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Die Kämpfe der Kentauren
Gemälde nach Gulio Romano um 1575

1. Schlussretusche am Gemälde „Kampf der Lapithen und Kentauren“.
Mag. Josef Bartl, freiberuflicher Gemälderestaurator (Foto BDA-Vigl)

2. Einsetzen von Gewebeintarsien, in den durch wiederholtes Aufspannen geschwächten Randbereich der Friese.
Mag. Irmgard Kaffl, freiberufliche Gemälderestauratorin (Foto BDA-Vigl)

3. Kampf der See-Kentauren (198x547 cm), Detail vor Restaurieung
(Foto BDA-Laubenstein)

4. Kampf der See-Kentauren (198x547 cm), Detail nach Restaurierung
Die zuvor durch Zierrahmenleisten verborgenen Details im Randbereich werden durch die neue Präsentation bis zur Bildkante gezeigt.
(Foto BDA-Laubenstein)

5. Gemäldeatelier im BDA, Abteilung für Konservierung und Restaurierung, Das bereits restaurierte Gemäldefries „Kampf der Lapithen und Kentauren“ (225x828 cm) im Hintergrund, vorne, das noch unbearbeitete Gemälde, „Tierkampffries“ (232x1156 cm), bei der Abnahme von der Transportrolle
(Foto BDA-Vigl)

6. Leinwanddeformationen durch laienhafte Reparaturmaßnahme. „Tierkampffries“ (232x1156 cm), Detail (Foto BDA-Laubenstein)

7. Die an der Bildrückseite, mit spannungsreichem Leim aufgeklebte Textilkaschierung, führte zur Deformation der Bildseite
„Tierkampffries“ (232x1156 cm), Detail (Foto BDA-Vigl

 Akklimatisierung der noch gerollten Gemälde in Schloss Hellbrunn (Foto BDA-Vigl)

9. Zusammenbau der Rahmenelemente und Vormontage der Spannrahmen

10. Aufspannen der Gemälde auf die Spannrahmen (Foto BDA-Vigl)

11. Hinterspanntes Gemälde vor Montage, die Gemälde erhielten einen textilen Rückseitenschutz (Foto BDA-Vigl)

12. Montageeinheit, das eigens entwickelte Montagesystem ermöglichte die präzise und sichere Hängung der großformatigen Gemälde. Zudem wurde auf ausreichende Distanz zur Raumschale geachtet die eine Hinterlüftung der Gemälde gewährleistet. (Foto BDA-Vigl)

13. Rückmontage des ersten Gemäldefrieses
In hervorragender Zusammenarbeit zwischen den von Hellbrunn zur Verfügung gestellten Hilfskräften, den freiberuflichen Restauratoren und dem BDA Team konnten die Gemälde sicher in die vorbereiteten Montageschienen gehoben werden. (Foto BDA-Vigl)

14. Schritte der Rückmontage
Ein Großgemälde befindet sich noch auf der Rolle, im Hintergrund ist ein Fries bereits aufgespannt, ein weiteres Gemälde ist bereits gehängt. (Foto BDA-Vigl)

15. Schlussaufnahme, Tierkampffries (232x1156 cm) nach Rückmontage (Foto BDA-Vigl)

16. Schlussaufnahme, Kampf der See-Kentauren (198x547 cm) und Kampf der Lapithen und Kentauren (225x828 cm), nach Rückmontage (Foto BDA-Vigl)


In den Ateliers des Bundesdenkmalamtes, Abteilung für Konservierung und Restaurierung, wurden die großformatigen Wandfriese aus Schloss Hellbrunn restauriert, die auf Giulio Romano im Palazzo Te in Mantua zurückgehen.

Die monumentalen Leinwandgemälde sind eine Wiederholung der wesentlich kleineren Wandfriese von Giulio Romano in der Camera delle Aquile des Palazzo Te in Mantua (um 1527). Vermutlich wurden die Gemälde im 3. Viertel des 16. Jh. als Teil einer Festdekoration in Mantua geschaffen und gelangten erst später in das, unter Erzbischof Markus Sittikus von Hohenems, in den Jahren 1613-1615 als Lustschloss im italienischem Stil erbaute, Schloss Hellbrunn.

Eine Rückstellung der Gemälde ist für Frühsommer 2007 geplant.

Die in Öl auf Leinwand gemalten Friese zeigen den Kampf der See-Kentauren (198x547 cm), den Tierkampffries (232x1156 cm) und der Kampf der Lapithen und Kentauren (225x828 cm).

Die originalen Bildträger setzen sich aus horizontal vernähten Leinwandbahnen, mit Webbreiten bis maximal 95 – 98 cm, zusammen. Werkspuren zeigen, dass die Gemälde auf einfachen Lattenrahmen, die mit diagonalen Verstrebungen stabilisiert waren, grundiert und gemalt wurden. Die Ölmalerei baut auf einer dünnen Öl/Kreide Grundierung auf, die mit etwas Minium und Smalte versetzt einen ehemals violetten Grundton ergab. Die subtile Ölmalerei baut sich aus mehreren Schichten auf, darüber liegen Reste eines gebräunten, ehemals durchgehenden Ölfilms. Die besonders dynamische und qualitätvolle Malerei wurde durch spätere Hinzufügungen kaum verfremdet. Auf dem Fries, das den Kampf der Lapithen und Kentauren darstellt, wurden die Schambereiche der Frauen, im Gegensatz zu Mantua, mit nachträglich hinzugefügten Tüchern verhüllt. Die Laborproben aus diesen Bereichen zeigen, dass die Farbe der Übermalung in das Craquele der bereits gealterten Malerei eingedrungen ist.

