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Außenrestaurierung der Stadtpfarrkirche in Murau

Vierungsturm vor der Restaurierung mit der architektonisch nicht passenden hellen Gelbfärbelung.

Die Stadtpfarrkirche nach der Restaurierung im Zusammenspiel mit dem Schloss Obermurau.

Vierungsturm nach der Restaurierung im gotischen Farbsystem.

Umfangreiche Restaurierungsarbeiten erfolgten an den Wandmalereien der Außenchornischen.

Reste des durchgefärbten gotischen Putzes am Turmdach.

Blick in eine der restaurierten Chornischen.

Gotisches Friesband unter der Traufe der 1469 angebauten Spindeltreppe.

Der auf halber Höhe des Schlossberges über der Stadt thronende, 1296 geweihte Sakralbau nimmt als einer der ersten gotischen Großbauten eine besondere Rolle in der steirischen Architekturgeschichte ein.

Geschützt vom Schlossberg, der Mur und der Anhöhe von Burg Grünfels hatte sich Murau im frühen Mittelalter zu einem wichtigen steirischen Handelszentrum entwickelt. 1284 stiftete dort Otto I. v. Liechtenstein, Sohn des Minnesängers Ulrich von Liechtenstein, die heutige Stadtpfarrkirche.
Konzeptionell zeigt die dreischiffige Basilika auf Kreuzgrundriss noch Nachklänge der Romanik und Einflüsse der Friesacher Dominikanerkirche. Ihr Turm erhebt sich mit einer oktogonalen, gänzlich aus Stein gefertigten, steilen Dachpyramide über der Vierung. Wuchtige Strebebögen binden mit ihren Strebepfeilern in die halbhohen Seitenschiffe am Langhaus ein, den polygonalen Chor stützen mehrfach getreppte Strebepfeiler, zwischen denen in der Spätgotik gewölbte Nischen ausgebildet wurden. Letztere boten in Ergänzung zur künstlerischen Ausgestaltung des Kircheninneren Platz für Wandmalereien, die aus mehreren Epochen stammten. Auch der nördlich gelegene kleine Treppenturm von 1469 mit außen liegendem gemalten Maßwerkfries unter der Traufe stammt aus dieser Phase. Das reich verzierte Westportal sowie das Südportal erhielten um 1640 Vorhallen auf toskanischen Säulen. Der gotische Gesamtduktus wurde davon jedoch kaum berührt.
Infolge der exponierten Lage der Kirche muss davon ausgegangen werden, dass im Laufe der Jahrhunderte etliche Sanierungen vorgenommen worden sind. Da jedoch bei der letzten Außenrenovierung 1971/72 der Verputz weitestgehend erneuert und die ganze Kirche einheitlich in einem hellen Gelbton gefärbelt wurde, lassen sich dazu nur wenige Angaben machen. Denn durch das Putzabschlagen wurden fast alle historischen Spuren vernichtet. Es war gerade einmal an Hand alter Gemälde feststellbar, dass das Gelb bereits im 19. Jh. vorhanden war, möglicherweise war es aber schon in der Barockzeit zu ersten Mal aufgetaucht. Da diese Monochromie die Architektur der Kirche nicht wirklich in der ursprünglichen Form zur Geltung kommen ließ, wurde versucht, durch eingehende restauratorische Befundungen den am besten zur Kirche passenden Farbkanon zu finden. Glücklicherweise ließen sich an exponierten Stellen, an Übergängen zu Fensterlaibungen oder unter Putzabplatzungen an Strebepfeilern gotische Farbreste mit Kalkweiß an den Nullflächen sowie Rot als Element der Gliederungen und Steinteile finden. Dass es sich dabei um die ursprüngliche Farbgebung handelt, erhärtete sich durch die Entdeckung, dass der monumentale Christophorus an der südseitigen Querhausfront aus der Zeit um 1420 bereits mittels neuer Freskoputzschicht über die rote Fassung gezogen worden war. Während der Restaurierungsarbeiten wurde dies noch durch die zusätzlich gewonnene Erkenntnis untermauert, dass das Steindach mit einem mit Ziegelmehl durchgefärbten Putz ebenfalls in Rot gehalten war.
Ausgehend von diesem Wissensstand wurde als Restaurierungsziel eine Wiederherstellung des ursprünglichen Farbschemas festgelegt. Wünschenswert wäre gewesen, dafür auch das historische Farbmaterial, die Kalkfarbe, zu verwenden. Doch der Verputz von 1972 erlaubte dieses Material nicht. Daher musste auf ein zweikomponentiges Mineralfarbensystem ausgewichen werden, mit dem der gotische Charakter noch am ehesten zu erreichen war.
Ein weiterer notwendiger Schritt war die Restaurierung der in den Nischen befindlichen, mehr oder weniger fragmentarisch erhaltenen Wandmalereien, die teils der Gotik entstammen, teils in Verbindung mit den Fresken von Ranten aus der Zeit um 1570 stehen. Teile dieser Gemälde befanden sich unter jüngeren, künstlerisch weniger wertvollen und technisch nicht mehr haltbaren Übermalungen, teils waren die Bilder hinter rezent aufgehängten Epitaphen verborgen. Im ersten Maßnahmenkatalog war die Restaurierung dieser Wandmalereien zwar noch nicht vorgesehen, doch als sich nach Abnahme der Grabdenkmäler herausstellte, in welcher künstlerischen Qualität und auch in welchem Umfang sie vorhanden sind, wurde ihre Restaurierung nachträglich in das Sanierungsvorhaben einbezogen. Im Prinzip war jede der Wandmalereien putzmäßig zu konsolidieren, Fehlstellen mussten gekittet und alte Kittungen durch neue in Kalktechnik ersetzt werden, Vergipsungen waren zu behandeln und Salze zu reduzieren, auch die Malschichten mussten vielfach neuerlich gebunden werden. Abgeschlossen wurden die Arbeiten mit Retuschen, die für die ästhetisch ansprechende Präsentation der Malereien sorgen. Zur Vorbeugung gegen Vandalismus erhielt noch jede Nische ein Metallgitter. Geschützt wurde auch der noch in gutem Zustand befindliche, fragmentierte Christophorus der Südwand mit einem holzschindelgedeckten Pultdach.
Die Hauptrestaurierungsphase des Jahres 2006 fand mit der Rückführung auf das gotische Erscheinungsbild, der Dachsanierung und der Restaurierung der Wandmalereien vorerst ihren Abschluss. Die steinrestauratorische Behandlung der Epitaphe und ihre Neuaufstellung in witterungsgeschützten Bereichen vornehmlich des Südportalvorbaues sind je nach finanziellen Möglichkeiten der Pfarre in der nächsten Zeit noch vorzunehmen.

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