Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Bad Radkersburg, Hauptplatz 30, sog. „Pistorkeller“

Detail der Stadtansicht an der südlichen Wand.

Tonnengewölbter Raum mit Stadtansicht an der südl. Wand. Kalk-Secco Malerei über dünner Kalkgrundierung auf Kalkmörtel über Bruchsteinmauerwerk. Die Raumschale ist vermutlich älter als die Malerei des späten 14. Jahrhunderts.

Detail der Stadtansicht mit Katz und Maus.

Ornamentband

Abnahme gipshaltiger Schleier.

 

Der ca. fünf mal fünf Meter kleine Raum ist tonnengewölbt  und beherbergt die ältesten bekannten profanen Fresken Österreichs. Sie werden ca. in das Jahr 1390 datiert.

Der am Bad Radkersburger Hauptplatz/Ecke Theatergasse gelegene ehem. Freihof stammt im Kern aus dem Mittelalter und wurde in seiner Bestandsgeschichte mehrmals um- und ausgebaut. Im östlichen, hofbildenden Trakt in der Theatergasse ist der sog. „Freskenkeller“. Ursprünglich lag das Straßenniveau um ca. 1,50 Meter tiefer, so dass der ehemals ebenerdige Raum sich heute als Keller mit Katzenkopfpflaster („Murnockerln“) präsentiert. Seine Funktion ist leider unbekannt, muss aber auf Grund der malerischen Ausstattung bedeutend gewesen sein.
1951 wurden die Malereien entdeckt und freigelegt. Der Raum war ursprünglich komplett ausgemalt: Im bodennahen Bereich sind die Malereien jedoch verloren. Das Gewölbe ist als Sternenhimmel ausgebildet. Die Stirnwände zeigen in lebendigen Darstellungen Turnierszenen, eine Hirschjagd, einen Liebesgarten, „Katze und Maus“ - Darstellungen und die Erstürmung einer Stadt sowie eine Schlachtenszene. Rotblaue Begrenzungsstreifen, Spruch- und Ornamentbänder rahmen die Bildflächen.
Durch die Freilegung wurden die Fresken den relativ starken Schwankungen des Raumklimas ausgesetzt. Schon 1953 wurden erstmals Ausblühungen festgestellt und entfernt. 1986 fanden eine neuerliche Sicherung vor Abplatzungen und eine Restaurierung statt. 2001 schließlich wurde nach einer Notsicherung eine umfassende Untersuchung mit Musterflächen als Basis für eine Gesamtrestaurierung durchgeführt.
Die erste Voraussetzung, um das Raumklima zu verbessern, setzte die Stadt 2004 durch die Errichtung eines straßenseitigen Drainagegrabens, durch dessen Rollschotter mithilfe eines Ventilators die Raumluft geführt und temperiert wird. Durch die gelenkte Belüftung der Außenseite der Kellermauer kam eine für die Fresken richtige und gleichmäßige Klimatisierung des Mauerwerks zustande. Eine Thermoverglasung der beiden Fenster mit UV-Schutz sowie ein unbehandelter Holzboden sollten zudem künftig die Kondensation als weitere Feuchtequelle im Raum minimieren. Gleichzeitig erfolgten laufend Aufzeichnungen und Kontrollen als Basis für die Gesamtrestaurierung. Die nunmehr vor dem Abschluss stehenden Restaurierungsmaßnahmen durch das Restauratorenteam Heike und Mag. Christoph Tinzl an den Malereien selbst umfassten nach mehreren Probekampagnen die Nachfreilegung von Bildpartien, die Umwandlung und Abnahme gipshaltiger Schleier, die Konsolidierung der Verputze sowie – in der bereits mehrfach erneuerten Sockelzone unterhalb des Straßenniveaus – das Aufbringen eines offenporigen Kalkputzes. Die zurückhaltende Retusche zielt auf die Wiederlesbarmachung von Bilddetails ab, womit auch der Wirkung eines bemalten Raumganzen entsprochen werden sollte. Die Arbeiten sind im November 2006 mit Ausnahme des Fenstereinbaus abgeschlossen.

Druckersymbol Druckversion