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Hallein: Revitalisierung des ehemaligen Altersheimes in der Karl-Dorrek-Straße abgeschlossen

Die schlichte aber markante Eingangsfront

Auch bei der Sanierung im Inneren wurde versucht, historische Bausubstanz mit modernen Wohnansprüche zu verbinden.

Das frühere Altersheim in der Karl-Dorrek-Straße 26-28 in Hallein vor der Sanierung

.... und nach seiner Sanierung

Das 1932 nach Plänen des Wiener Architekten Josef Friedl – eines Schülers von Peter Behrens - errichtete Wohn- und Altenheim der Halleiner Papier- und Zellulosefabriken gehört zu den wenigen bedeutenden Architekturzeugnissen der 30er Jahre im Bundesland Salzburg, die in ihrer Außenerscheinung weitgehend unverändert erhalten geblieben sind.

Das im sachlichen Stil konzipierte, breitgelagerte Gebäude wurde mit strenger Fassadengliederung über symmetrischem Grundriss als Doppelhaus mit - für seine Zeit - sehr modernen Kleinwohnungen errichtet. Die beiden T-förmigen Gebäudeteile sind durch einen gemeinsamen Lichtschacht miteinander verbunden. Am Dach der vier Eckrisalite sind Terrassen angelegt, die vom Dachgeschoß aus begehbar sind.
In Aufbau, Proportionierung und Kubatur ebenso wie durch Gliederung, Materialwahl und Detailgestaltung dokumentiert das Altersheim eine beinahe großstädtische Ästhetik seiner Entstehungszeit.

Charakteristisch sind die ruhige Fassadengestaltung, die Vertikalöffnungen für die Stiegenhausbelichtung sowie zahlreiche Ausstattungselemente, die in Material und formaler Ausbildung zum einheitlichen Bild dieses Bauwerkes der frühen 30er Jahre beitragen.

Aber nicht nur in seiner Stellung für die Salzburger Architektur der 30er Jahre liegt die Bedeutung dieses ehemaligen Altersheimes: Vom Arbeiter-Unterstützungsverein der Cellulose- und Papierfabriken in Hallein - mit Unterstützung von Bundesbauförderung, Stadt Hallein und den damaligen Besitzern der Halleiner Papierfabriken - errichtet, erinnert das Altersheim auch an den sozialen und sozialpolitischen Fortschritt während der Ersten Republik in dieser Salzburger Industriegemeinde.

Vor dem Abbruch gerettet
Als das Gebäude 1993 in den Besitz der Stadt Hallein gelangte, hatte es seine ursprüngliche Funktion als Wohn- und Altenheim bereits verloren und war durch Abnutzung und Feuchtigkeitseintritte arg in Mitleidenschaft gezogen. Von Seiten des Bundesdenkmalamtes wurde jedoch einem Antrag auf Abbruch bzw. Aushöhlung wegen der Qualität dieser Architektur aus den 30er Jahren und ihrer Seltenheit im Land Salzburg nicht zugestimmt.

Erste Überlegungen für eine Neunutzung als Kindergarten oder Sonderschule erwiesen sich als wenig vereinbar mit der Gebäudestruktur, jedoch signalisierte auch die Denkmalpflege frühzeitig Bereitschaft, für eine neue Verwendung des Hauses Veränderungen zu ermöglichen, da nur durch eine Nutzung der fortschreitende Verfall des Gebäudes zu verhindern war.

Nach langwierigen Verhandlungen wurde das Objekt schließlich von der „Gemeinnützigen Ein- und Mehrfamilienhäuser Baugenossenschaft EBG“ aus Wien erworben und ein Konzept für die Wohnnutzung des Gebäudes erarbeitet. Wie so oft in der Denkmalpflege wurde aber erst durch die Verbauung des benachbarten Grundstücks die Sanierung des Altobjekts in finanzieller Hinsicht möglich.

Schwieriger Umbau – Erhaltene Substanz
Obwohl für den Umbau des Altersheimes für moderne Wohnungen seitens der Denkmalpflege Zugeständnisse gemacht werden mussten, ist es gelungen, das Äußere (Putze, originales Farbkonzept, Fenster, Dachlandschaft) weitgehend unverändert zu erhalten.

Eine besondere Herausforderung war die Restaurierung des stark in Mitleidenschaft gezogenen historischen Putzes. Fragen der Haftung, der Zusammensetzung und der Oberflächenbeschaffenheit (Entwicklung eines speziellen Models) des Putzes galt es im Vorfeld zu klären. Der Putz wurde dreimal mit Kalkmilch gefestigt, schadhafte Teile abgeschlagen, Fehlstellen ergänzt und die abschließende Färbelung erfolgte nach Befund.

Im Gesamten steht die Sanierung des ehemaligen Altenheims in Hallein für ein Projekt, das in sinnvoller Weise die moderne zeitgemäße Nutzung eines Altobjektes unter Wahrung denkmalpflegerischer Grundsätze ermöglicht.

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