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Turm in St. Radegund trotzt wieder dem Wetter

Die Renovierung erfolgte auf Initiative der Gemeinde St. Radegund.

im oberen Bereich dienen gekoppelte Rundbogenfenster in Art eines Biforiums sowie weitere kleine Fenster zur Belichtung des Turminneren.

Die Fassaden wurden auch vom Bewuchs befreit.

Der in der Gestalt eines romanischen Kirchturms errichtete Wetterturm in St. Radegund erhielt ein neues Lärchenschindeldach.


Am Fuße des Schöckels findet sich in der steirischen Gemeinde St. Radegund in der Wetterturmstraße 14 ein über einem annähernd quadratischen Grundriss aus Stein im Stile der Romanik gemauerter Wetterturm mit schindelgedecktem Zeltdach und einem straßenseitigen Eingang mit abgeschlepptem Dach. Die glatt verputzten Fassaden des Turmes sind horizontal durch steinsichtige Gesimse gegliedert und im oberen Bereich durch gekoppelte Rundbogenfenster in Art eines Biforiums sowie weitere kleine Fenster zur Belichtung des Turminneren geöffnet. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts befand sich an dieser Stelle ein Turm, wie aus der josephinischen Landesaufnahme von 1787 ersichtlich.
Die bäuerliche Tradition des Glockenläutens zur Abwehr von Unwettern und bösen Dämonen lässt sich bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Kaiser Joseph II. erließ im Jahre 1783 ein Verbot des Wetterläutens, das unter Leopold II. teilweise wieder aufgehoben wurde. Der Wetterturm ist in soziologischer und kulturhistorischer Hinsicht ein wichtiges Dokument alten Aberglaubens der Landbevölkerung, die auf Grund des schwierig zu bearbeitenden Geländes um ihre spärlichen Ackerbauerträge für die Selbstversorgung der Großfamilien bangte. Die volkstümliche Meinung, das Geläut vertreibe die Ernte zerstörenden Unwetter und könne so die Bevölkerung vor Hungersnot bewahren, wurde zwar durch neue meteorologische Erkenntnisse gegen Ende des 19. Jahrhunderts widerlegt, aber vereinzelt hat sich die Tradition des Wetterläutens bis ins frühe 20. Jahrhundert fortgesetzt.

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