit niedrigeren Brenntemperaturen (Weichbrand) wird der Branntkalk grundsätzlich in seiner Kornzusammensetzung nach dem Löschen feiner. Die spezifische Oberfläche des weichgebrannten Kalkes ist um den Faktor 3 größer als beim Brand mit hohen Temperaturen. Der Löschvorgang wird generell mit Löschwasserüberschuss durchgeführt. Dadurch ergeben sich ebenfalls feinkörnigere Sumpfkalke als Löschergebnis. Durch die Absiebung des Löschrückstandes wird die Verunreinigung des Sumpfkalkes mit ungebrannten Kalkanteilen verringert.
Diese herstellungstechnischen Bedingungen bringen deutliche Unterschiede zu industriellen Sumpfkalken in spezifischer Oberfläche, Korngrößenverteilung und Verunreinigung. Auch das Absinkverhalten (Sedimentation) des gelöschten Kalkes in der Sumpfkalkgrube wird dadurch beeinflusst.
Durch die Kalkbrände in Mauerbach ist es möglich diese Unterschiede in den Materialien mit verschiedenen Kalktypen zu untersuchen und Aussagen über die Eigenschaften der nach historischen Techniken hergestellten Baukalke zu treffen. Die hierzu erforderlichen wichtigsten Materialkennwerte (Löschkurve, Löschwassermenge, ungelöschte Anteile, Sieblinien, Wasserüberstand, Wassergehalt) werden in Versuchsreihen ermittelt.
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