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Restaurierung der Auer Lehrgänge I + IIDie Originalskizzenbücher eines Bregenzerwälder Baumeisters

Auer Lehrgang I, Dorische Säulenordnung

Auer Lehrgang I, Dorische Säulenordnung ©Rest. Zehetmayer

Zustand vor Restaurierung

Zustand vor Restaurierung ©Rest. Zehetmayer

neue Bindung der restaurierten Buchseiten

neue Bindung der restaurierten Buchseiten ©Rest. Zehetmayer

Grundriss von 2 Längsbauten mit Querhaus und Ovalchor

Grundriss von 2 Längsbauten mit Querhaus und Ovalchor ©Rest. Zehetmayer

Namen und Figura der Principia Geometriae nach Daviler

Namen und Figura der Principia Geometriae nach Daviler ©Rest. Zehetmayer

Bei den so genannten „Auer Lehrgängen“ handelt es sich um zwei Skizzenbücher des Architekten und Mönchs Andreas Moosbrugger (1656 bis 1723).

Der erste Band enthält 134 doppelseitig bezeichnete, rückseitig unbenützte, in Falz geklebte Doppelblätter einschließlich der Rückseiten mit 296 Seiten paginiert, im Format von 22 x 31,7 cm. Der zweite Band enthält 96 Doppelblätter in der gleichen Weise. Bei diesem ist aber circa 1/8 des Bestandes durch unsachgemäße Lagerung und Mäusefraß nicht mehr vorhanden. Jeder Band enthält einen allgemeinen Teil zur fachlichen Ausbildung. Im ersten Band schließen an ein Kapitel über die „Prinzipien der Geometrie“ Originalzeichnungen von Säulen-, Mauer- und Fassadenteilen, Grundrissen, Altären und Chorgestühlen an. Der zweite Band enthält Grundrisse und Architekturentwürfe ausgeführter sowie nicht realisierter Objekte, wie Kirchen und Klöster.
Andreas Moosbrugger fertigte diese Bücher wahrscheinlich um 1715, als er während eines Aufenthalts in seiner Heimat, dem Bregenzerwald, maßgeblichen Einfluss auf die Ausbildung der Baumeisterschule nahm. Andreas Moosbrugger trat 1682 als Bruder Casper in den Orden von Einsiedelen ein. Fortan beteiligte er sich beratend und planend an den Bauten in Fischingen, Muri, Disentis, Weingarten etc.. Als sein Hauptwerk gilt die Neuerrichtung der Benediktinerabtei Einsiedeln, mit der er einen der bedeutendsten Kirchenräume des Barock schuf.
Der Zustand der beiden Bände vor der Restaurierung war besorgniserregend. Die Einbände waren abgegriffen, die Pergamentrücken gebrochen, die Leimung fast nicht mehr vorhanden, eine Vielzahl der Seiten eingerissen, die Heftung desolat, Wurmlöcher, Verschmutzungen und Schimmelbildung verunzierte den Bestand.
Als restauratorische Maßnahmen wurden die Buchblöcke auseinander genommen, die Bücher in der Klimakammer entspannt, die Buchseiten mechanisch gereinigt, die abgebauten Stellen im Papier mit Japanpapier verstärkt, die losen Teile gesichert und die Lagen neu geheftet bzw. die originalen Bünde mit Hanf verstärkt. Um ein Austrocknen bzw. Verspröden des Hautleims zu verhindern, wurden Schutzkassetten angefertigt. Die Handhabung der Bücher ist dadurch leichter, da beim Blättern keine Spannungsmomente entstehen.
Mit der Restaurierung der seit 1959 unter Denkmalschutz stehenden beiden Bände konnten zwei bedeutende Kulturgüter des Landes mit überregionaler Bedeutung gesichert und erhalten werden.

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