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Restaurierung des Meierhofes von Schloss Urstein in Puch abgeschlossenAdelssitz, Bauernhof, Wissenschaftsstandort – Funktionswandel eines Gebäudes in einem halben Jahrtausend

Der Meierhof von Urstein nach der Restaurierung

Das Gebäudeinnere beeindruckt mit zahlreichen Gewölben und historischen Böden

Freigelegter Tonziegel-Boden

Der Dachboden des Hauptgebäudes mit der historischen Dachkonstruktion aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert wird für Besprechungen genutzt

Fenster und Türen - wie dieses Beispiel aus der Zeit um 1800 - wurden sorgfältig restauriert. 

Im Zuge der Errichtung des neuen Campus der Fachhochschule Salzburg in Puch bei Hallein wurde in den vergangenen Jahren die Schlossanlage von Urstein restauriert und revitalisiert.

Nachdem das Schloss selbst bereits im Herbst 2005 seiner neuen Bestimmung als Direktion der Fachhochschule und als Weiterbildungsstätte übergeben wurde, erfolgten seit Anfang 2006 nach mehrjährigen Vorarbeiten die Sanierung und Adaptierung des Meierhofes für Wissenschafts- und Forschungszwecke.
Der in drei Flügeln um einen Innenhof errichtete Meierhof liegt am Fuß einer Konglomeratterrasse unterhalb des heutigen Schlosses Urstein. An das dreigeschoßige Haupthaus schließen sich als Seitenflügel im Norden das Stallgebäude und im Süden ein Stöckl an. Westlich wird der Hof vom sog. Uhrturm abgeschlossen, der ursprünglich als Kapelle diente.

Wechselhafte Geschichte
Der Meierhof diente bis zum Bau des heutigen Schlosses als Sitz der Herren von Urstein, zuletzt der Familie Dückher von Haslau, die dann zwischen 1689 – 1691 das heutige Schloss errichten und den alten Ansitz zum Meier- oder Wirtschaftshof umfunktionieren ließ.

Aus den Archivalien lässt sich die Geschichte der Eigentümer des Gutes bis Leonhard Golser von Urstein (1469) zurückverfolgen, jedoch weisen archäologische Funde bei den Vorarbeiten zum Umbau des Meierhofes sowie die Genealogie der Besitzer (Grabsteine in der Pfarrkirche Puch) darauf hin, dass die Besiedlung von Urstein bereits im 13./14. Jahrhundert begann.

Die bauhistorische Untersuchung des Meierhofes ergab für den Kern des Haupthauses eine Datierung in die 2. Hälfte des 15. oder 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die wesentliche Ausbauphase erfolgte im 17. Jahrhundert, als das Bauwerk den Dückher von Haslau als Adelsansitz diente, die zunehmendes Gewicht auf eine repräsentative Ausgestaltung legten. Neben der Einwölbung der meisten Räume wurde damals auch die heutige Treppenanlage errichtet und neu geschaffene Gänge führten zur heutigen Erschließung des Hauptgebäudes. Neben dem Stöckl wurde im 17. Jahrhundert auch der Uhrturm errichtet, vermutlich ursprünglich als Schlosskapelle.

Mit dem Bau des heutigen Schlosses Ende des 17. Jahrhunderts verlor der alte Ansitz seine Funktion und diente fortan als Meierhof: Das Haupthaus erhielt – unter Beibehaltung der Dachkonstruktion aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert! - ein 2. OG mit einem Schüttboden, an die Stelle eines Vorgängerbaues trat im Norden ein langgestrecktes Stallgebäude mit gewölbtem Stall und darüber liegendem Heuboden. Kurz nach 1700 wurde auch das Obergeschoß des Uhrturms eingewölbt und ihm eine Zwiebelhaube aufgesetzt, seine Funktion als Kapelle hatte der Turm an die neue Schlosskapelle verloren.

Gebäudestruktur und Bausubstanz der Meierei blieben in der Folge weitgehend unverändert, nur das Stöckl wurde in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts modern ausgebaut.


Erhaltene historische Raumstruktur
Umbau und Restaurierung gingen eine umfassende Bauforschung und restauratorische Befundungen der Hofanlage voraus, die die Grundlage für eine weitgehende Konservierung und Sanierung der historischen Bausubstanz bildeten. Die Adaptierung des Gebäudes für Wissenschafts- und Forschungszwecke gelang - trotz der neuen Nutzung – unter weitgehender Erhaltung der historischen Gebäudestruktur. Die Einbindung des Stallgebäudes in dieses Nutzungskonzept machte jedoch eine zusätzliche Erschließung unumgänglich, die durch einen Glasanbau an der rückseitigen Nordostecke mit einer anschließenden modernen Treppenanlage erreicht wurde. Ebenso musste auch die Holzdecke zwischen 2. OG und Dachstuhl des Haupthauses angehoben werden, um im 2. OG eine für Bürozwecke nutzbare Raumhöhe zu erreichen.

Viele Baudetails konnten wieder freigelegt und restauriert werden, so ein historischer Boden aus roten Tonziegeln oder Holzkassettendecken aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Der eindrucksvolle barocke Dachstuhl des Hauptgebäudes wurde ebenso erhalten wie die zahlreichen Gewölbe, Holztramdecken und Dielenböden. Wie schon bei der Restaurierung des Schlosses wurde großes Gewicht auf die Erhaltung der historischen Putze und die Wiederherstellung der Kalkoberflächen gelegt.

Dank der engen Zusammenarbeit zwischen den Fachhochschulbetreibern und dem Landeskonservatorat für Salzburg gelang es - nicht zuletzt dank finanzieller Unterstützung aus Bundesmitteln für Denkmalpflege - eine für Nutzer wie Denkmalpflege gleichermaßen befriedigende Lösung für die Adaptierung dieses geschichtsträchtigen Meierhofes zu erzielen.

Im März 2007 findet die offizielle Eröffnung des Meierhofes statt, durch die diese Anlage einer neuen Nutzung in ihrer langen und wechselvollen Geschichte übergeben wird.

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