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Wien 1, Salvatorgasse 12: Reste des römischen Lagers und eines mittelalterlichen Wohnhauses entdeckt

Römischer Goldohrring mit Trauergenius

Römischer Goldohrring mit Trauergenius. Foto: J. Wagner.

Überblicksaufnahme der Grabungsfläche

Überblicksaufnahme der Grabungsfläche. Foto: J. Wagner.

Glasierte Kanne mit Reliefdekor, 13. Jh

Glasierte Kanne mit Reliefdekor, 13. Jh. Foto: A. Schuhmacher.

Kapitell mit Bemalungsresten, um 1300 (?). Foto: A. Schuhmacher.

Bei einer Notgrabung der Abteilung für Bodendenkmale wurden bedeutende Baureste aus der Römischen Kaiserzeit und dem Mittelalter freigelegt

Im Vorfeld der geplanten Errichtung einer Tiefgarage im Innenhof des Gebäudes Salvatorgasse 12 wurde eine archäologische Ausgrabung durchgeführt, die im Mai 2006 abgeschlossen werden konnte. Die Arbeiten wurden vom Hauseigentümer (Fa. Wertimmobilien-Invest) finanziert.
Das Grabungsareal befindet sich im nördlichen Randbereich des ehemaligen römischen Legionslagers Vindobona. Die ältesten aufgedeckten Überreste dieser Anlage waren Holzbauten und Abfallgruben aus dem späten 1. Jh. n. Chr., die im 2./3. Jh. durch Steingebäude ersetzt wurden. Diese Bauten waren bereits aufwändiger gestaltet und zum Teil mit Öfen bzw. Heizanlagen ausgestattet. In der Spätantike (4./5. Jh.) wurde die Bebauungsstruktur des untersuchten Bereichs verändert; dieser diente nun offenbar vor allem zu handwerklichen Zwecken.
Die mittelalterlichen Befunde waren durch eine nachrömische Humusbildung („dark earth“, „Schwarze Schicht“) von den römerzeitlichen Horizonten getrennt. Erst ab dem 10./11. Jh. kam es zu einer erneuten Siedlungstätigkeit in dem untersuchten Areal, die wiederum hauptsächlich aus Holzbauten bestand. Im Spätmittelalter wurden zwei Drittel der Fläche mit einem mehrphasigen Steingebäude verbaut, das 1393 urkundlich als Wohnung des Pfarrers von Maria am Gestade erwähnt wird und offenbar bis zum Bau des heute existierenden Wohnhauses im 19. Jh. bestanden hat.
Unter dem geborgenen Fundmaterial stechen ein römischer Goldohrring und mehrere vollständig erhaltene mittelalterliche Gefäße hervor.
Text: Martin Krenn, Jasmine Wagner, Paul Mitchell und Martina Hinterwallner

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