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Pfarrkirche Velden

Außenansicht der Pfarrkirche nach der Neueindeckung und Färbelung der Turmfassaden 2005

Innenansicht der Pfarrkirche mit Blick auf den Hochaltar nach der Färbelung und Restaurierung der Ausstattung 2006

Detailansicht vom Hochaltar des Jahres 1942 nach der Restaurierung: Die in der Verkündigungsszene gezeigte Ansicht der Pfarrkirche wurde 1962 durch den Anbau einer Vorhalle an der Ostseite des Kirchenschiffes verändert.

Detailansicht vom neu situierten Taufstein

Abschluss der Restaurierung einer Kircheneinrichtung aus den 1940er Jahren

Bei einer ersten Bestandsaufnahme der Architektur aus der Zeit des Nationalsozialismus in Kärnten im Jahr 2003 blieben zwischen 1938 und 1945 geschaffene Kirchenbauten, –ausstattungen und -einrichtungen weitgehend unberücksichtigt, da sie keine spezifische Stil- und Formmerkmale der NS-Architektur, sondern wie im Falle der "Baumgartner" - Kirche in Velden eine aus den relevanten Architekturströmungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gespeiste Bauauffassung zum Ausdruck bringen.

Das Aktenarchiv des Landeskonservatorates für Kärnten gibt zur Veldener Pfarrkirche weniger Aufschluss über die Zeitumstände als über die Rivalität des in Velden ansässigen und wegen seiner stilistisch eigenständigen, in großer Anzahl geplanten Villen so genannten „Wörthersee-Architekten“ Franz Baumgartners mit seinem Konkurrenten Walter G. Mayer. Letzterer hatte sich bereits in einem Wettbewerb für einen Kirchenbau im nahe gelegenen Rosenbach gegen Baumgartner durchgesetzt und ging auch aus dem Wettbewerb für den Bau einer „Heldengedächtniskirche“ genannten Pfarrkirche in Velden als Sieger hervor, obwohl Baumgartner gleich drei (!) verschiedene Entwürfe unter verschiedenen Kennworten eingereicht hatte. Den Auftrag erhielt dennoch Baumgartner – eine Entscheidung, die von der lokalen Presse stark in Frage gestellt wurde.

1938 fertig gestellt, liegen die architektonischen Qualitäten des schlichten, durch Rundbögen im Fenster-, Portal- und Emporenbereich aufgelockerten Baues im Innenraum, in der „durch klare Symmetrien der Wände“ bewirkten Akzentuierung von Längs- und Querachse (vgl. F. Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer in drei Bänden, Salzburg und Wien 1932, Bd. 2, S. 90).

1939 – 1942 erhielt die Kirche eine aus einem Hauptaltar, Seitenaltären und Kreuzwegbildern bestehende, stilistisch noch etwas in der Tradition des Historismus stehende Einrichtung, die durch eine Bezeichnung „CA 1942“ und in archivalischen Unterlagen der Diözese Gurk als Schnitzarbeit des Tiroler Bildhauers Andreas Crepaz ausgewiesen ist. Durch die Fortsetzung des architektonisch dominanten Bogenelementes in den Reliefumrahmungen der Altarretabeln bilden Innenraum und Einrichtung eine harmonische Einheit.

Nach einer Neueindeckung der Turmfassaden und Außenfärbelung im Vorjahr wurde heuer das Kircheninnere – im Gegensatz zu einer bestehenden Zweifärbigkeit der 1960er Jahre – wieder dem Erscheinungsbild der Bauzeit entsprechend in gebrochenem Weiß gefärbelt. An einigen wenigen Teilen der Ausstattung wurden Korrekturen in der Farbgebung vorgenommen. Der durch Teppiche in verschiedenen Rottönen bisher nahezu völlig der Sicht entzogene Terrazzoboden als zeittypisches Element der späten 1930er und 1940er Jahre wurde freigelegt und saniert.

An den Altären wurden die bestehenden Metallvergoldungen mit Lüstrierungen in Krapplack und Grün beibehalten und zum Teil mit Schlagmetallgold neu ergänzt. An den Temperafassungen der Reliefs wurden Retuschen in der Originaltechnik vorgenommen. Die Inkarnate der Figuren hatten zuletzt Patinierungen, die auf den relativ grob geschnitzten Oberflächen störend wirkten und daher entfernt wurden. Am Marienaltar der nördlichen Seitenkapelle wurde anstelle einer Fassung der 1970er Jahre wieder die hellgrau-weiß-grüne Marmorierung der Entstehungszeit freigelegt bzw. rekonstruiert.

In Kärnten mit seinen vielen Kirchenrestaurierungen ist die Pfarrkirche von Velden als seltenes Beispiel für die Restaurierung einer Architektur und Ausstattung der späten 1930er und 1940er Jahre und insbesondere wegen des sehr guten Ergebnisses der von den Firmen Campidell und Egger durchgeführten Färbelungs- und Restaurierungsmaßnahmen besonders hervorzuheben.

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