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„Fritz Gauermann in seiner schönsten Blüthe in seinem 18ten Jahre“ Friedrich Gauermanns Skizzenbuch Nr. 20 mit dem Selbstporträt des Künstlers, vierzig Blatt, gebunden in Leinen der Zeit, eigenhändig bezeichnet: „Studien vom Jahr 1825“

"Fritz Gauermann in seiner schönsten Blüthe in seinem 18. Jahre. 1825"
Aus dem Skizzenbuch Nr. 20, Wien, Privatbesitz
© Galerie Hassfurther, Wien

Friedrich Gauermann, Blick zum Gauermannhof mit Schneeberg, um 1830, Wien, Österreichische Galerie
© Österreichische Galerie

Friedrich Gauermann, Gauermanns Freunde, um 1828, Wien Museum
© Wien Museum

"Porträt eines verwahrlosten Landschaftsmalers"
Friedrich Gauermann, Selbstbildnis und Bildnis seiner Freunde, aus einem Skizzenbuch von 1833, Wien, Albertina
© Albertina

"Hiob am Misthaufen"
Brief Friedrich Gauermanns an Friedrich W. Fink vom 16. Oktober 1836, Wien, Akademie der bildenden Künste
© Akademie der bildenden Künste

Friedrich Gauermann, Selbstbildnis um 1837, Wien Museum
© Wien Museum

Das Skizzenbuch Nr. 20 beinhaltet u. a. das – nach gegenwärtigem Erkenntnisstand – früheste bekannte Porträt eines der bedeutendsten österreichischen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts.