Der Erhaltungszustand der Gemälde weist, auf Grund der Leinwandverletzungen entlang der Bildkanten, auf mehrfach wiederholte Montagen hin. Dies sind unzählige Nagellöcher, die immer weiter (bis 12 cm) in die Bilder gerückt wurden, beschnittene Bildkanten, sich abzeichnende Zierrahmenkanten und Spannrahmenkanten der Unterkonstruktion. Die Zusammensetzung der Bildträger lässt ebenso Rückschlüsse auf mehrfach geänderte Raumsituationen zu: so die sekundäre, vertikale Naht in der Mitte des Gemäldes „Kampf der Lapithen und Kentauren“. Der Gebrauch der Gemälde hat auch innerhalb der Bildflächen zu zahlreichen Löchern und Rissen geführt. Diese Schäden waren an den Bildrückseiten mit aufgeklebten Stoffflicken gesichert. Die verwendeten, spannungsreichen Leime haben bildseitig zu groben Deformierungen geführt. Die Mal- und Grundierschicht ist auf Grund ihrer ölgebundenen Zusammensetzung und dünnen Schichtstärke gut erhalten. Die Gemälde waren vor der Restaurierung bereits über längeren Zeitraum auf Rollen gelagert. Die Spannrahmen sind nicht erhalten.

Im Einvernehmen mit dem Eigentümer und dem Landeskonservatorat für Salzburg wurde das Restaurierziel darauf ausgerichtet, die gesamte Bildfläche zu präsentieren. Dies bedeutete, dass in die unzähligen Löcher (ca. Ø10-15mm), entlang der gesamten Randzonen, Leinwandintarsien eingesetzt wurden. Die Abnahme der spannungsreichen Leinwandkaschierungen an den Bildrückseiten ermöglichte das Niederlegen der Leinwanddeformationen und das punktuelle Verkleben der Leinwandverletzungen. Die geschwächten Leinwandbereiche wurden partiell mit Faden- und Textilbrücken gesichert. An den Bildrändern wurden Leinwandstreifen angesetzt, die das Aufspannen auf die neu angefertigten Spannrahmen ohne Bildverlust ermöglichten. Der Reinigungsgrad der Gemäldeoberflächen wurde mit Musterflächen ermittelt. Als Zielsetzung wurde ein, für alle Bildbereiche gleichmäßig erreichbares Ergebnis, unter Erhalt der alten Überzüge, erarbeitet. Nach Abschluss der besonders subtilen und schonenden Reinigung werden die Malschichtverluste exakt gekittet und entsprechend ihrem Umfeld in Struktur und Farbe integriert. Bedingt durch den Erhalt der historischen Ölfirnisreste, wird der Schlussfirnis primär dazu verwendet, mit möglichst geringem Firnisauftrag, einen Ausgleich zu schaffen.

Das große Format der Gemälde bedingt, dass die Friese für den Transport, abgespannt, gerollt und erst vor Ort, in Schloss Hellbrunn, aufgespannt werden.

Rückmontage der Gemäldefriese

Transport
Die Gemälde wurden mit einem Kunsttransport des BDA nach Schloss Hellbrunn überstellt. Die großformatigen Friese wurden für den Transport von den Spannrahmen abgenommen und auf Transportrollen (Ø70 cm) deponiert. Die gerollten Gemälde wurden klimatisch geschützt und hängend im LKW montiert. Die Rahmen wurden in Ihre Module zerlegt, die entsprechend der Zugänge zum Carabinierisaales konzipiert sind.

Vormontage der Spannrahmen
Die leichten, aus Nadelholz gefertigten Spannrahmenelemente wurden vor Ort zusammengesetzt und verschraubt. Im Anschluss konnten die großformatigen Rahmenkonstruktionen mit einem eigens im BDA entwickelten Montagesystem vormontiert werden. Dieses ermöglicht das Einjustieren der zahlreichen Befestigungspunkte und die gefahrlose Montage der aufgespannten Gemälde. Das Montagesystem sorgt zudem für ausreichenden Mauerabstand und entsprechende Hinterlüftung der Gemälde.

Aufspannen der Gemälde
Für das Aufspannen der Gemälde wurde eine, dem größten Gemälde entsprechende Arbeitsfläche, geschaffen. Dazu wurde am Boden des Carabinierisaales ein mehrschichtiges „Bett“ vorbereitet. Die großen Gemälde konnten so mit der Bildseite nach unten aufgelegt werden und über die vorbereiteten Blindrahmen gespannt werden. Um negative Einflüsse über die Bildrückseite möglichst zu reduzieren wurde ein textiler Rückseitenschutz angebracht.

Montage
Nach der Montage, der auch als Kantenschutz vorgesehenen Zierleisten, konnten die Gemälde sicher in die vormontierten Montageschienen gehoben werden.

Die Konservierung und Restaurierung konnte in einen Zeitraum von ca. 18 Monaten durchgeführt werden. Die Rückmontage erfolgte Mitte Mai 2007. Die Gesamtkosten betragen ca. € 76.000.- und wurden zu gleichen Teilen vom Bundesdenkmalamt und von Seiten des Eigentümers getragen.

Die detaillierten Dokumentationsunterlagen liegen im Bundesdenkmalamt, Abteilung für Konservierung und Restaurierung unter W 9311-13 auf, beauftragte Restauratoren Mag. I. Kaffl, Mag. J. Bartl, Amtsrestaurator W. Martin, Projektleitung Dr. M. Koller und Mag. M. Vigl, Beratung und Analysen durch das BDA Labor, Dr. H. Paschinger und Dr. R. Linke. Transport und Montage K. Swazina und H. Jäger.



MV 

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