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Das Gänsehäufel feiert seinen 100. Geburtstag

Uhrturm - technische Meisterleistung des Betonbaus

vorbildlich restaurierte Turmkabine

Kabinenaufgänge

Winterstimmung mit Turmkabine

DI Teubenbacher (re.), MA 44, und Dr. Maldoner, BDA, bei einer Führung durch das Gänsehäufel

Uhrturm mit außenliegender Stiegenspirale

Die Briefmarke "100 Jahre Gänsehäufel" der Österreichischen Post hat ein Nominale von 1,00 Euro (Bogennummer: 8016426)

Buch '100 Jahre Gänsehäufel' von Hanne Egghardt, Gerhard Hofer, Bohmann Druck und Verlag Ges.m. b.H. & Co. KG, Wien, ISBN: 978-3901983528

Buch "Das Gänsehäufel" von Gerhard Kletter und Leopoldine Lendaric, Verlag Ibera (2007), ISBN: 978-3850522373

Natürlich ein Grund, das Denkmal gebührend zu feiern. Reinhard Fendrich, Willi Resetarits und viele andere spielen bei der Geburtstagsparty für das Baujuwel und die Insel im Herzen der Wienerinnen und Wiener auf. Eine Ausstellung, ein neues Buch und eine neue CD über das Gänsehäufel gibt es auch.

Zur Restaurierung des Wiener Strandbades „Gänsehäufel“ – vorbildhafte Denkmalpflege der Nachkriegs-Moderne

Das auf einer Insel der „Alten Donau“ gelegene städtische Strandbad „Gänsehäufel“ fiel beinahe zur Gänze den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. 130 Bombenkrater zählte man vor Beginn des Wiederaufbaus. Im bereits kurz nach Kriegsende ausgelobten Architektenwettbewerb überzeugte das Projekt der Architekten Prof. Max Fellerer und Eugen Wörle. In den Jahren 1948 bis 1950 entstand das „neue Gänsehäufel“. Die Bedeutung des Projektes ist darin abzulesen, dass selbst die Wiener Staatsoper und das Burgtheater erst 1955 wieder in Betrieb gingen. Die Architekten berücksichtigten in ihrem Entwurf die zu dieser Zeit neuesten funktionellen, hygienischen, soziologischen und betriebstechnischen Erkenntnisse. Auch auf die harmonische Einfügung der gesamten Anlage in die typische Aulandschaft der Donau legte der Entwurf größten Wert. Mit dieser Konzeption erfüllte man eine der städtebaulichen Hauptforderungen, vermehrt Grünräume im engeren Stadtbereich einer intensiven Nutzung durch die erholungsuchende Bevölkerung zugänglich zu machen.
Die städtebaulich strukturierte Anlage sollte jede Monumentalität möglichst vermeiden und – obwohl für eine Spitzenkapazität von 30.000 Besuchern ausgelegt – doch dem einzelnen Badegast möglichst großen persönlichen Raum bieten. Als eines der traditionsreichsten Wiener Bäder ist es auch von historischer und wahrzeichenhafter Bedeutung.

Bei der zurückhaltend konzipierten architektonischen Gestaltung der einzelnen Objekte waren die Architekten und die Bäderverwaltung bestrebt, möglichst dauerhafte Materialien zu verwenden. Holz schied als Baustoff weitgehend aus. Für die nach langen Überlegungen gewählte Sichtbetonbauweise verlangten die Architekten, dass sich die Maserung der Schalbretter im Beton abbilden müsse.

