Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

“Steinbruch“ in luftiger Höhe

Die Befahrung mit dem Autokran zeigte die dramatische Bestandsituation der Turmkonstruktion.

48 Meter ragt der filigran durchbrochene Turm in den Himmel. © Zottmann

Schadhafte Steinteile werden vom Restaurator Zottmann geborgen.

Das Wurzelkreuz im unrestaurierten Zustand.

Das Foto zeigt ein Detail nach Restaurierung.

Routinemäßig wurde jüngst eine Kontrolle des gotischen Turmes der steirischen Wallfahrtskirche Maria Strassengel durchgeführt. Die Befahrung mit dem Autokran deckte besorgniserregende Risse der Turmkonstruktion und im Natursteindekor auf. Akut absturzgefährdete und losgelöste Steinteile wurden vom Restaurator unmittelbar abgenommen.

Vom Turminneren aus wird demnächst die statische Überprüfung erfolgen, dann wird der Turm eingerüstet. Geplant sind weiters eine Musterfläche und eine genaue Befundung ehe von der Diözese Graz-Seckau die Restaurierung ausgeschrieben wird.


Die Wallfahrtskirche Maria Straßengel zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten der Hochgotik in Österreich, liegt in beherrschender Lage weithin sichtbar auf einer Anhöhe im Murfeld und ist von einer wehrhaften Mauer, dem Pfarrhof und einer ehem. Taverne umgeben. Grundsteinlegung war 1346, die Weihe erfolgte 1355 und der 48 Meter hohe Turm war 1366 abgeschlossen. Ausbesserungsarbeiten des Turmes wurden 1868-70 nötig, 1962-66 schließlich wurde er restauriert. Die Fachliteratur bezeichnet den Turm als den Höhepunkt hochgotischer Turmarchitektur in Mitteleuropa. Der Turm ist oktogonal und dreigeschossig und in reicher Steinmetzarbeit detailreich durchgestaltet. Wandfelder mit gotischen Blendarkaden, Blendbögen, hohe Spitzbogenöffnungen, krabbenbesetzte Giebel mit dazwischen liegenden lebensgroße Steinfiguren, Wappenschilde und steinerne Wasserspeier wechseln einander ab. Den Abschluss bilden der filigran durchbrochene Spitzhelm und eine große Kreuzblume.
Aufgrund der dramatischen – auch statischen - Schäden ist rascher Handlungsbedarf gegeben.

Eine weitere Besonderheit findet sich in der Kirche von Strassengel-das berühmte Wurzelkreuz. Eine Chronik aus dem 14. Jahrhundert erzählt, dass Hirten in einer Tanne vor der Kapelle ein aus einer Wurzel herausgewachsenes Kruzifix entdeckten, welches realistische, vom Todesschmerz gekennzeichnete Züge aufweist. Die Auffindung des Wurzelkreuzes, das gehäufte Auftreten von Wundern, Stiftungen sowie mehrere Ablassbriefe trugen wesentlich zur Berühmtheit dieses Gnadenortes bei. Das Wurzelkreuz (13. Jh) und das zugehörige Standkreuz (19. Jh) wurde vor kurzem von den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes restauriert. Als Restaurierziel wurden die Reinigung und Konservierung des status quo angestrebt. Zur Konservierung des Holzkreuzes erfolgte eine trockene Oberflächenreinigung, partielle Festigung loser Grundierung mit Störleim und ein Eintönen zu heller Flecken mittels Aquarellfarbe.

Druckersymbol Druckversion