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Romanischer Sakralbau und barocke VolksfrömmigkeitEinblicke in mittelalterliche und barockzeitliche Glaubenswelten in Gallneukirchen

Südmauer der romanischen Kirche mit verlagerter romanischer Grabplatte. Foto: BDA.

Gesamtplan der Grabungen in der ehemaligen Sakristei. Grafik: BDA.

Spätmittelalterliche Mehrfachbestattung. Foto: BDA.

Barocke Weiheanhänger und Kupfermünze des 17. Jahrhunderts. Foto: E. Weinlich.

Ausgrabungen des Bundesdenkmalamtes in der Pfarrkirche Gallneukirchen (Oberösterreich) bringen zahlreiche neue Erkenntnisse zur Bauentwicklung der Kirche sowie zum Bestattungswesen des Mittelalters und der Neuzeit

Im Jahr 2006 wurden von der Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes in Zusammenarbeit mit der Pfarre Gallneukirchen archäologische Untersuchungen in der Pfarrkirche St. Gallus durchgeführt. Die Kirche wird zwar bereits 1125 erstmals urkundlich erwähnt, präsentiert sich aber heute als spätgotische Pfeilerbasilika aus dem 14. Jahrhundert. Es lag daher nahe, im Kircheninneren unter dem Fußboden Fundamente des Vorgängerbaues zu vermuten.
Tatsächlich konnten bei den Grabungen die Fundamentmauern zweier unterschiedlich großer Vorgängerkirchen freigelegt werden. Beim Gründungsbau handelt es sich um eine romanische Saalkirche mit quadratischem Chor (Saal 20 x 10 m, Chor 8 x 8 m). Wahrscheinlich im 13. Jahrhundert wurde die erste Kirche erneuert; ob diese Baumaßnahme durch Platzmangel oder etwa einen Gebäudebrand bedingt war, bleibt unklar. Der Saal wurde jedenfalls um 3 m verbreitert. Säulenfundamente sprechen für eine arkadengegliederte Südfront der spätromanischen Kirche.
Außerhalb der Südmauer der jüngeren romanischen Bauphase fand sich ein nachträglich umgelagerter romanischer Grabstein mit einfacher Ritzverzierung in Form eines kreuzförmigen Lebensbaumes.
Die im 19. Jahrhundert südöstlich an den Turm gebaute Sakristei wurde im Zuge der Generalsanierung komplett abgetragen und durch einen Neubau ersetzt. Das Areal der Sakristei war Teil des bis 1890/91 belegten alten Pfarrfriedhofes rund um die Kirche. Die für den Neubau geplante Niveauabsenkung um etwa 1,5 m erforderte auch in diesem Bereich eine archäologische Untersuchung vor Baubeginn. Auf einer Fläche von 35 m² konnten dabei insgesamt 83 Bestattungen dokumentiert werden.
Neben Trachtbestandteilen wie Gürtel- und Schuhschnallen fanden sich in den Gräbern zahlreiche Objekte mit religiöser Symbolik wie Rosenkränze, Wallfahrtsmedaillen (etwa aus Mariazell), Benediktuspfennige, handwerklich fein gearbeitete Bronzekreuze in verschiedensten Ausformungen und so genannte Breverl (zwischen Glasplatten gefasste Heiligenbildchen) als Beispiele barocker Volksfrömmigkeit.
Die tief liegenden Bestattungen waren durchwegs beigabenlos und stammen vermutlich aus dem Mittelalter. Hier wurden auch sechs Mehrfachbestattungen angetroffen, die möglicherweise in Zusammenhang mit den historisch nachgewiesenen Pestepidemien des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit stehen. Die Mehrzahl der untersuchten Gräber gehört zum barocken Ortsfriedhof und datiert in das 16. bis 18. Jahrhundert.


Archäologie in Kirchen - traditionell ein Schwerpunkt der Bodendenkmalpflege in Österreich!
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Kirchenarchäologie in Tirol und Vorarlberg (FÖMat A 9)
Fundort Kloster (FÖMat A 8)
Forschungen zur Leechkirche in Graz (FÖMat A 4)

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