Darüber hinaus sollte die Struktur der Schalung, jeder Lang- bzw. Querstoß sichtbar bleiben, daher mussten für besonders anspruchsvolle Stellen die Schalbretter auf Basis von Schalplänen montiert werden. Erst dadurch konnte der Anspruch der Architekten, alle Bauglieder möglichst filigran („zart“) und dennoch nicht zerbrechlich erscheinen zu lassen, erfüllt werden. Bei dem als architektonischen Akzent ausgebildeten Uhrturm mit außenliegender Stiegenspirale – er soll von möglichst allen Stellen der Insel gesehen werden – konzentrieren sich die Gestaltungsprinzipien und reichen vom Städtebau bis zum kleinsten Hochbaudetail. Er galt als technische Meisterleistung des Betonbaus. „Die Schalung erinnerte mehr an eine Buchbinder- als an eine Zimmermannsarbeit“, stellte ein leitender Ingenieur fest.

Die intensive Nutzung des Bades über ein halbes Jahrhundert, natürliche Materialermüdungen und vor allem die extremen Witterungseinflüsse auf der exponierten Insel verursachten allmählich schwere Schäden an den Tragwerkskonstruktionen.
Der rechtliche Status eines Einzeldenkmals wurde dem Gänsehäufel mit Bescheid des Bundesdenkmalamtes vom 3. Dezember 1993 zuerkannt.
Alle weiteren Maßnahmen für das Gänsehäufel wie Sanieren und Verändern waren daher nach den Forderungen der Denkmalpflege auszurichten.
So wurde das gesamte Bad ab dem Jahr 2000 mit hohem Kostenaufwand instand gesetzt. Das Generalsanierungsprojekt wurde durch die Magistratsabteilung 24 – Hochbau im Auftrag der MA 44 – Bäder realisiert. 2004 wurde die international beachtete Generalsanierung erfolgreich abgeschlossen.

Das Sanierungsprojekt stellte hohe Ansprüche an den Bauherrn MA 44 - Bäder, im Besonderen an den für die Projektleitung verantwortlichen Leiter des Gänsehäufels Dipl.-Ing. Hubert Teubenbacher, an die mit der Durchführung betraute MA 24 - Hochbau, an die örtliche Bauaufsicht, an die Bauunternehmungen und nicht zuletzt an den Architekten, der neben der Planung auch die Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt durchführte.
Von Architekt Dipl.-Ing. Wolfgang Holzhacker wurde die prägende Bäderarchitektur der Nachkriegs-Moderne mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl in die Gegenwart geführt. Galt es doch, die denkmalgeschützten Gebäude in ihrer architektonischen Erscheinung, was Proportionen, Formen, Farben und Materialien betrifft, nicht zu verändern und das Gänsehäufel technisch aufzurüsten und an den aktuellen Stand einer modernen, umweltgerechten Badeanlagentechnik heranzuführen.


Die Generalsanierung wurde im Hinblick auf das Hundertjahrjubiläum des Gänsehäufels im Jahr 2007 durchgeführt. Die möglichste Erhaltung bzw. Wiedergewinnung der von den Architekten intendierten und bei der Bauausführung erreichten Qualität von Freiräumen, Baukörpern und Oberflächen wurde im Zug der Vorarbeiten als Restaurierziel definiert. Gleichzeitig sollten notwendige Adaptierungen wie Einrichtungen für Behinderte in diese Zielvorstellung integriert werden.
Zahlreiche Voruntersuchungen zum technischen Zustand und eine Reihe von Probearbeiten an den Beton- und Estrichoberflächen dienten der Optimierung von Verfahren an verschiedenen Bauteilen durch interdisziplinäre Diskussion der erzielten Ergebnisse. Bei den erforderlichen Ergänzungen stellte die Bäderverwaltung für die Vor- und Probearbeiten einen ausreichenden Zeitraum zur Verfügung. Die Reprofilierung von abgeplatzten Sichtbetonflächen bzw. –kanten wurde durch versierte Bildhauer-Restauratoren durchgeführt. Von einer Karbonatisierungsbremse in Form einer Beschichtung der Bauteile musste wegen der geforderten Erhaltung des Oberflächencharakters Abstand genommen werden. Stattdessen wurde durch den Einsatz eines Inhibitors (Hemmstoff) die Bewehrung nachhaltig geschützt.
Auf Wunsch des Bundesdenkmalamtes wurde in den Kabinen- und Kästchenblöcken die rezente Beleuchtung (Neonbalken und Aufputz-PVC-Rohre) demontiert und die Originalbeleuchtung (Aluminiumsockellampen mit Metallverrohung) wieder hergestellt und montiert.
Da bei den Turmkabinen die Stahlbetonplatten in den einzelnen Ebenen sehr geringe Deckenstärken aufwiesen und die Bewehrung zu gering und technisch nicht einwandfrei verlegt war, traten sehr große Durchbiegungen auf, sodass eine Sanierung notwendig war. Auf Grund der Forderung des Bundesdenkmalamtes, möglichst keine Verfälschung des Bauwerkes zuzulassen, kam eine Unterstellung der Decken mit Stützen nicht in Frage. Es wurde deshalb vom Statiker eine Lösung konzipiert, bei der nur eine 4 cm starke Betonschicht mit entsprechender Bewehrung in den umlaufenden Unterzug angebracht wurde. Um den Verbund zwischen altem und neuem Beton herzustellen, wurden Bewehrungseisen in den Altbestand eingeklebt.

