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Außenrestaurierung der Pfarrkirche in St. Georgen Mittelalterlicher Karner wieder entdeckt

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

Spätbarocker Turm von 1780/83, Zustand 2006 nach Restaurierung

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

St. Georgen

Portal zum ehem. Friedhof, Detail; Zustand 2006 während Restaurierung

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

St. Georgen

Karner-Untergeschoss; Zustand 2006 nach Auffindung

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

St. Georgen

Karner-Untergeschoss mit ehem. Zugang; Zustand 2006

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

Zustand 2005 vor Außenrestaurierung

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

Zustand 2006 nach Außenrestaurierung mit Wiederherstellung der spätbarocken Farbgebung

St. Georgen, Pfarrkirche

St. Georgen, r.k. Pfarrkirche

Ansicht der Apsis, Zustand 2006 nach Entfernung des Zementputzes und Wiederherstellung eines Kalkputzes mit Kalkanstrich

Nach einer umfangreichen Außenrestaurierung der katholischen Pfarrkirche des Weinhauerortes St. Georgen, einem heutigen Ortsteil von Eisenstadt, stieß man bei Erdarbeiten im umliegenden ehemaligen Friedhofsgelände auf ein mittelalterliches Beinhaus.

Die mächtige, spätgotische Wehrkirche im Nordwesten des ehemaligen Breitangerdorfes gehört zu den bedeutenden mittelalterlichen Kirchenbauten des Burgenlandes und stammt in ihrer Hauptsubstanz aus dem 15. Jahrhundert, wobei das Erscheinungsbild ein stattlicher, spätbarocker Westturm aus den Renovierungsjahren 1780/ 83 dominiert.
Die denkmalpflegerischen Schwerpunkte der Fassadensanierung lagen vorwiegend in der Korrektur von negativen Veränderungen der Renovierung aus den 1960er Jahren, wo der gesamte Putzbestand gegen einen Zementputz ausgetauscht und die reiche spätbarocke Turmgestaltung durch die Reduktion der Gliederung ihrer authentischen Wirkung beraubt wurde. Diese zu rekonstruieren, gleichzeitig die Apsis mit Kalkputz in einer historisch stimmigen Textur neu zu versehen, weiters formale Details der ebenfalls reduzierten Steinteile zu verbessern und schließlich das Farbkonzept des späten 18. Jahrhunderts – gebrochenes Weiß in der Nullfläche mit grauer Gliederung – wieder aufzunehmen, konnte trotz knapper finanzieller Mittel umgesetzt werden.

Im Anschluss daran begann die Instandsetzung und behindertengerechte Neugestaltung der gesamten Außenanlage. Während der Erdarbeiten, die aufgrund der Absenkung des immer wieder aufgeschütteten Terrains notwendig wurde, traf man schließlich im nordwestlichen Bereich unmittelbar am östlichsten Langhausjoch auf einen gewölbten unterirdischen Raum, woraufhin die Baggerarbeiten unverzüglich eingestellt wurden. Nach den ersten Erkundigungen und der Auffindung von Knochen bzw. einem Rosenkranz bestand bald Klarheit über die ursprüngliche Funktion des aus dem Mittelalter stammenden Raums als Ossarium, im örtlichen Sprachgebrauch „Boa(na)häus’l genannt; Ein solches ist darüber hinaus bei der St. Georgener Kirche aus Visitationsberichten des 17. Jahrhunderts dokumentiert.
Beinhäuser bzw. Karner bestanden im Mittelalter bei zahlreichen Kirchen in den umliegenden Friedhöfen und sind im Laufe der Jahrhunderte weitgehend abgekommen. Im Burgenland wären als noch vorhandene Beispiele u.a. St. Margarethen (mit intaktem Obergeschoss), Rust, Hornstein, Kleinfrauenhaid oder Gaas-Maria Weinberg zu nennen.
Der Karner in St. Georgen ähnelt dem Typus eines in den 1980er Jahren in Horitschon aufgefundenen Beispiels und zeigt einen polygonalen Grundriss sowie die originale Verputzung am Gewölbe mit der charakteristischen Verschallungsstruktur. Das ursprünglich mit Sicherheit vorhandene Obergeschoß dürfte wohl im Zuge des Langhausausbaus geschleift worden sein, da der unterirdische Raum zum Teil unter der Mauer des östlichsten Langhausjochs liegt.

Nach einer ersten Sondierung und Prüfung durch die Archäologieabteilung des Bundesdenkmalamts wird heuer eine eingehende Untersuchung und wissenschaftliche Aufarbeitung des interessanten Funds durchgeführt.

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