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Jüdischer Friedhof, Hohenems -
Zur Konservierung des Grabmals der Famile Menz (1875/76)

Zustand nach der Konservierung von Osten mit zarten Bleidächern

Zustand nach der Konservierung von Osten mit zarten Bleidächern ©Dr. Pfanner GmbH

Familiengrabmal Menz vor der Sanierung

Familiengrabmal Menz vor der Sanierung ©Dr. Pfanner GmbH

Zustand vor Konservierung von Osten mit Bleckabdeckungen

Zustand vor Konservierung von Osten mit Bleckabdeckungen ©Dr. Pfanner GmbH

Schadensbefund des Restaurators

Schadensbefund des Restaurators © Dr. Pfanner GmbH

Grabsteine während der Versetzung

Grabsteine während der Versetzung ©Dr. Pfanner GmbH

Familiengrabmal Menz nach der Sanierung

Familiengrabmal Menz nach der Sanierung ©Dr. Pfanner GmbH

Südlich von Hohenems, beim ehemaligen Schwefelbad, liegt am Fuß des Berghanges der ab 1617 entstandene Jüdische Friedhof.

Urkundlich 1617 (Schutzbrief von Graf Caspar von Hohenems) gegründet und 1768, 1803, 1855-1857 und 1900 erweitert, ist das Areal heute von einer Natursteinmauer umgeben und an der unteren Längsseite von einem zweiflügeligen schmiedeisernen Tor unterbrochen, hinter welchem die Abdankungshalle steht. Von ursprünglich ca. 500 Gräbern haben sich 370 Grabsteine erhalten. Durch das Jüdische Museum in Hohenems wurden diese im Zuge einer detaillierten Vermessung des Friedhofs erfasst. Es fand dabei eine fotografische Dokumentation aller erhaltenen Inschriften und eine kunsthistorische Beschreibung der interessantesten Grabsteine statt.
Die Zeit des Nationalsozialismus hat der Friedhof weitgehend unzerstört überstanden. 1954 kaufte eine Gruppe von Nachkommen von Hohenemser Juden, die im Kanton St. Gallen wohnten, von der Israelitischen Kultusgemeinde Innsbruck den Friedhof und gründete den Verein zur Erhaltung des jüdischen Friedhofs in Hohenems. Obwohl die Jüdische Gemeinde von Hohenems aufgelöst wurde, existierte der Friedhof bis heute weiter. Da jedoch die wenigen überlebenden Nachkommen nicht mehr im Land wohnen, wurde die Erhaltung des Friedhofes bedauerlicherweise bis auf wenige Ausnahmen vernachlässigt. Dies bewog den Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt Hohenems, dem Land Vorarlberg und dem Denkmalamt etappenweise Grabsteine zu bergen, diese zu restaurieren und wieder standfest zu versetzen. 1999 wurde mit diesen Arbeiten begonnen und je nach Aufwand bzw. zur Verfügung stehender finanzieller Mittel jeweils einige Grabsteine restauriert. Zwei dieser in den letzten Jahren restaurierten Grabsteine sind die des Bürgermeisters Samuel Menz († 1876) und seiner Gemahlin Babette Menz († 1875).
Samuel Menz (geb. am 3. Dezember 1800) war das sechstes Kind von Babette Moos und Michael Moos (1813 nahm die Familie den Namen Menz an). Einige Jahre arbeitete Menz als Lehrer wurde aber sehr bald Generalagent der „Triester Assekuranzgesellschaft Riunione Adriatica di sicurta für Tirol und Vorarlberg“. Samuel Menz war im öffentlichen Leben des Landes aktiv und gehörte unter anderem zu den Gründern des Vorarlberger Museumsvereines. Von 1859 bis 1868 war er Bürgermeister der damals auch politischen unabhängigen jüdischen Gemeinde von Hohenems.
In die beiden aus Sandstein gehauenen Grabsteine (ca. 170 cm hoch und insgesamt 175 cm breit) sind hangseitig hebräische und talseitig deutsche Inschriften eingraviert. Über die deutschen Inschriften wurden zu späterer Zeit Marmortafeln angebracht. Beim Grab der Babette Menz war diese nur mehr in Bruchstücken vorhanden. Die beiden Grabsteine standen auf einem verschobenen und teilweise versunkenen Sandsteinunterbau, welcher nicht mehr erhalten werden konnte. Das Grab war rezent mit Kupferblech abgedeckt. Dieses bot soweit Schutz, dass das massive Schadensbild von oben nach unten zunahm. Der Zustand der Steine war derart schlecht, dass auf Grund der komplett mürben, rissigen und abschiefernden Oberfläche die Restaurierbarkeit fraglich war.
Bei der Restaurierung wurde rein konservatorisch vorgegangen. Vor dem Abbau wurden alle losen Stellen vorgefestigt bzw. abgesichert und in der Werkstatt die Steine längere Zeit einer Trocknungsphase unterzogen. Durch mehrmaliges Verfestigen, Injizieren, Verkleben loser Teile und teilweises Vernadeln konnte doch Einiges an Oberfläche mit gravierter Schrift erhalten werden. Die Schrift wurde neu gefasst und die gesamte Oberfläche mit einer Silikonschutzlasur überzogen. Die restaurierten Grabsteine wurden zum besseren Schutz vor aufsteigender Feuchte und Spritzwasser (Hauptschadensursachen) auf einen Sockel aus Muschelkalk montiert. Anstatt der Kupferdächlein wurden Bleiabdeckungen angebracht, da sich diese besser der Form der Grabsteine anpassen.
Trotz der ursprünglich angenommenen Grenze der Restaurierbarkeit konnten die beiden Grabsteine erhalten und vor allem ein Teil der hebräischen Inschriften wieder lesbar gefestigt werden.

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