Anlässlich des besonderen Jubiläums wird auf Folgendes hingewiesen:

Buch '100 Jahre Gänsehäufel'
Das Buch beleuchtet eindrucksvoll in pointierten Texten und vergnüglichen Anekdoten die bewegte Geschichte des Strandbades. Ausdrucksstarke Bilder und interessante Informationen vermitteln anregende und stimmige Impressionen der heutigen modernen Badeanlage auf der grünen Insel in Kaisermühlen.

Hörbuch-CD 'Willi Resetarits erzählt ...'
Die originelle Hörbuch-CD und der prachtvolle Bildband sind an allen Kassen der Wiener Bäder sowie im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

Ausstellung 'Am Gänsehäufel - Ein Strandbad wird 100'
im Wien Museum Karlsplatz, 18. Juli bis 7. Oktober 2007

Mediaschau '100 Jahre jung!'
im neuen AquaScope, der Freizeit-Oase im Gänsehäufel
Mai bis September 2007, für Badegäste kostenlos!
Do & Fr von 14 - 18 Uhr; Sa, So & Feiertag von 12 - 18 Uhr

ErlebnisWorkshops 'Geschichten zur Geschichte'
im neuen AquaScope, der Feizeit-Oase im Strandbad
Mai bis September 2007
Di & Mi von 9 - 18 Uhr, Voranmeldung, € 4,90 pro TeilnehmerIn
Kindergärten, Hortgruppen, Schulklassen, SeniorInnen-Gruppen ...

Jubiläumsfest 'Alt-Wien feiert im Gänsehäufel!'
4. & 5. August 2007
Publikumslieblinge & populäre KünstlerInnen präsentieren Evergreens und musikalische Wiener Schmankerln auf der Festbühne. Straßentheater, Kinderprogramm & weitere Alt-Wiener Attraktionen.

Homepage 'www.gänsehäufel.at'
Hier finden Sie nähere Informationen zu den aktuellen Angeboten & Veranstaltungen



Generalsanierung 2000 – 2004:

Standort
22., Moissigasse 2

Bauherr
MA 44 – Bäder

Projektsteuerung
Magistratsabteilung 24 – Hochbau
Ing. Hannes Morocutti

Örtliche Bauaufsicht
Firma Baumeister Ing. Lindner GmbH

Projektleiter
Magistratsabteilung 44 – Bäder
Dipl.-Ing. Hubert Teubenbacher

Planung und begleitende Kontrolle
Arch. Dipl.-Ing. Wolfgang Holzhacker

Bundesdenkmalamt
Dipl.-Ing. Dr.techn. Bruno Maldoner





"I steh aufs Gänsehäufel, auf Italien pfeif i!“
Rainhard Fendrich, Strada del Sole (1981)

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