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Ausgrabungen im Dominikanerkloster Leoben abgeschlossen

Spätmittelalterlicher Brunnen aus Bauphase 1. Foto: BDA.

Neuzeitlicher Kalkbrennofen aus Bauphase 3. Foto: BDA.

Latrine und Keller aus dem späten 17. Jh. (Bauphase 3). Foto: BDA.

Archäologische und bauhistorische Untersuchungen erbrachten wesentliche neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des ehemaligen Dominikanerklosters

Die Adaptierung des bis vor kurzem als Justizanstalt genutzten ehemaligen Dominikanerklosters in Leoben für die Errichtung eines Einkaufszentrums durch die Leoben City Shopping Errichtungs- und BetriebsGesmbH (LCS) erforderte gründliche Untersuchungen durch Archäologie und Bauforschung. Die vom Bauherrn finanzierten Arbeiten konnten im Juni 2006 abgeschlossen werden.
Im Zuge der Neugründung der Stadt Leoben durch König Ottokar II. wurde dem Dominikanerorden im Jahr 1280 eine Fläche an der Nordostecke der Stadt zur Bebauung geschenkt. Anhand der Grabungsergebnisse lässt sich nun erstmals nachweisen, dass zumindest dieser Teil der Stadt tatsächlich auf „grüner Wiese“ errichtet worden ist.
Neben Untersuchungen in der vermutlich im späten 13. Jahrhundert begonnenen Kirche sowie ihrem unmittelbaren Umfeld (zwei abgetragene Kapellen, ehemaliger Friedhof und Kreuzgang) sind vor allem die archäologischen Befunde aus dem Südtrakt und dem Wirtschaftshof von Interesse.
In der 1. Bauphase (um 1300 bis 4. Viertel 15. Jh.) hatte die Fläche zwischen Kreuzgangwesttrakt und westlicher Begrenzungsmauer den Charakter eines Wirtschaftshofes. Diesem sind ein Brunnen, zwei Kalklöschgruben, zwei Herdstellen und Reste von Holzhütten zuzuordnen. Zudem konnte die ursprüngliche Parzellengrenze des Dominikanerklosters nachgewiesen werden.
In der 2. Bauphase (4. Viertel 15. Jh.) wurde entlang der Südmauer ein zumindest teilweise in Spitzbögen geöffneter und mit einem Kreuzgewölbe gedeckter Bauteil errichtet. Der Hof dahinter scheint eine Grünfläche gewesen zu sein, auf der von Zeit zu Zeit Hausmüll entsorgt wurde.
In der 3. Bauphase schließlich (1640-1690) wurden die mittelalterlichen Konventstrakte aufgestockt und weitere große Baumaßnahmen durchgeführt. Ein eindrucksvolles Zeugnis für die Herstellung des benötigten Mörtels vor Ort stellen zwei große Kalklöschgruben, eine Zisterne und ein Kalkbrennofen mit vorgelagerter Arbeitsgrube dar.
Im Erdgeschoß des Südtraktes konnten eine Glockengussgrube sowie ein Bronzeschmelzofen freigelegt werden. Die nördlich an den Südtrakt angebauten Fundamente für Latrinen und Keller fallen in die Zeit nach 1672.

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