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Barocker Pfarrhof mit neuer Nutzung
Der Alte Pfarrhof in der Salzburger Gemeinde Hintersee wurde saniert und revitalisiert

Der Pfarrhof in Hintersee nach abgeschlossener Sanierung

Der barocke Dachstuhl konnte erhalten werden.

Tonnengewölbter Kellerraum

Freilegungstreppe: Der Sanierung gingen eingehende Befundungen voran.

Der Pfarrhof in der Lungauer Gemeinde Tweng ist nur eines einer Reihe von Pfarr- und Messnerhäusern im Land Salzburg, die auf eine Revitalisierung warten.

Der spätbarocke Pfarrhof in der kleinen Flachgauer Gemeinde Hintersee teilte das Schicksal zahlreicher Pfarrhöfe und Messnerhäuser im Land Salzburg: Durch Priestermangel und Pfarrzusammenlegungen stehen viele dieser Gebäude schon seit Jahren leer und warten auf eine neue Verwendung. Dabei bilden die Pfarrhöfe neben den Pfarrkirchen die historisch bedeutsamsten Denkmäler in den Ortszentren vieler Gemeinden.

Der stattliche, um 1785 errichtete Pfarrhof von Hintersee diente ehemals als Wohnhaus des Vikars, in seinem vorderen Teil war die Schule der kleinen Gemeinde untergebracht. Von 1827–1837 hatte Joseph Mohr, der Dichter des Stille-Nacht-Liedes, als Pfarrprovisor und Vikar hier sein Domizil.

Bereits seit 1995 bestanden Pläne, den leer stehenden Pfarrhof umzubauen und ihn - neben der Nutzung für die Pfarrgemeinde - für Mietwohnungen zu adaptieren. Finanzielle Erwägungen und der mangelnde Bedarf an Mietwohnungen in der Gemeinde führten aber dazu, dass diese Pläne nie zur Ausführung gelangten. Überlegungen zu einem Teilabbruch des Pfarrhofes um etwa ein Drittel seiner Länge stießen auf den Widerstand des Bundesdenkmalamtes.

Ein neuer Nutzungsvorschlag im März 2005 trug schließlich der Forderung des Bundesdenkmalamtes nach einer möglichst ungeschmälerten Erhaltung dieses Denkmals Rechnung: Die Eingriffe im Gebäudeinneren wurden auf das Notwendige beschränkt, das Erdgeschoß für eine Pfarrstube sowie eine Pfarrkanzlei adaptiert und im Obergeschoß Wohnungen errichtet. Der Anbau kleiner Balkone war ein Zugeständnis an die neue Wohnnutzung. Auf den Ausbau des Dachbodens wurde – entgegen früheren Planungen - verzichtet, sodass der beeindruckende barocke Dachstuhl unverbaut erhalten blieb.

Unter Beiziehung eines Restaurators konnten die historischen Putze im Inneren teilweise erhalten und in Kalktechnik saniert werden. Der Zementputz an den Fassaden wurde entfernt und die Fassaden - mit fachlicher Beratung der Restaurierwerkstätten des BDA - oberhalb des Sockels ebenfalls in Kalktechnik neu aufgebaut.

Viele historische Baudetails - Wellenrautengitter und marmorne Fensterbänke, stuckierte Deckenleisten – wurden ebenfalls restauriert und tragen dazu bei, dass das Gebäude den besonderen Charme eines historischen Bauwerkes behielt.

Mit der Sanierung des Pfarrhofes in Hintersee gelang es in enger Zusammenarbeit zwischen dem Bundesdenkmalamt, der Pfarre und dem Bauamt der Erzdiözese Salzburg ein Stück Kulturgut zu erhalten und einer dauerhaften neuen Verwendung zuzuführen. Es kann in dieser Form Modellcharakter für zahlreiche andere leer stehende historische Bauten haben.

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