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Rückführung des „Fürstensteines“ in das Klagenfurter Landhaus

Die neue Lösung einer adäquaten Präsentation unter dem Fromiller-Fresko im „Großen Wappensaal“.

Die unpassende „Inszenierung“ des Fürstensteines im Stiegenhaus des Amtes der Kärntner Landesregierung ( Foto: Amt der Kärntner Landesregierung).

Vorläufig letztes Kapitel im Streit um die historische Bedeutung des Fürstensteines für Slowenien und Kärnten: eine von mehreren Klagenfurter Geschäftsleuten bei einer steirischen Schokoladefirma in Auftrag gegebene, zweisprachig ausgewiesene „Fürstenstein-Schokolade“, die angeblich reißenden Absatz findet!

Bis 1862 stand der „Fürstenstein“ auf einem Feld in Karnburg. In diesem Jahr wurde er im "Großen Wappensaal" des Landhauses aufgestellt.


Nach der Aufstellung im „Großen Wappensaal“ im Landhaus wird das bedeutende Rechtsdenkmal der Öffentlichkeit wieder an jenem Standort gezeigt, der bereits im 19. Jahrhundert als adäquater Präsentationsrahmen für eines der „ältesten Herrschaftszeichen (…) auf heute österreichischem Boden“ (Herwig Wolfram, Universität Wien und Institut für österreichische Geschichtsforschung) erachtet wurde.
Im letzten Jahr wurde der Fürstenstein, ein aus Virunum stammendes römerzeitliches Säulenfragment, auf Weisung des Kärntner Landeshauptmannes aus der Aula des Landesmuseums, wo das Denkmal hundert Jahre - von 1905 bis 2005 - aufgestellt war, in das von Umbauten der 1960er Jahre geprägte Stiegenhaus des Amtes der Kärntner Landesregierung verbracht. Der Anlass für den überraschenden Standortwechsel wurde von den Kärntner Medien in der Absicht der Republik Slowenien gesehen, den Fürstenstein als Prägemotiv der ab 2007 gültigen slowenischen 2-Cent-Münzen zu verwenden.

Die Ursache für den im 19. Jahrhundert im Zuge nationalstaatlicher Ideen ausgebrochenen Konflikt um den Fürstenstein als nationales Symbol liegt in der multiethnisch geprägten Geschichte Kärntens im Frühmittelalter. Aus der Zeit des slawischen Fürstentums Karantanien soll sich jenes Zeremoniell der Fürsteneinsetzung erhalten haben, das in spätmittelalterlichen Quellen als erster Akt eines im 13. Jahrhundert bereits dreiteiligen Einsetzungsbrauches überliefert ist: Der in Bauerntracht gehüllte Fürst musste vor dem „Herzogbauern“ erscheinen, der auf dem Fürstenstein in Karnburg Platz genommen hatte. Nach Beantwortung mehrerer Fragen in „windischer“ Sprache durfte sich der Fürst auf den Stein setzen und das Land in Besitz nehmen. Als weitere Etappen der Zeremonie folgten ein Kirchenbesuch in Maria Saal und ein feierlicher Zug zum Herzogstuhl, dem „feudal-dynastischen Gegenstück gegenüber dem Bauernstuhl“ (Wilhelm Neumann, ehem. Direktor des Kärntner Landesarchives), wo zum letzten Mal Kaiser Ferdinand II. 1597 bezeugte, die Rechte und Freiheiten des Landes zu achten, den Treueid der Landstände entgegennahm und Lehen vergab. Jener erste, im Selbstverständnis des Landes elementare Moment der Herzogseinsetzung auf dem Fürstenstein wurde von Kärntens bedeutendstem Barockmaler Josef Ferdinand Fromiller 1740 im „politisch repräsentativsten Innenraum Kärntens“ (Diözesankonservator Eduard Mahlknecht) mit barocker Erzählfreude und Farbigkeit festgehalten.

Die Präsentation des Fürstensteines im Landesregierungsgebäude in einem aus Plexiglas gefertigten Blütenstrahlenkranz wurde der geschichtlichen und kulturellen Bedeutung des Denkmales keineswegs gerecht. Als daher das Amt der Kärntner Landesregierung das Bundesdenkmalamt im Frühjahr 2006 um Bewilligung einer neuerlichen Translozierung des Fürstensteines in den durch Wand- und Deckengemälde Fromillers sowie 665 Wappen der Kärntner Landstände ausgezeichneten „Großen Wappensaal“ des 1574-1590 errichteten Landhauses ersuchte, verwehrte sich das Landeskonservatorat für Kärnten entschieden gegen die Mitübersiedelung der unpassenden „Plexiglas-Kulisse“.

Daraufhin wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Landtagsamt, dem Landesmuseum und dem Bundesdenkmalamt ein zylindrischer Sockel in Leimholzkonstruktion hergestellt und darauf stehend der Fürstenstein wieder an der Nordseite des Wappensaales unmittelbar unterhalb der Fromiller-Freskos mit der Darstellung der Herzogseinsetzung zur Aufstellung gebracht. Diese zurückhaltende Form der Präsentation des Fürstensteines mindert die kunsthistorische Bedeutung des für Kärnten wohl wichtigsten Saales nicht, sondern schafft vielmehr durch die Konfrontation des tatsächlichen Denkmales mit der von Fromiller gemalten Darstellung ein neues und in sich schlüssiges Gesamtkunstwerk. 



Textquelle mit Angabe der aktuellen wissenschaftlichen Literatur: Claudia Fräss Ehrfeld: Der Fürstenstein, in: Geschichtsverein für Kärnten (Hrsg.): Programm – Erstes Halbjahr 2006, S. 61-66

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