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Spektakulärer Grabfund der Hallstattkultur im Attergau

Schmuckgegenstände während der Freilegung

Schmuckgegenstände der Hallstattkultur während der Freilegung. Foto: BDA.

Freilegung der Funde

Fachgerechte Freilegung der Funde in der ehemaligen Grabkammer aus Holz. Foto: BDA.

Vermessung der Grabbeigaben

Vermessung der Grabbeigaben bei der Ausgrabung. Foto: BDA.

Doppelspiralnadeln aus Bronze und Bernsteinperlen

Doppelspiralnadeln aus Bronze und Bernsteinperlen. Foto: BDA.

In der Gemeinde Berg im Attergau wurde ein prunkvoll ausgestattetes Frauengrab aus der Zeit um 500 v. Chr. gefunden. Der spektakuläre Fund wirft ein neues Licht auf die Besiedlung des Attergaues während der Hallstattzeit.

Von Mai bis August 2006 wurden in Zusammenarbeit zwischen dem Heimatverein Attergau und dem Bundesdenkmalamt im Rahmen des EU-Leader-Projektes „Attergau-Zeitreise“ zwei bisher undatierte Hügelgräber archäologisch untersucht. Das insgesamt fast 40 Hügelgräber umfassende Gräberfeld am Dienstberg im Eggenberger Wald (Gemeinde Berg im Attergau) wurde vor wenigen Jahren von Konsulent Johann Eicher entdeckt. Mit der Ausgrabung konnten nun die Funktion und die Datierung der Hügel geklärt werden.
In dem großen Hügelgrab (Durchmesser 15 m, Höhe 1,2 m) kam eine Brandbestattung mit insgesamt drei Keramikgefäßen zu Tage.
In dem benachbarten kleineren Grabhügel (Durchmesser 8 m, Höhe 0,4 m) wurden Reste einer hölzernen Grabkammer im Ausmaß von etwa 3 x 3 m festgestellt, die einen spektakulären Fund enthielt: Neben Überresten von Leichenbrand kamen die Bruchstücke von zwei großen Vorratsgefäßen aus Keramik und drei zugehörigen Trinkgefäßen zu Tage. Daneben lagen prunkvolle Trachtbeigaben: Drei rund 20 cm große Doppelspiralnadeln, zwei bronzene Schleifenfibeln, zwei massive Armreife aus Bronze sowie zwei Perlen aus Bernstein, die vermutlich als Amulett an einem Halsband getragen worden sind. Von besonderer Bedeutung ist auch ein mit verschiedenen Punzen verzierter Gürtel aus dünnem Bronzeblech, an dem noch 2500 Jahre alte Textilreste erhalten sind. Der fragile Blechgürtel wurde mit dem umgebenden Erdreich geborgen und wird derzeit in den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes fachgerecht konserviert.
Die prächtigen Beigaben stammen vom Grab einer wohlhabenden Frau; insbesondere die Trachtbestandteile und der Schmuck dienten zu Repräsentationszwecken. Die Trägerin besaß wahrscheinlich eine herausragende soziale oder religiöse Stellung. Vergleichbare Grabfunde sind bisher vor allem in den reichen Gräberfeldern in Hallstatt und am Dürrnberg bei Hallein bekannt.
Die am Ende des 8. Jhs. v. Chr. entstandene Hallstattkultur wird nach dem Bergbauzentrum am Hallstätter See im oberösterreichischen Salzkammergut bezeichnet. Auffälligste Neuerung im archäologischen Fundbild dieser Epoche ist das erste Auftreten von Waffen und Gerätschaften aus Eisen. Im Totenritual kommen Brand- und Körperbestattungen nebeneinander vor. Der Hügel ist das vorherrschende Prinzip in der Grabarchitektur. Prunkvolle Beigaben in den Gräbern sprechen für das Bestehen einer Oberschicht, deren Macht und Reichtum auf die Verfügung über den Rohstoff Salz und einen ausgedehnten Handel zurückzuführen sind.
Die Ergebnisse der Ausgrabung und die Funde werden am 25. Oktober 2006 in Berg im Attergau der Öffentlichkeit präsentiert.

Interesse an der Hallstattkultur?
 Das sind die einschlägigen Publikationen der Abteilung für Bodendenkmale:  

Der hallstattzeitliche Bronzehort von Fließ im Oberinntal, Tirol (FÖMatA3) 
Inzersdorf-Walpersdorf. Studien zur späthallstatt-/latènezeitlichen Besiedlung im Traisental, NÖ (FÖMatA6) 
Die hallstattzeitlichen Hügelgräber von Langenlebarn, NÖ (FÖMatA12) 
 
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