Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Neues aus Clunia

Prähistorische Steinsetzung (links) neben den Mauern des römischen Gebäudes. Foto: BDA.

Freilegungsarbeiten im Bereich des römischen Gebäudes. Foto: BDA.

Überblicksaufnahme der Grabungsbefunde 2006. Foto: BDA.

Archäologische Grabungen in einer römischen Straßenstation in Feldkirch-Altenstadt

Auf der so genannten Tabula Peutingeriana (der mittelalterlichen Umzeichnung einer römischen Straßenkarte) ist in etwa 25 km Entfernung von Brigantium, dem heutigen Bregenz, die römische Straßenstation Clunia verzeichnet. Sie wird seit jeher im Raum Feldkirch-Rankweil-Göfis vermutet. Die geplante Umwidmung großer landwirtschaftlicher Nutzflächen in Gewerbe- und Mischgebiet veranlasste 1998/99 geophysikalische Prospektionen (bodeneingriffsfreie Untersuchungen des Geländes mittels Georadar etc.), die zur Entdeckung zahlreicher in der Erde verborgener Baustrukturen führten. Mittlerweile befindet sich das Verfahren einer großflächigen Unterschutzstellung der Anlage unter Überführung der betroffenen Grundparzellen in öffentliches Eigentum in der Endphase.
Die im Mai und Juni 2006 durchgeführte Ausgrabungskampagne galt der teilweisen Freilegung eines im Südosten des Areals lokalisierten rechteckigen Gebäudes von ca. 20 x 13,5 m mit einem nahezu quadratischen, offenbar jüngeren Zubau an der Südwand. Das Gebäudeinnere war durch zwei Reihen von Holzpfosten gegliedert, die vermutlich als Trägerkonstruktion für ein Obergeschoß oder den Dachstuhl dienten. Die in Kalkmörtelbindung aufgeführten steinernen Außenmauern ruhten auf einem massiven, bis zu 1 m breiten und 1,1 m tiefen, trocken gesetzten Fundament aus Lesesteinen.
Die originalen Bodenoberflächen waren nur in geringen Resten vorhanden, da sie großteils durch die Beackerung in nachrömischer Zeit zerstört worden sein dürften. Münzfunde weisen auf eine Nutzung (und wohl auch Errichtung) des Gebäudes in der Spätantike (2. Hälfte 3. bis 4. Jh. n. Chr.) hin. Seine Funktion ist vorläufig noch nicht geklärt, ein Speicherbau (zur Lagerung von Nahrungsmitteln etc.) erscheint aber denkbar.
Besonders bemerkenswert ist die Entdeckung einer älteren Kulturschicht, die von dem römischen Haus überbaut worden ist. Die prähistorischen Keramikfragmente lassen sich vorläufig der späten Bronzezeit oder frühen Eisenzeit zuordnen. Zu diesem Nutzungshorizont dürfte auch eine nördlich des Gebäudes festgestellte Trockenmauer gehören. Jedenfalls bezeugen diese Funde, dass die römerzeitliche Besiedlung offenbar auf bereits früher kultiviertem Boden entstanden ist.

Die Römer in Österreich - ein wichtiger Aufgabenbereich auch für die Bodendenkmalpflege!
Lesen Sie dazu unsere Publikationen 

Das spätantike Gräberfeld auf dem Frauenberg bei Leibnitz, Steiermark (FÖMat A 10)
Archäologische Forschungen in Teriola 1 (FÖMat A14)
und ganz aktuell:
Stellmacherei und Landwirtschaft: Zwei römische Materialhorte aus Mannersdorf a. Lgb., NÖ (FÖMat A 16) 

Bezug direkt beim Verlag oder über den Buchhandel!

Ausstellungstipp: Im Schutze mächtiger Mauern. Spätrömische Kastelle im Bodenseeraum

Druckersymbol Druckversion