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Gebeine in barocker Pracht

Der Praejectitia genannte Katakombenheilige im Reliquienschrein der Stiftskirche Mondsee

Katakombenheiliger Acatemera, Kopf mit Tüll überzogen,  Armknochen mit Lurexfäden umwickelt.

Praejectitia Martyr

Perlenschmuck aus gedrechselten Alabasterkugeln

Die Katakombenheiligen in der ehemaligen Stiftskirche Mondsee

Der über 3 m hohe mehrteilige gold-silberne Reliquienschrein vom Hochaltar der ehemaligen Stiftskirche Mondsee wird zur Zeit restauriert.

Heilige aus den Katakomben
Seit der Wiederentdeckung der römischen Katakomben 1578 wurden dort laufend Gebeine entnommen, da man glaubte dort seien nur Märtyrer der christlichen Frühzeit bestattet worden. Für die Echtheit bürgten Beglaubigungsurkunden hoher kirchlicher Autoritäten. Auch Inschriften und Symbole, die auf ein Martyrium hinweisen sollen wie Palme, Taube oder Christusmonogramm, galten als Indiz für die Echtheit der Reliquien. Die Namen der Heiligen wurden meist erfunden.
Im Zuge der Gegenreformation wurde besonders der Heiligen- und Reliquienkult neu belebt. Damit wurden Zentren der Volksfrömmigkeit und Wallfahrtsorte geschaffen.
Künstlerisch gestaltete Reliquiare bilden eine lehrhafte religiöse Ausstellung. „Als inszenierte ‚Tote Bilder’ sind sie das dem barocken Vanitasgedanken verpflichtete Gegenstück zu den ‚Lebenden Bildern’ in der Theater- und Festkultur dieser Zeit“, so Doz. Mag. Dr. Manfred Koller, ehem. Leiter der Restaurierwerkstätten Kunstdenkmale des Bundesdenkmalamtes.

Reliquienschrein Stiftskirche Mondsee
Der spätbarocke Reliquienschrein der ehemaligen Stiftskirche Mondsee enthält die Gebeine des seligen Abtes Konrad II. sowie die Katakombenheiligen Acatemera, Praejectitia (Fotos) sowie S. Castus und S. Liberatus. In einer Musterarbeit der Werkstätten des Bundesdenkmalamtes wurde die linke Seite des Reliquienaufsatzes mit der Skelettreliquie des S. Liberatus Martyr bereits restauriert.
Die Knochenreliquien sind in weiße Seidengaze gehüllt, mit Schmuckbändern, Broschen und Edelsteinimitationen aus Glasschliffen geschmückt. Diese mühevollen und langwierigen Arbeiten wurden meist in Nonnenklöstern gemacht.

Die Reliquienschreine sind stark verstaubt, der Holzwurm hat ihnen zugesetzt, die Deckentapezierung weist Wasserschäden auf. Die Textilien haben durch Licht und Staub gelitten und sind brüchig geworden. Nach einer Reinigung durch Abpinseln und Absaugen müssen Metallgespinste wieder fixiert, gebrochene Knochen geklebt oder umhüllt und Textilien unterlegt werden. Die schwierige Reparatur wird in einem Team von hoch spezialisierten Holz-, Textil- und Metallrestauratoren in Zusammenarbeit mit den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes geleistet.

Literatur
Manfred Koller, Zum Reliquienaufsatz des Hochaltars von 1732 der ehemaligen Stiftskirche Mondsee, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, LX 2006, Heft 1/2, hrsg. Bundesdenkmalamt Wien

Lexikon der christlichen Ikonografie, hg. von Wolfgang Braunfels, Freiburg/Breisgau 1974.

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