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GrabsteineZum 5. Mai: "Nationaler Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus"

© Stöffler & Stöffler

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Hinter einem Seniorenheim der Gemeinde Wien finden sich in der Seegasse 9 die Reste des alten jüdischen Friedhofes in der Rossau.

Wahrscheinlich wurde der Friedhof bereits um 1540 angelegt, in allerdings mäßig günstiger Lage: zu nah an den Donauarmen, die immer wieder Hochwasser führten und Grabsteine unterschwemmten. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war der Friedhof in schlechtem Zustand, viele Grabsteine nur mehr in Bruchstücken vorhanden.

Schlimmer als jede Naturkatastrophe wüteten die Nationalsozialisten: 1941 wurden alle jüdischen Friedhöfe aufgelassen, zwischen 1943 und 1944 wurden in der Rossau über 800 Grabsteine entfernt (sie sollten „volkswirtschaftlich verwertet“ werden). Für diese Arbeiten wurden jüdische Zwangsarbeiter eingesetzt, denen es gelang, etliche Grabsteine zu retten und im jüdischen Teil des Zentralfriedhofs zu verstecken. Auch einige Gebeine konnten sie sichern.

Etwa 300 der geraubten Steine konnten wieder zurückgeführt werden, allerdings sind die Aufzeichnungen über die einstigen Grabstätten nicht eindeutig. Und die wiedergefundenen Steine zeigen die Spuren ihrer Geschichte: einige sind zerbrochen, wurden nicht immer fachgerecht repariert, was weitere Schäden hervorgerufen hat; bei der Neuversetzung 1982-1984 wurden sie in einer Weise aufgestellt, die mitterweile zu Sturz- und Kippgefahr führt.

Das Grundstück in der Seegasse wurde 1945 restituiert, die Gemeinde Wien hat es von der IKG gekauft, mit der Auflage, den Friedhof zu betreuen und in Stand zu setzen. 2005/06 wurde eine Bestandaufnahme und Schadensbefundung der Steine durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes und die ARGE Stöffler & Stöffler, Wien 2, durchgeführt. Die Arbeiten zur Konservierung und Sicherung der Steine beginnen noch dieses Jahr.

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