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Die Pfarrkirche in Sternberg und ihre wieder erlangte Einheitlichkeit von Architektur und Ausstattung

Von der spätgotischen Einrichtung der Pfarrkirche ist ein Taufstein mit einem bemalten Aufsatz erhalten, der zuletzt in einem schmalen Mauerwinkel neben einer Mensa ein unscheinbares Dasein fristete. Er wurde nun in der nördlichen Seiten- und nunmehrigen Taufkapelle neu situiert.

Außenansicht der Chorturmkirche mit der im Jahre 1997 wieder hergestellten Architekturpolychromie des 18. Jahrhunderts.

Der Innenraum, wie er sich vor der Färbelung in der Nachkriegszeit darstellte: Nach Untersuchungen der Architekturpolychromien aus der Spätgotik bis in die frühe Nachkriegszeit wurde entschieden, weitmöglich die Farbigkeit der Barockzeit zu rekonstruieren. In nicht einsichtigen Teilbereichen blieben die ältere Raumfassungen für künftige Befunderhebungen erhalten.

Altarraum nach Wiederherstellung der Raumfassung der Barockzeit: Da von den Gewölbe- und Wandmalereien im Altarraum nach früheren Renovierungen nur noch Fragmente freigelegt werden konnten, wurden die übrigen Gewölbebereiche und Wandfelder in Angleichung an die barocke Farbgebung der Gewölberippen und des übrigen Kirchenraums in gebrochenem Weiß gefärbelt. Die vom Hochaltar verdeckten spätgotischen Steinkonsolen mit Köpfen und ornamentierten Reliefs zeigen nach der Freilegung wieder die rosafarbigen Schlämmen der Spätgotik.

Der nach der Restaurierung wieder aufgestellte Hochaltar: Von drei vorhandenen Fassungen wurde am Gehäuse und an den Einzelfiguren die Originalfassung mit bemerkenswerten mehrfarbigen Marmorierungen freigelegt, die zeitgleich mit den gleichartigen Marmorierungen der Kanzel von 1793/ 94 zu datieren ist.

Die freigelegte Originalmarmorierung am Antependium des Hochaltars, die in der Nahaufnahme Assoziationen zur zeitgenössischen Malerei weckt.

Die Detailaufnahme des Taufdeckels macht das Erfordernis einer - derzeit aus Kostengründen zurückgestellten - Restaurierung ersichtlich.

Zuletzt wurde an der Kanzel von Restaurator Lukas Arnold die Zweitfassung von 1793/ 94 freigelegt. Auf einer Plinthe unter einer Brüstungssäule des Kanzelkorbes ist auf einer Bleistiftinschrift das Renovierungsdatum genannt.

Mit der Rückkehr zur Farbgebung aus der Zeit der Barockisierung wird eine heute als ästhetisch und historisch „richtiger“ empfundene Lesart des Kircheninneren ermöglicht.

Die weithin sichtbare, auf einem schmalen Felsplateau in über 700 m Seehöhe errichtete Pfarrkirche von Sternberg wird wegen ihrer Aussicht auf den Wörthersee und wegen ihres nordwestlich der Kirche gelegenen, von der Pfarre betriebenen Gastbetriebes im ehemaligen Messnerhaus gerne für Hochzeiten und Taufen in Anspruch genommen. In vorösterlicher Zeit frequentieren Kulturtouristen die spätgotische, durch eine 1586 errichtete Vorhalle und barocke Seitenkapellen erweiterte Kirche häufig auch wegen ihres „1629“ bezeichneten, noch in der Tradition des mittelalterlichen Feldertypus stehenden Fastentuches.

Neugotische Raumfassungen des Jahres 1875 und der frühen Nachkriegszeit im Kircheninneren waren auf Wiederherstellung eines möglichst der Gotik nachempfundenen Aussehens der überwiegend aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kirche ausgerichtet, ohne die querhausartigen seitlichen Kapellenanbauten des 17. Jahrhunderts zu berücksichtigen. Die Raumhülle des Kirchenschiffes wurde mehrmals übertüncht, „1676“ datierte Secco-Malereien an den Gewölben und Wänden des Altarraumes durch Übermalungen nachhaltig beschädigt. Die plastische Ausstattung des Chores - Gewölberippen und Kopfkonsolen des 14. Jahrhunderts - als auch die Einrichtung des 18. Jahrhunderts wurden - Restaurierungsauffassungen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts entsprechend - in ihren farbigen Neufassungen auf die Gesamtwirkung des vorwiegend gotischen Raumes abgestimmt.

Nach eingehender Befunderhebung wurde für die derzeitige Restaurierung die Rekonstruktion der Farbigkeit der Barockzeit mit einer Uni-Färbelung in gebrochenem Weiß beschlossen. Im Altarraum konnte man nur den nach früheren Renovierungen noch verbliebenen Restbestand eines barocken Dekors freilegen. Durch die wieder hergestellte Farbigkeit hat das „Raumerlebnis“ in der diesjährigen Osterzeit eine zusätzliche Steigerung erfahren, als der Hochaltar mit Figuren des Klagenfurter Bildhauers Joseph Mayer, die ältere Kanzel - nach der Restaurierung mit nunmehr wieder freigelegter Originalfassung von 1793/ 94 - und der spätgotische Taufstein in den Altarraum zurückkehrten. In den kommenden Monaten sind auch an den übrigen Altären Freilegungen der Originalfassungen geplant.

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