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Frühgotische Wandmalereien in Zahling (Südburgenland) freigelegt

Zahling, r.k. Filialkirche

Zahling, r.k. Filialkirche, Wandmalereien 1.H. 14. Jh., Zustand nach Freilegung und Restaurierung 2007 

Zahling

Zahling, r.k. Filialkirche

Zahling

Zahling, r.k. Filialkirche, Wandmalereien, Detail: Christus in der Mandorla

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Zahling, r.k. Filialkirche, Wandmalereien, Detail: Evangelistensymbol Engel (Matthäus)

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Die ältesten Wandmalereien des Südburgenlandes sind in der Zahlinger Filialkirche hl. Laurenz zu finden. Detail: Evangelistensymbol Stier (Lukas) © BDA

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Zahling, r.k. Filialkirche, Wandmalereien, Detail: Evangelistensymbol Adler (Johannes)

Zahling

Zahling, r.k. Filialkirche, Wandmalereien, Ostfenster mit der Darstellung von zwei heiligen Bischöfen

Als regionale kunsthistorische Sensation ist die Wiedergewinnung von wesentlichen Teilen einer monumentalen Wandmalereiausstattung aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in der Apsis der kleinen romanischen Filialkirche im südburgenländischen Dorf Zahling zu bewerten.

 
Aufgrund der geschichtlichen Situation des Burgenlands als latent gefährdetes Grenzgebiet mit den daraus folgenden Zerstörungen zahlreicher mittelalterlicher Bauten nimmt sich hier der Bestand an überkommenen Wandmalereien aus dieser Zeit im Gegensatz zu anderen österreichischen Bundesländern verhältnismäßig bescheiden aus, weshalb dem gegenwärtigen Fund ein umso höherer Stellenwert beizumessen ist.

Die beeindruckenden Malereien kamen bei Befundungen zum Vorschein, die im Auftrag des Landeskonservatorats für Burgenland im Zuge einer projektierten Innenrestaurierung durchgeführt wurden. Da die kleine Landpfarre in Anbetracht ihrer geringen finanziellen Mittel, aber unter großem Anteil an Eigenleistung schon mit der dringend notwendigen baulichen Sanierung der Kirche an ihre Grenzen stößt, entschloss sich das Bundesdenkmalamt, die Freilegung und Restaurierung der Malereien zur Gänze aus den finanziellen Mitteln des Bundes zu ermöglichen. Die österreichische Denkmalpflege folgt hier ihrer langen Tradition in der Beschäftigung mit der Erhaltung und Erforschung mittelalterlicher Wandmalerei.

Die nun im Frühjahr 2007 freigelegten Malereien sind in Kalk-Secco-Technik ausgeführt und entsprechen stilistisch, ikonographisch sowie konzeptiv einem retardierenden Schema. Sie zeigen aufschlussreiche kunsthistorische Aspekte der regionalen sakralen Kunstauffassung im Spannungsfeld zwischen Tradierung des romanischen Kanons und den bereits einfließenden Neuerungen gotischer Formensprache:

In der Apsiskalotte ist eine Majestas Domini, das heißt der in der Mandorla thronende Pantokrator, wiedergegeben, assistiert von den vier Evangelistensymbolen mit ihren Spruchbändern.
Zu diesem feststehenden Apsisprogramm gehören auch die in der unteren Zone angebrachten Standfiguren der zwölf Apostel, welche die Apostelfürsten Petrus und Paulus zu Seiten des Ostfensters anführen. Unter den hier nur teilweise erhaltenen Figuren ist die erste südlich des Fensters durch ihr Attribut, das Schwert, als hl. Paulus gekennzeichnet (der hl. Petrus mit dem Schlüssel nördlich des Fensters ist verloren). Die übrigen Apostel hielten, wie an den Fragmenten abzulesen, lediglich ein Buch in den Händen.

Das erst während der Restaurierung freigelegte romanische Ostfenster zeigt in der Laibung zwei durch die Mitra und die Infel als Bischöfe ausgewiesene Heilige, deren Identifizierung bisher infolge des Fehlens persönlicher Attribute noch nicht gelungen ist.

Eine außerordentlich dekorative Wirkung erzielen der Sternenhimmel in der Apsiskalotte sowie die allseitige Rahmung der Apsis durch ein rot-weißes Zickzackband auf graublauem, ocker eingefasstem Grund, das auch die Zone zwischen der Majestas Domini und den Aposteln unterteilt. Unter letzteren lassen Reste einer horizontalen, ockerfarbigen Borte und eines roten Stoffes auf den ursprünglich über der Sockelzone gemalten Vorhang schließen.

Den ornamentalen Abschluss im Westen bilden Steinquaderimitationen an der apsisseitigen Triumphbogenwand sowie ein im linken oberen Bereich der Triumphbogenlaibung erhaltenes Ornament aus Herzpalmetten mit üppigen Blättern.

Die Farbpalette konzentriert sich neben dem Blau – vor allem im Hintergrund – vorwiegend auf Rottöne, einschließlich zahlreicher rosafarbiger Rahmenstreifen, sowie Ocker und Weiß.

Charakteristisch für die Ausführung im frühen 14. Jahrhundert sind neben dem Sternenhimmel im Hintergrund der Aspiskalotte und der Mandorla vor allem auch der Figurenstil mit der einfachen Konturierung der Gestalten und den diese eng umschließenden Gewändern. Als sparsame Modellierung der Figuren – am besten erhalten vor allem das Haupt des Pantokrators und das Matthäussymbol – dienen die ockerfarbigen Linien, welche die rote Zeichnung im hellen Inkarnat begleiten. Während im breiten Lineament der markanten physiognomischen Zeichnung mit den auffallend großen Augen sowie bei den stilisierten Flügeln der Evangelistensymbole mit ihren geraden langen Federn noch spätromanische Formen nachwirken, weist hingegen die üppige Haartracht der Figuren mit den großen Locken darüber hinaus.

Damit besitzt das Bundesland neben den Fragmenten in der Bergkirche von Stoob (um 1250) und den sehr volkstümlichen Malereien in Goberling bei Stadtschlaining (A. 14. Jh.) ein weiteres und in seinem Umfang sowie Erhaltungszustand einzigartiges Beispiel einer der traditionellen romanischen Ikonographie und Komposition folgenden Apsisdekorationsmalerei.

Die Malereien verleihen dem Kirchlein neben dem kunsthistorischen auch einen dekorativen Wert, da der Raum durch die Veränderungen des 20. Jahrhunderts zuletzt ein äußerst nüchternes Erscheinungsbild aufwies. Die laufende Innensanierung verspricht noch weitere deutliche Verbesserungen mit sich zu bringen, unter anderem durch die Restaurierung der ursprünglichen Fassung eines barocken Altärchens, die Neuverlegung eines passenderen Ziegelbodens oder auch die denkmalpflegerische Optimierung der gesamten Raumschale samt Wiederanbringung einer Holzdecke, sodass der romanischen Bau bald ein völlig neues, gleichzeitig aber ein historisch deutlich stimmigeres Gesicht erhalten soll.

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