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Revitalisierungen im Türkenschanzpark

Der Türkenschanzpark gehört zum im 19. Jh. sehr verbreiteten Typus des „Landschaftsgartens“, wo aus Wiesen und Bäumen (entsprechend der englischen Tradition) gemäldeartige Szenen komponiert wurden.

Die Menschen wurden schon lange von gewaltigen Wasserfällen fasziniert, im Türkenschanzpark wurde ein solcher in „Miniform“ wiedergegeben und kürzlich restauriert, um die Illusion einer Alpenlandschaft für die Besucher zu ermöglichen.

Im späten 19. Jh. ist eine neue Aufgabe der Gartenkunst erschienen: das „Alpinum“, wo künstlich angelegte Felsenformationen mit wissenschaftlich erforschten und gesammelten Alpenpflanzen dekoriert wurden, um auch den einfachen sozialen Schichten einen naturkundlichen Lernstoff zu bieten.

In einem Landschaftsgarten sind nicht nur die Bäume, sondern in erster Linie die von ihnen geformten, künstlerisch konzipierten Räume wichtig.

Die Herbstfärbung der Bäume zeigt, dass der Gartenkünstler die verschiedensten Farben harmonisch zusammenkomponiert hat.

Die Frühjahrsblumen zeigen die Hand der Natur, die auch in einem künstlichen Gefüge wie ein Park auch gewaltig (wie hier lieblich) zum Wort kommen kann.

Der Wiener Türkenschanzpark als großartige städtische Anlage des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts steht seit einigen Jahren unter Denkmalschutz.

Diese gesetzliche Maßnahme hat keine Zwänge bedeutet, sondern eine neue Welle der befruchtenden Kooperation zwischen dem Bund (Bundesdenkmalamt, Abt. für historische Gartenanlagen) und Land Wien (Gartenbezirk 18. – 19.) ausgelöst. Im Auftrag des Bundesdenkmalamtes wurde ein Revitalisierungskonzept von Frau DI Cordula Loidl-Reisch ausgearbeitet, das in der Folge durch den engagierten Gartenverwalter Peter Schuster an Ort und Stelle realisiert wird. Der Park gewinnt allmählich seine künstlerischen Werte wieder, die jahrzehntelang verschüttet waren. Z. B. die klare Herausarbeitung der Intention seiner Schöpfer, hier an der unmittelbaren Schwelle der Großstadt ein Stück Alpenlandschaft genießen und studieren zu können. Um 1900 war es ja nur den Privilegierten möglich, bis zum Semmering oder zum Raxgebirge zu fahren…
Ursprünglich war außerdem vorgesehen, dass die Vorortebahn im Parkbereich eine Station haben sollte, von wo aus die „Ausflügler“ die die Alpen reproduzierenden Minihöhen besteigen hätten können. Herr Schuster hat den Wasserfall sowie die Alpinen (künstlich angelegte, aber natürlich wirken wollende Felsenformationen mit zahlreichen Blumen aus den Alpen) restauriert und authentisch bepflanzt. Überdies werden gerade mehrere Teiche saniert, und man denkt daran, an manchen wichtigen Punkten Blumenschmuckbeete im Stil des 19. Jahrhunderts zu errichten. Der Park bleibt trotz der Sichtbarmachung seiner ursprünglichen kulturellen Werte auch ein Gebiet für wunderbare Naturphänomene sowohl im Frühling als auch im Herbst. In einem großräumigen Landschaftsgarten in englischem Stil – wie dieser Typus des Türkenschanzparks in der allgemeinen Entwicklung der Gartenkunst wissenschaftlich bezeichnet wird – gibt es genügend Plätze für beides: für die Kunst und auch für die Natur.

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