Als aufschlussreiches Dokument der frühen Schaffensphase des Künstlers wurde es bei einer Auktion der Galerie Hassfurther unter Denkmalschutz gestellt und findet sich jetzt in Wiener Privatbesitz.
Friedrich Gauermann kam am 20. September 1807 als Sohn des schwäbischen Künstlers Jacob Gauermann (1773 – 1843), Kammermaler des Erzherzogs Johann, und der Rosina geborene Schöffstoß (1770 – 1838) in Miesenbach bei Wiener Neustadt auf die Welt. Den Winter verbrachte die Familie in Wien im Haus auf der Laimgrube 24, die Sommermonate am väterlichen Hof in Niederösterreich, wo Friedrich und seine älteren Brüder Carl und Edmund beim Vater ihren ersten Kunstunterricht erhielten.
Jacob Gauermann empfahl den Söhnen die Anlage von Skizzenbüchern, die Anfertigung von Kompositionsstudien und das Studium nach alten Meistern und vor der Natur: „Ferner ist nöthig, daß ihr eure Augen auf die Kunstwerke, welche die Zeit bewährt hat, noch mehr aber auf die Natur selber, richtet, welche stets die beste, reichste und manigfaltig Quele für die Künstler war, ist u. bleibt; daß ihr aus solcher das, was euch gefällt, in euer Taschenbuch, noch mehr aber in eure Seele aufzeichnet ... Erst wenn ich die Natur genauer kenne, so kann ich ergänzen, aber auch dann nicht, wenn ich nach ihr zeichne, sondern dann, wenn ich in meinem Arbeitszimmer componire u. ein Ideal in meiner Kunst ausarbeite“ (Jacob Gauermann, „An die jungen Maler“ in seinem im Grazer Joanneum erhaltenen Tagebuch).
Den Unterweisungen durch den Vater folgte 1824 bis 1827 das Studium an der Wiener Akademie, wo sich Friedrich Gauermann Fertigkeiten in der Ölmalerei aneignete. In den folgenden Jahren bildete sich der junge Mann – gemäß den Anweisungen des Vaters - autodidaktisch weiter, begleitet vom Bruder Carl (1804 – 1829), Edmund (geboren 1806) starb bereits 1823 - auf Studienwanderungen durch die österreichischen Alpen und in Sammlungen in Wien, Dresden und München, wo er die niederländischen Tiermaler des 17. Jahrhunderts studierte. Sein heiteres geselliges Wesen erschloss Friedrich Gauermann einen großen Freundeskreis und bald auch Förderer in der Hocharistokratie und dem Kaiserhaus. Bereits in der Wiener Kunstausstellung von 1826 fiel der erst neunzehnjährige Künstler mit Landschaftsbildern auf, in denen die geschickte Wiedergabe atmosphärischer Stimmungs- und Beleuchtungseffekte im Vordergrund standen.
Künstlerisch entfernte sich Friedrich Gauermann von der durch Staffage belebten Vedute, wie sie noch sein Vater praktiziert hatte. Wichtiger war ihm – statt einer idealen Komposition - die vereinheitlichte Darstellung von Landschaft, Mensch und Tier auf der Basis eines intensiven Naturstudiums, wie es auch an den zahlreich erhaltenen Skizzenbüchern erkennbar wird. In diesen Skizzenbüchern nach 1820 – etliche werden in öffentlichen Sammlungen aufbewahrt - finden sich überwiegend Tierzeichnungen und Baum-, Pflanzen- und Felsstudien, fallweise auch Bildentwürfe. Primär zählte die Erfassung des Lebenden, die „bewegte ... Niederschrift eines Erlebnisses“ (Rupert Feuchtmüller). Skizzenbuchblätter dienten Gauermann jeweils als Vorlage für die Ausführungen in Öl, wobei nicht das ganze Bild vor der Natur gemalt, sondern einzelne Studien verwendet wurden, wie am Beispiel einer Baumstudie aus dem in Rede stehenden Skizzenbuch Nr. 20 erkennbar wird, die in einem 1826 entstandenen und im Niederösterreichischen Landemuseum aufbewahrten Ölbild verwertet wurde. Die Skizzen und Naturstudien Friedrich Gauermanns sind in ihrer künstlerischen Wirkung jedoch durchaus selbständig: „Selten haben Skizzenbücher ... und Karikaturen eines Malers so viel künstlerischen und zugleich auch biographischen Wert“ (Rupert Feuchtmüller). Neben Vorstudien zeichnete der Künstler auch Erinnerungen auf. Ein derartiges persönliches Dokument ist die Studie zum Hof der Familie in Miesenbach, ebenfalls im Skizzenbuch Nr. 20 festgehalten.
Von einem „Bekenntnis zu einem lebensvollen Realismus“ (Rupert Feuchtmüller 1962) zeugen die erhaltenen Selbstporträts, die einen intelligenten, unkomplizierten Menschen erkennen lassen, der – wie man aus verschiedenen Aufzeichnungen weiß - auch vor trockenem Witz nicht zurückscheut.
Ältestes gegenwärtig bekanntes Beispiel ist das Selbstporträt im gegenständlichen Skizzenbuch von 1825, vormals Sammlung Graf Meran, bezeichnet „Fritz Gauermann, in der schönsten Blüthe in seinem 18ten Jahre“. Die schnell vor dem Spiegel hingeworfene Bleistiftskizze zeigt ein „unveredeltes“ frontal erfasstes Brustbildnis des Künstlers mit ernstem, noch jungenhaftem Antlitz, zartem Bartanflug an der Oberlippe, etwas schiefer langer Nase, großen, weit auseinander liegenden Augen unter buschigen Augenbrauen, mit locker geknotetem Halstuch und Weste. Gauermann, damals Schüler an der Wiener Akademie, unternahm in diesem Jahr seine ersten größeren Reisen und konnte mit Verkäufen etwa an den Grafen Czernin und den Fürsten Metternich bereits erste Erfolge verzeichnen. Oberhalb des Selbstporträts findet sich die Studie eines Ziegenbocks. Neben den repräsentativen Porträts aus dem Jahre 1837, eines zeigt Gauermann in ländlicher Tracht in einem Innenraum sitzend (NÖ Landesmuseum), das andere den Maler in bürgerlicher Kleidung vor einer Landschaft posierend (Wien, Museum, 2. Fassung: Sammlung Liechtenstein), finden sich noch einige graphische Selbstzeugnisse, etwa das Bildnis im Skizzenbuchblatt von 1833 (Albertina, Wien), das ihn als 26jährigen am frühen Höhepunkt seiner Karriere zeigt - die ironische Bezeichnung lautet „Portrait eines verwahrlosten Landschaftsmalers“ oder – in Form von Selbstkarikaturen – etwa die Darstellung als „Hiob am Misthaufen“ im Schreiben des Künstlers an seinen Freund Friedrich Wilhelm Fink vom Oktober 1836 (Wien, Akademie der bildenden Künste, Kupferstichkabinett). „Von mittlerer Gestalt und nicht regelmäßiger Gesichtsbildung wirkt seine Physiognomie ausdrucksvoll und feurig, wenn er begeistert das Band der Zunge löst“ beschreibt Rudolf von Eitelberger Friedrich Gauermann 20 Jahre später in „Österreichische Blätter für Kunst und Literatur“.
In Gauermanns Skizzen wird auch das Kultur- und Gesellschaftsleben im Wien der Vormärzzeit, an dem er regen Anteil nahm, auf wunderbare Art reflektiert, etwa in der „Tanzunterhaltung beim Sperl“ (Wien Museum).
Ab den späten Dreißigerjahren laborierte der Künstler an Gallen- und Nierenleiden. Auch die Kunstkritik setzte ihm zunehmend mit dem Vorwurf der Klischeehaftigkeit zu. Allmählich – wahrscheinlich auch durch den Umstand bedingt, dass er eine schnell anwachsende Familie zu versorgen hatte (1838 hatte er Elisabeth Kurtz geheiratet) - zog er sich aus seinem großen Freundeskreis zurück. Späte Porträts – er selbst hatte sich seit 1837 nicht mehr porträtiert - zeigen einen ernsten, in sich versunkenen Mann. Durch das Revolutionsjahr 1848 schränkte sich sein Kundenkreis ein, trotzdem verkauften sich seine Bilder auch weiterhin gut. Am 7. Juli 1862 starb Friedrich Gauermann an seinem chronischen Leiden.

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