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Erster Nachweis eines urzeitlichen Siedlungsplatzes im AusseerlandAktuelle Ausgrabungen bei der Koppentretalm im steirischen Salzkammergut

Bronzezeitliche Keramik von der Koppentretalm. Foto: BDA

Blick vom Hohen Sarstein in das Koppental Richtung Obertraun. Foto: J. Ertl

Grabungsfläche im Sommer 2006. Foto: BDA

Grabungsimpressionen. Foto: BDA

Auflagesteine des römischen Blockbaues. Foto: BDA

Römisches Fundmaterial von der Koppentretalm. Foto: BDA

Archäologische Untersuchungen belegen bronzezeitliche und römerzeitliche Besiedlung entlang der Traun

Das Bundesdenkmalamt führt seit Längerem mit der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Salzkammergut Prospektionen entlang der Traun durch. Hunderte Einzelfunde und mehrere umfangreiche Bronzedepots belegen hier eine Verkehrsroute durch die Alpen von und nach Hallstatt. Die Nutzung der Wegtrassen war in der Bronze- und Urnenfelderzeit sowie in der Römerzeit am intensivsten. Grabungen in den Jahren 2005 und 2006 erschlossen nun zusätzlich eine Siedlungsstelle der Bronzezeit und Römerzeit bei der Koppentretalm in der Stadtgemeinde Bad Aussee, womit erstmals im Ausseerland ein prähistorischer Siedlungsplatz nachgewiesen ist.
Die aus Sponsorengeldern (Österreichische Bundesforste AG) und Förderungen des Landes Steiermark finanzierten archäologischen Untersuchungen legten zwei zeitlich voneinander getrennte Hausbefunde frei. Das jüngere der beiden Gebäude war eine auf Steinblöcken aufgesetzte, etwa 4 x 4 m große Blockhütte. Anhand des keramischen Materials lässt sich ein Siedlungsschwerpunkt im 2. Jh. n. Chr. ausmachen. Fibeln (Gewandspangen), Sandalennägel und Fragmente von Hipposandalen (eiserner Hufschutz für Pferde) sprechen für eine starke Frequentierung durch Mensch und Tier. Eine kleine römerzeitliche Raststation an dieser Stelle ist durchaus wahrscheinlich. Komplizierter ist der ältere, bronzezeitliche Befund, für den eine Radiokarbondatierung von 1420-1260 v. Chr. vorliegt. Ein einräumiger Blockbau von 4,5 x 2 m Größe lässt sich anhand von Auflagesteinen und Pfostenlöchern rekonstruieren. Daneben fanden sich in einer Kulturschicht verteilt über die ganze Grabungsfläche über 120 Metallobjekte, darunter über 40 (!) vollständige Gewandnadeln bzw. Nadelfragmente. Die Keramikfunde beinhalten hauptsächlich Töpfe aus grafitgemagertem Ton; ähnliche Gefäße aus dem nahe gelegenen Hallstatt, die dort zusammen mit eingetieften Blockwandbecken auftreten, werden als Belege für eine Verarbeitung von Fleisch („Pökelei“) gewertet. Eine ähnliche, lediglich profane Nutzung scheint im Fall der Koppentretalm aufgrund der Bronzenadeln problematisch, die man zusammen mit den ausgedehnten Aschenflächen gerne als Überreste von Brandopfern deuten würde. Der Überprüfung einer kultischen Interpretation gilt das Hauptinteresse der für August 2007 geplanten weiteren Grabungen, bei denen BesucherInnen herzlich willkommen sind.

Näheres zu den archäologischen Prospektionen entlang der Traun finden Sie in unserer Publikation "Funde entlang der Traun zwischen Ödensee und Hallstätter See" (FÖMat A13, 2003) - zu beziehen direkt beim Verlag oder über den Buchhandel!

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