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Großraming: "Taverne unterm Stein" bleibt erhalten

Engagierte Eigentümer sanieren die historische Gastwirtschaft. Wiedereröffnung als Event-Lokal. Führungen durch das Haus.

Die ehemalige Taverne unterm Stein im Haus Hintstein 56 befindet sich an der Straße von Großraming nach Weyer am Ufer der Enns. Sie liegt inmitten der Kulturlandschaft Eisenwurzen an der so genannten „Eisenstraße“. Das Gebäude geht in seiner Grundsubstanz auf das 16. Jahrhundert zurück. Die innere Struktur des Kellers und des Erdgeschosses sind authentisch aus der Bauzeit erhalten geblieben.

An der steinsichtigen Fassade mit neuen Holzkastenfenstern ist die spätere, vermutlich in der Barockzeit erfolgte Aufstockung um ein Geschoss anhand der Baunaht deutlich erkennbar. Der straßenseitigen Gebäudefront ist mittig eine zweiläufige Freitreppe zum Rundbogenportal vorgelagert.
Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes als ehemalige Taverne ist an der Raumaufteilung nach wie vor ablesbar. An einen breiten und durchgehenden Erdgeschossflur schließen beiderseits die ehemaligen Gastzimmer sowie die Küchenräumlichkeiten an. Der Flur ist mit einem Stichkappentonnengewölbe gedeckt. Die Grate sind markant angeputzt und enden jeweils in einem als Lilie geformten Ornament. Die ebenerdige Gaststube liegt rechts vom Flur und ist mit einer aus der Bauzeit stammenden Riemlingdecke über mächtigem Rüstbaum gedeckt. Die Fenster sitzen in tiefen flachbogig gewölbten Laibungen. Im Anschluss an die Gaststube befindet sich die so genannte „Schwarze Küche“ mit rußgeschwärztem Stichkappentonnengewölbe.  Der Dachstuhl besteht überwiegend aus gehackten Holzbalken mit Blattverbindungen. Der Keller ist mit einem hohen Stichkappentonnengewölbe gedeckt.

Die so genannte „Taverne unterm Stein“ dokumentiert ein bemerkenswertes Beispiel eines im ältesten Baukern aus der Spätgotik stammenden Gebäudes mit barocken Erweiterungen. Insbesondere die Raumstruktur von Erd- und Kellergeschoss ist in ihrem Charakter seit der Bauzeit kaum verändert worden. Zahlreiche handwerklich solide gefertigte Bauteile wie die Riemlingdecke über Rüstbaum in der Gaststube, die unterschiedlichen Gewölbeformen, die zum Teil mit aufwändigen Graten verziert sind, sowie die erhaltenen Steinteile und Türblätter der Portale bezeugen eindrucksvoll die baukünstlerische Bedeutung des Gebäudes. Kulturgeschichtlich bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Gebäude über Jahrhunderte seine Funktion als gastgewerblicher Betrieb bewahren konnte. In der ursprünglich an Tavernen reichen Region sind nur mehr wenige in dieser Funktion und in vergleichbarem Erhaltungszustand vorhanden, weshalb der „Taverne unterm Stein“ Seltenheitswert zukommt.

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