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Die Anstalt am Steinhof

Um die Jahrhundertwende dokumentierte Otto Wagner in einem Spitalsbau seine Vorstellung der „Baukunst unserer Zeit“, die nicht nur die eigentlichen Gebäude, sondern auch deren Situierung in der Landschaft umfasst.

Was da von 1904 bis 1907 am Südhang des Galitzinberges gebaut wurde, war eine internationale Sensation:
Und das nicht nur stilistisch – obwohl die alles überragende Kirche noch heute als bedeutendster Sakralbau der Wiener Moderne gilt und auch die übrigen Bauten in architektonisch hochwertigen secessionistischen Formen errichtet wurden.
Die geradezu revolutionäre Neuerung war aber die Konzeption der Gesamtanlage, die gleich mit mehreren Traditionen brach.
Die Anlage liegt offen über den Hügel verteilt, weithin sichtbar, mit zentraler Repräsentationsachse, die zur Kirche hinführt, aber etwa auch ein Gesellschaftshaus mit Theater und Küche umfasst: hier wird nicht mehr schamhaft versteckt, was die Gesellschaft aussortiert hatte. Nicht mehr die jahrhundertealten Berührungsängste gegenüber geistigen Erkrankungen manifestieren sich in der Architektur, sondern optimistisches Vertrauen in medizinischen Fortschritt.
Ebenfalls richtungweisend: das Pavillonsystem, das die Kontroll- und Überwachungsvorstellung älterer Bauten mit ähnlicher Funktion verwirft.
Diesem Generalkonzept verdankt die ehemalige „Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke“ ihre überragende Bedeutung; deshalb stehen auch nicht die einzelnen Pavillons, sondern die Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

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