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Von Farbresten zur wieder lesbaren Familiengeschichte Restaurierung einer Schlachtenszene im Palast zu Hohenems

Raum im 2. Obergeschoss mit schlachtenszene

Raum im 2. Obergeschoss mit Schlachtenszene ©Fa. Tinzl, Sbg.

Bildmitte nach Restaurierung mit verschiedenen Kampfgeschehen

Bildmitte nach Restaurierung mit verschiedenen Kampfgeschehen ©Fa. Tinzl, Sbg.

Innenhof des Renaissancepalastes

 Innenhof des Renaissancepalastes mit Figuren von Esaias Gruber

Fragmentierter Vorzustand

Fragmentierter Vorzustand © Fa. Tinzl, Sbg.

Detail mit Soldaten und Fahne nach Strich-Retusche

Detail mit Soldaten und Fahne nach Strich-Retusche ©Fa. Tinzl, Sbg.

Vorzustand mit Tüncheresten und Aufspitzlöchern

Vorzustand mit Tüncheresten und Aufspitzlöchern ©Fa. Tinzl, Sbg

Restauratorin bei den Freilegungsarbeiten

Restauratorin bei den Freilegungsarbeiten ©Fa. Tinzl, Sbg.

Rechter Bildteil nach Freilegung und Restaurierung ©Fa. Tinzl, Sbg.

Rechter Bildteil nach Freilegung und Restaurierung ©Fa. Tinzl, Sbg

Die Hohenemser Malerei konnte als Illustration der Schlacht von Pavia identifiziert werden. In dieser hatte Märk Sittich I von Ems 1525 maßgeblichen Anteil am Sieg der kaiserlichen Truppen.

Der Palast zu Hohenems, Residenzsitz der Grafen von Hohenems, wurde 1562 von Markus Sittikus bei Martino Longhi in Auftrag gegeben. Nach einer Unterbrechung der Bauarbeiten 1567 wurde der Palast 1622 als dreiflügelige Anlage mit einer den Hof abschließenden Blendmauer am Felshang im Äußeren und Inneren fertig gestellt.
Die wohl Ende der 1980er Jahre durch Frambert Wall-Beyerfels gefundene, im September 2001 erstmals durch Heike und Christoph Tinzl in einer Musterfläche bearbeitete und im letzten Jahr in ihrem Gesamtbestand restaurierte Malerei befindet sich im zweiten Obergeschoß an der Südseite des Palastes. Sie bildet in einem vergleichsweise kleinen, hohen Raum über der nördlichen Tür den oberen Wandabschluss. Darunter könnte man sich ein Holztäfer vorstellen.
Nach erfolgter Freilegung konnte die Wandmalerei mit ihrer Darstellung eines Kampfgeschehens - trotz ihrer Fragmentiertheit - bis in Details gelesen werden und ließ so Vergleiche mit anderen Schlachtenszenen zu. In Gesprächen mit den Hausherren sowie dem Historiker des Landesarchivs konnte die Hohenemser Malerei als Illustration der Schlacht von Pavia identifiziert werden. In dieser hatte Märk Sittich I von Ems 1525 maßgeblichen Anteil am Sieg der kaiserlichen Truppen.
Das Bildfeld hat eine gestreckte querrechteckige Form; als Rahmen dient ein 2cm starkes schwarzes Band.
Die Malerei ist von links nach rechts in drei Bildpartien und damit Schauplätze unterteilt. Auf der linken Seite ist im Hintergrund deutlich ablesbar die Stadt Pavia dargestellt. Im Vordergrund ist ein fragmentarisch erhaltenes Zeltlager zu erkennen und ebenfalls stark reduziert Ritter, die auf Pferden in Richtung der Stadttore flüchten. Die gesamte Mitte wird von einem mit einer Mauer umgebenen Schlachtfeld eingenommen, die Heere treffen an mehreren Schauplätzen aufeinander, es kommt zu Scharmützeln. Wie schon die Landschaft so ist auch die Kleidung der Landsknechte und Söldner detailliert wiedergeben - und das bei Figurengrößen von nur wenigen Zentimetern. Durch ihre Flaggen lassen sich die einzelnen Truppenglieder ihrer Herkunft nach benennen: Kaiserliche, Schotten u.a. Die Formationen sind heute nur noch als „schwarze Flächen und weiße Balken“ zu deuten; ursprünglich stellten die „schwarzen Flächen“ die Spitzen von Lanzen dar, die „weißen Balken“ haben die ursprüngliche Farbigkeit verloren.
Auf der rechten Bildseite ist eine Burganlage zu sehen: dargestellt ist das Leben im Feldlager mit Kampfübungen, einer Kochstelle, Fuhrwerken und ähnlichen Szenen aus dem Soldatenalltag. Besonders erwähnenswert sind die abgebildeten Zelte in unterschiedlicher Konstruktion und mit ornamentalen Gestaltungen.
Der untere Bereich des Bildes zeigt das Belagerungsheer vor den Mauern. Die Figuren sind deutlich größer, wodurch Perspektive konstituiert wird. Teilweise besitzen sie sogar individuelle Gesichtszüge. Unter ihnen befinden sich auch Gefangene mit auf den Rücken gefesselten Händen.

Maltechnik
Die Malerei ist al secco ausgeführt. Als Grundierung dient eine Kalktünche, die über einem geglätteten grobkörnigen Kalkputz auf Mischmauerwerk aufgetragen wurde.
Im Zuge der Freilegung wurde der unterschiedliche Aufbau der Malschicht auf der linken und der rechten Bildseite deutlich ablesbar. So fand sich rechts die detaillierte Vorzeichnung mit schwarzen Linien direkt auf der Grundierung. Anschließend wurden die Figuren, Zelte und der Hintergrund um die Figuren herum farbig ausgefüllt. Auf der linken Seite dagegen ist zunächst der Hintergrund farbig ausgestaltet worden, erst im nächsten Schritt darauf die Figuren gemalt. Dies erklärt das jetzige unterschiedliche Erscheinungsbild der Malerei, das sich rezent auf der rechten Seite als vergleichsweise detailreich, links aufgrund des Verlustes der Konturen als eher flächig darstellt.

Zustand
Die Malerei war bereits vor dem Überfassen durch Abrieb und Ritzungen mechanisch geschädigt, wohl mit ein Grund, weshalb sie übertüncht wurde. Begründen lässt sich der Zerstörungsgrad aber auch durch den technischen Aufbau. Die Grundierung hat eine sehr glatte Oberfläche, die für die eigentliche Malerei kaum haftvermittelnd wirkt. In geschädigten Bereichen fanden sich Hinweise auf gestalterische Abänderungen während der Anlage: so sind jetzt Figuren sichtbar, die im Endzustand z. B. von gemalten Zelten überdeckt waren.
Über die Bildfläche relativ dicht verteilt sind ca. 2000 Aufspitzungen zu verzeichnen. Vor dem Auftrag des neuen Putzes war die Malerei bereits von 2-3 Tüncheschichten überdeckt.

Maßnahmen
Die Malerei wurde zunächst auf besonders gefährdete Bereiche hin untersucht und diese dann gefestigt, hinterfüllt bzw. angeböscht. Der gesamte Bereich der Abbruchkanten an der Fehlstelle auf dem Balken ist mit Anböschungen (Kalkmörtel) gesichert worden. Im nächsten Schritt sind Reste von Überputzungen in den Aufspitzungen entfernt und die Fehlstellen grob gekittet worden. Nach Abschluss der Sicherungsarbeiten begann die Freilegung der Malerei mit Skalpellen. Während der Freilegung erfolgte die Festigung der Malschicht in den Randbereichen. Die Freilegung gestaltete sich partiell problematisch. Die nur schwach gebundene und teilweise pastos aufgetragene Malschicht klebte an der ersten Überfassung, vermutlich eine kaseinhaltige Tüncheschicht.
Die freigelegte Malschicht wurde vorsichtig mit Schwämmen gereinigt. Die Festigung der kreidenden Bereiche erfolgte durch den Auftrag von Tylose über Japanpapier.
Die bereits grob gekitteten Aufspitzungen wurden mit einer feinen pigmentierten Kalkschlämme an die Malereioberfläche angepasst.

©Grundlage: Restaurierbericht der Fa. Tinzl, Salzburg

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